Der „Spiegel“ hat sein umstrittenes Titelcover über den AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, verteidigt. Das Magazin hatte den Politiker als „den gefährlichsten Mann Deutschlands“ bezeichnet. Die Darstellung löste unter anderem wegen ihrer Zuspitzung und der an ein Fahndungsplakat erinnernden Gestaltung Kritik aus.
In der Sonntagsausgabe des Morgen-Newsletters „Die Lage am Morgen“ verteidigte Chefredakteur Dirk Kurbjuweit den Titel. Politiker hätten wegen ihrer Gestaltungsmacht potenziell größere Auswirkungen auf das Leben vieler Menschen als Einzelpersonen: „Wenn ein Politiker böse Absichten hat – die allermeisten haben das zum Glück nicht –, kann das böse Folgen für Hunderttausende haben, vielleicht für Millionen.“
Siegmund sei „aus Sicht liberaler Demokraten“ derzeit der gefährlichste Mann Deutschlands, denn er gebe sich freundlich und gewinnend, schrieb Kurbjuweit. Im Hintergrund lasse er sich jedoch „von einem Netzwerk rechter Extremisten unterstützen“. Seine Pläne für Sachsen-Anhalt seien ein Anschlag auf die liberale Demokratie: „Minderheiten würden das zuerst spüren.“
Zugleich wies er den Vorwurf zurück, mit der Titelgeschichte in den Wahlkampf eingreifen zu wollen: „Relevanz ist unser oberstes Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nützt oder schadet.“ Außerdem glaube man beim Spiegel nicht, mit dem eigenen Journalismus Wahlergebnisse beeinflussen zu können.
Wolfgang Bosbach (CDU) bezeichnet die „Spiegel“-Story über Ulrich Siegmund als „unfreiwillige Wahlhilfe“ für die AfD: „Ich habe einen Vorschlag für die nächste Ausgabe: Die dümmste Redaktion Deutschlands.“Ein möglicher AfD-Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt würde nach Einschätzung des Magazins Auswirkungen haben, die über das Bundesland hinausreichten. „,Sagen, was ist’ – das Motto unseres Herausgebers Rudolf Augstein – gilt auch für die Titelseite.“
Siegmund reagierte auf das Cover mit Spott und bezeichnete es als „sehr gute Werbung“. In den sozialen Medien kursieren Videos, in denen zu sehen ist, wie der Politiker „Spiegel“-Ausgaben signiert.
Kritiker des Titels hatten bezweifelt, dass die Titelgeschichte die drastische Formulierung „gefährlichster Mann Deutschlands“ ausreichend belege. Andere Beobachter argumentierten, eine derart zugespitzte Darstellung könne der AfD sogar nutzen. Der frühere Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch nannte das Cover einen „Skandal“, „irre“ und „unverantwortlich“ und sprach von „Wahlkampfhilfe für die AfD“.
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