Die lange Suche nach einem Vizepräsidenten an der Spitze des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) steht offenbar vor dem Abschluss. Nach Informationen von WELT soll der derzeitige Präsident der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS), Jens Koch, neuer Vizechef des Inlandsnachrichtendienstes werden.
Die Personalie muss noch vom Bundeskabinett bestätigt werden. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten sie jedoch gegenüber WELT.
Der 1971 in Berlin geborene Koch ist Volljurist. Er schloss sein Studium der Rechtswissenschaften 2004 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen ab. Nach mehreren beruflichen Stationen, unter anderem beim Technisches Hilfswerk (THW) als Leiter des Referats Einsatz, wechselte er im September 2007 ins Innenministerium.
Dort war Koch mehrere Jahre in sicherheitsrelevanten Funktionen tätig, unter anderem als Leiter der Arbeitsgruppe „Internationaler Terrorismus und Extremismus“ sowie als Leiter des Lagezentrums in der Abteilung Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz.
2023 wechselte er in das Bundeskanzleramt. Dort war er für den Auslandsnachrichtendienst, die nachrichtendienstliche Lage sowie für Themen wie Extremismus, Terrorismus und öffentliche Sicherheit zuständig. Seit dem 1. Oktober 2024 ist Koch Präsident der BDBOS, die den bundesweiten Digitalfunk für Polizei, Feuerwehr und andere Sicherheitsbehörden betreibt.
In den vergangenen Wochen waren auch andere Namen für den Posten des Vizepräsidenten im Gespräch. Dazu gehörte unter anderem der frühere Chef des Landesamts für Verfassungsschutz Brandenburg, Jörg Müller. Er war im vergangenen Jahr im Streit über die Einstufung der Alternative für Deutschland (AfD) als gesichert rechtsextrem von der damaligen Brandenburger Innenministerin Katrin Lange (SPD) abberufen worden. Wenig später trat auch Lange zurück.
Nach Informationen von WELT wurde zwischenzeitlich auch der frühere Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, als möglicher Kandidat gehandelt. Eine offizielle Bestätigung des BMI gibt es bislang nicht.
Bereits die Suche nach einem neuen Präsidenten des BfV hatte ungewöhnlich lange gedauert. Seit Kurzem führt Sinan Selen die Behörde. Der langjährige Vizepräsident war nach einer Übergangsphase an die Spitze des Inlandsnachrichtendienstes aufgerückt.
Das BfV befindet sich derzeit in einer Phase der Neuaufstellung. Selen wirbt intern für ein neues Selbstverständnis des Dienstes und eine stärkere strategische Ausrichtung. Als zentrale Bedrohung sieht er insbesondere Russland.
Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke