Viele Stellen sind bei deutschen Firmen zuletzt gestrichen worden - aber längst nicht überall. Aktuelle Lage und Aussichten sind je nach Wirtschaftszweig sehr unterschiedlich. Ein Überblick.

Besonders schwierig ist in der deutschen Wirtschaft derzeit die Lage der Industrie - und das hat verschiedene Gründe. Der wichtige Kunde China entwickelt sich mehr und mehr zu einem Konkurrenten auf den Weltmärkten, etwa bei Elektroautos und Maschinen. Die Exporte in die Volksrepublik sind im ersten Halbjahr um rund 14 Prozent eingebrochen, die Importe aus der Volksrepublik dagegen um fast elf Prozent gestiegen.

Dazu kommt der Zollkonflikt mit den USA, dem wichtigsten Abnehmer von Waren "Made In Germany". Die Folge: Im ersten Halbjahr fielen die deutschen US-Exporte um fast vier Prozent. Die nun geltenden Zölle von 15 Prozent dürften das US-Geschäft auch künftig bremsen.

Industrierezession: Keine Besserung in Sicht

"Angesichts der anhaltenden Industrierezession beschleunigt sich der Stellenabbau in der deutschen Industrie", heißt es in einer Studie des Beratungsunternehmens EY. Zur Jahresmitte wurden demnach etwa 114.000 Stellen abgebaut, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Seit dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 gingen sogar fast 250.000 Jobs verloren - ein Rückgang um 4,3 Prozent.

Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht, zeigt die August-Umfrage des Münchner ifo-Instituts unter Führungskräften. "In allen zentralen Industriebranchen gab es mehr Entlassungen als Neueinstellungen", heißt es dazu.

Lichtblicke auf dem Bau

Auf dem Bau gibt es hingegen Hoffnungszeichen: Die Zahl der im Bauhauptgewerbe tätigen Personen nahm in der ersten Jahreshälfte um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. 2024 insgesamt hatte es einen Beschäftigungsrückgang von 0,4 Prozent gegeben.

Die deutsche Baubranche hat im ersten Halbjahr nach langer Flaute deutlich mehr Aufträge erhalten. Die Bestellungen im Bauhauptgewerbe wuchsen binnen Jahresfrist um 9,4 Prozent. Inflationsbereinigt bleibt davon ein reales Plus von 7,3 Prozent übrig.

Experten bewerten die Aussichten als ganz gut, nicht zuletzt wegen der geplanten Milliardenausgaben der Bundesregierung. Diese will für einen Schub sorgen bei Investitionen in Infrastruktur. Viel Geld dürfte in den nächsten Jahren etwa in die Autobahn-, Brücken- und Tunnelsanierung fließen, aber auch in den Ausbau des Stromnetzes. Schon im Frühjahr haben laut der Jobseite Indeed die Stellenanzeigen im Bauwesen um mehr als fünf Prozent zugelegt.

Einzelhändler mit Schwierigkeiten

Die neuesten Umsatzzahlen zeigen: Die Einzelhändler haben nach wie vor zu kämpfen. Im Juli sanken die Umsätze preisbereingt um 1,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Analysten rechnen nicht mit einer Besserung. Die Verbraucherlaune ist angeschlagen, die Menschen sparen mehr. Und die Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon belastet die Läden in den Städten.

Der Branchenverband HDE befürchtet, dass in diesem Jahr insgesamt etwa 4500 Geschäfte aufgeben werden. 2024 waren es sogar 5000. Die Beschäftigung sank im vergangenen Jahr nach Angaben des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) um 1,5 Prozent, nachdem sie bis 2022 stetig gestiegen sei. Zugleich blieben aber auch mehr als 100.000 offene Stellen unbesetzt - auch weil immer mehr Mitarbeitende aus geburtenstarken Jahrgängen in Rente gehen und wenig Nachwuchs nachrückt.

Die Lage im Handel dürfte laut Experten angespannt bleiben: "Im Handel wird weiter Personal abgebaut, jedoch weniger stark als noch zuletzt", fand das ifo-Institut im August heraus. Die Kauflaune der Deutschen hat sich zuletzt drei Monate in Folge eingetrübt - nicht zuletzt wegen der wachsender Sorgen vieler Menschen, den Arbeitsplatz zu verlieren. "Es braucht ein Sofortprogramm für die Binnenwirtschaft", schrieb HDE-Präsident Alexander von Preen auch deshalb diese Woche an Bundeskanzler Friedrich Merz. "Schnelles Handeln ist gefragt."

Mehr Beschäftigung bei Dienstleistern

Gegen den negativen Gesamttrend verzeichnet der Bereich Dienstleistung in Deutschland mehr Erwerbstätige. Im zweiten Quartal stieg ihre Zahl um um 178.000 zum Vorjahreszeitraum, während sie in allen anderen Sektoren um 168.000 sank.

Allerdings geht das Wachstum vor allem auf den Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit zurück: Dort gab es ein Plus von 225.000 Personen. In vielen anderen Bereichen wurden hingegen Stellen abgebaut - von Information und Kommunikation (minus 4000) bis hin zu Unternehmensdienstleistern, zu denen auch die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften gehört (minus 56.000 Personen).

So bleiben die Aussichten gemischt: "Während die Leiharbeitsfirmen mit einer Nachfrageflaute kämpfen, wird im Tourismussektor fleißig eingestellt", so das ifo-Institut. Unterm Strich hat sich dem Finanzdienstleister S&P Global zufolge im August der seit Jahresbeginn anhaltende Personalaufbau des Wirtschaftszweigs Dienstleistungen fortgesetzt.

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