Der Bundesverband Wein, Sekt und Spirituosen (BWS) schlägt Alarm. Die geplante Steuererhöhung auf Schaumwein könnte Investitionen im wachsenden Segment des alkoholfreien Sekts bremsen. „Dramatischer“ als die Lage bei Spirituosen sei die Situation beim Schaumwein, sagte Verbandschef Alexander Tacer dem Pro-Newsletter „Gesundheit“ des Nachrichtenmagazins „Politico“.
Die Bundesregierung will die Alkohol- und die Schaumweinsteuer zum Jahreswechsel um je 20 Prozent anheben. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) erhofft sich davon jährlich 455 Millionen Euro mehr für den Haushalt – aus der Sektsteuer sollen 65 Millionen Euro zusätzlich fließen. Die Union hat sich bereits gegen eine Erhöhung ausgesprochen.
Tacer bezeichnete die Steuererhöhung auf Spirituosen als „schmerzhaften Kompromiss“. Beim Schaumwein treffe sie die Branche zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Steigende Steuern könnten die Umsätze schmälern und die Winzer zum Sparen zwingen. Gerade der alkoholfreie Bereich, in dem Deutschland nach Worten Tacers aktuell noch eine „Vorreiterrolle“ halte, könnte darunter leiden.
Die Zahlen, die der Verband vorrechnet, sind deutlich: Für 2027 erwartet er zwölf Prozent weniger Schaumweinabsatz. Sieben Prozentpunkte davon entfielen auf die Folgen der Steuer, fünf auf den ohnehin erwarteten Absatzrückgang. Für Verbraucher bedeute das insgesamt rund fünf Prozent höhere Preise. Der deutsche Sektmarkt hat nach Verbandsangaben ein Volumen von rund 800 Millionen Euro. Die Steuererhöhung könnte die Umsätze um rund 93 Millionen Euro senken, besonders kleine Betriebe würden darunter leiden.
Aus Sicht der Gesundheitswissenschaft ist das Bild ein anderes, wenn auch kein schmeichelhaftes. Jakob Manthey, Suchtforscher an der Universität Hamburg, begrüßte die Pläne grundsätzlich. „Seit 30 Jahren ist das die erste Erhöhung“, sagte er „Politico“. Dennoch werde sie „kein großer Wurf für die Gesundheit“.
Die geplante Erhöhung betreffe nur rund 30 Prozent des Gesamtmarktes. „Die neuen Steuern bedeuten vielleicht ein paar Cent Preiserhöhung“, sagte Manthey. Das lasse den Preis zwar auf ein normaleres Niveau steigen, habe aber kaum Lenkungswirkung. Das sei „schade“, aber immerhin „ein Kompromiss“.
Hinzu kommt ein Ausweicheffekt: Menschen, die viel und häufig Alkohol kaufen, werden laut Manthey voraussichtlich auf Bier und Wein umsteigen, die von der Erhöhung nicht erfasst werden. Wer bislang wenig und unregelmäßig Alkohol kauft, werde sein Verhalten angesichts der geringen Preisänderungen kaum ändern.
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