Es ist Ärzten nicht gelungen, die Beine der australischen Abgeordneten Helen Haines zu retten, nachdem sie Montag von einem Autofahrer angefahren wurde. Das linke Bein sei der 65-Jährigen am Montag und das rechte am Mittwoch amputiert worden, sagte ihr Ehemann Phil Haines vor Journalisten in dem Krankenhaus in Melbourne. Ihr Zustand sei inzwischen stabil.
„Helens linkes Bein war am Montag amputiert worden. Wir hatten gehofft, dass ihr rechtes Bein gerettet werden kann, doch heute (...) mussten die Chirurgen auch ihr rechtes Bein amputieren“, sagte Phil Haines. „Die gute Nachricht bei alledem ist, dass Helen lebt und stabil ist. Das ist das Wichtigste für unsere Familie.“
Phil Haines, Ehemann der Abgeordneten Helen HainesDie 65-jährige parteilose Politikerin war am Montagnachmittag in Wangaratta, rund 200 Kilometer nordöstlich von Melbourne, in der Nähe ihres Wahlkreisbüros von einem weißen Toyota Land Cruiser angefahren worden. Zeugen zufolge rammte der Fahrer Haines zunächst und setzte dann zurück, bevor er sie ein zweites Mal traf. Passanten überwältigten den Mann. Haines wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Melbourne geflogen.
Haines vertritt den Wahlkreis Indi seit 2019 im australischen Parlament. Bei der Wahl 2025 wurde sie für eine dritte Amtszeit bestätigt. Ihr Wahlkreis umfasst große Teile des Nordostens der Provinz Victoria im Südwesten Australiens, darunter die Städte Wangaratta, Wodonga und Benalla.
Helen Haines spricht während einer Debatte im Repräsentantenhaus in Canberra im November 2022Die Polizei stellte in dem Wagen ein Messer sicher
Der Verdächtige, ein 43-Jähriger namens Brendan N., war der Polizei bereits bekannt; ob er und Haines einander kannten, ist bislang unklar. Gegen den Mann wurde Anklage erhoben, das Motiv ist weiter unklar.
„Es läuft eine umfangreiche polizeiliche Untersuchung, und ich kann bestätigen, dass ein Verdächtiger in Gewahrsam ist“, sagte Premierminister Anthony Albanese vor Journalisten. Es sei noch zu früh, um etwas über mögliche Hintergründe zu sagen. „Aber das war kein Unfall“, betonte er. Auch Anti-Terror-Ermittler sind an den Untersuchungen beteiligt. Innenminister Tony Burke verwies auf eine Zunahme von Drohungen gegen Abgeordnete und andere hochrangige Amtsträger. Die Ermittlungen zu dem Vorfall stünden allerdings noch ganz am Anfang.
Am Mittwoch erschien der Verdächtige vor dem Amtsgericht in Wangaratta. Ihm wird vorgeworfen, vorsätzlich schwere Verletzungen verursacht und einer Bundesvertreterin Schaden zugefügt zu haben. Brendan N. beantragte keine Freilassung gegen Kaution und gab kein Schuldbekenntnis ab. Bis zu seinem nächsten Gerichtstermin im Februar bleibt er in Gewahrsam.
Diese Skizze der Künstlerin Anita Lester zeigt den 43-jährigen Brendan N.Sein Anwalt Chirag Patel sagte, sein Mandant leide möglicherweise unter psychischen Problemen und einer Gehirnerschütterung. Zudem habe der 43-Jährige eine seltene neurologische Erkrankung namens idiopathische transverse Myelitis, die zu Muskelschwäche, Sensibilitätsstörungen, Schmerzen sowie Funktionsstörungen der Blase und des Darms führen kann.
Eine psychische Erkrankung sei bei N. bislang nie diagnostiziert worden. Wie es zur Gehirnerschütterung kam, erklärte der Anwalt nicht.
Debatte über den Schutz von Politikern
Die Auto-Attacke löste in Australien eine Debatte über den Schutz von Politikern aus. Politische Gewalt ist dort selten. Zugleich sind Abgeordnete für Bürger meist leicht erreichbar. Die meisten von ihnen haben keinen persönlichen Sicherheitsdienst und gehen ihren beruflichen wie privaten Tätigkeiten allein nach.
Der Oppositionspolitiker James Paterson forderte am Mittwoch eine Überprüfung des persönlichen Schutzes von Abgeordneten. Australische Parlamentarier seien im internationalen Vergleich besonders zugänglich für die Öffentlichkeit, sagte Paterson dem australischen öffentlich-rechtlichen Sender ABC.
Das sei gut, dürfe aber nicht dazu führen, dass ein Mandat zu einem ernsthaften Risiko für das eigene Leben werde. Premierminister Albanese rief die Abgeordneten zugleich dazu auf, den offenen Austausch mit der Bevölkerung fortzusetzen. Es werde alles getan, um die Sicherheit zu erhöhen; die Parlamentarier seien entschlossen, den Kontakt zur Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten, sagte er dem Sender News24.
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