Der russische Präsident Wladimir Putin hat den US-Sondergesandten Steve Witkoff in St. Petersburg empfangen, um über neue Wege zur Beendigung des Ukraine-Kriegs zu beraten. Das Treffen am Mittwoch, die neunte persönliche Begegnung zwischen Witkoff und Putin, begann mit einer Geste des guten Willens von russischer Seite: der Freilassung des inhaftierten US-Bürgers Stephen Hubbard. Die Gespräche finden vor dem Hintergrund wachsender Sorgen in Kiew über eine zunehmende Distanzierung der USA unter Präsident Donald Trump statt.

Putin teilte Witkoff zu Beginn des Treffens mit, dass der 74-jährige Hubbard am Flughafen warte, um mit dem US-Sondergesandten in die USA zurückzufliegen. Witkoff dankte dem russischen Präsidenten für diesen Schritt.

US-Präsident Donald Trump hatte Putin um die Freilassung des seit Jahren inhaftierten US-Bürgers gebeten. Der Lehrer im Ruhestand war im Oktober 2024 in Moskau wegen angeblichen „Söldnertums“ für die Ukraine zu einer Haftstrafe von fast sieben Jahren verurteilt worden.

Die Inhaftierung Hubbards durch Russland war nach dem Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022 zunächst geheimgehalten worden. Nach mehr als zweijähriger Inhaftierung wurde er dann vor Gericht gestellt. Die russischen Ermittler gaben an, der frühere Lehrer sei einem ukrainischen Verteidigungsbataillon beigetreten und habe dafür „mindestens tausend Dollar“ Sold pro Monat erhalten. Er selbst bestritt die Vorwürfe.

US-Bürger Stephen Hubbard vor Gericht in Moskau 2024

Zur Zeit seiner Verurteilung war Hubbard 72 Jahre alt. Ein früherer ukrainischer Mitgefangener berichtete im Herbst 2024, der US-Bürger sei wie viele andere Inhaftierte mit Essensentzug und Elektroschocks gefoltert worden.

Am Mittwoch hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB die Festnahme eines deutschen Staatsangehörigen gemeldet, der aus den ukrainischen Streitkräften geflüchtet sein soll. Er sei als ausländischer Söldner und Scharfschütze desertiert, nachdem er das versprochene Geld nicht erhalten habe, teilte der FSB nach Angaben der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Es werde über die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Söldnertums entschieden, hieß es. Der Mann soll laut dem Bericht von 1996 bis 2010 in der Bundeswehr gedient haben.

Putin berät mit Witkoff über Ukraine-Krieg

Bei dem Gespräch zwischen Putin und Witkoff soll es unterdessen um ein Ende des Ukraine-Kriegs gehen. Witkoff erklärte, es gebe eine Grundlage für einen Waffenstillstand. Er hoffe, dass Putin einer Wiederaufnahme von Verhandlungen zwischen den drei ⁠Parteien – Russland, ​den USA ‌und der Ukraine – zustimme, meldeten die russischen Nachrichtenagenturen Interfax und Tass.

Putin dankte bei dem Treffen US-Präsident Donald Trump für dessen Bemühungen um eine Beilegung des Krieges. Der Kremlchef betonte, Russland sei an einer ‌Wiederherstellung der Wirtschaftsbeziehungen zu den ⁠USA ​interessiert.

Derweil kündigte Moskau die Dieselverschiffung in die USA für Donnerstag an. „Dieser Tanker wird eine Ladefähigkeit von 40.000 Tonnen haben“, sagte Vizeregierungschef Alexander Nowak vor Journalisten. Der Anfang Oktober zwischen Trump und Putin geschlossene Deal hatte international scharfe Kritik ausgelöst.

Putin schlug außerdem erneut ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump in China vor. Der Kreml hatte die Möglichkeit eines Dreiertreffens zwischen Putin, Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des Apec-Gipfels im kommenden Monat ins Spiel gebracht.

Zudem erkundigte sich Putin nach Witkoffs Unterredung mit ⁠dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag in Oslo. US-Außenminister Marco Rubio hatte diese Begegnung ‌als positiv bezeichnet und ⁠angekündigt, ‌Witkoff ​werde die ⁠Ergebnisse der russischen ​Seite präsentieren. Der US-Unterhändler hatte am Dienstag auch mit europäischen Spitzenpolitikern in Norwegen gesprochen. Er will von den Europäern und Amerikanern erarbeitete Vorschläge für eine Friedenslösung in dem russischen Angriffskrieg nun Putin unterbreiten.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte klar, dass eine Aufgabe der Ukraine keine Option sei. Deutschland und die Europäer seien aber jederzeit zu Gesprächen bereit, sagte Merz in Berlin. „Wir leisten der Ukraine keine Unterstützung, um diesen Krieg in die Länge zu ziehen“, betonte der Kanzler. „Aber eine Kapitulation – oder gar eine bedingungslose Kapitulation der Ukraine – kommt nicht infrage. Denn das wäre eine Kapitulation von uns allen.“ Deshalb werde man die Ukraine im eigenen Interesse weiter unterstützen.

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