Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und die in Mecklenburg-Vorpommern regierende SPD haben den Vorwurf politischer Einflussnahme auf eine Fernsehdebatte vor der Landtagswahl zurückgewiesen. Die Darstellung, der NDR habe CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters zunächst in ein TV-Format eingeladen und „später jedoch wieder vor die Tür gesetzt“, sei „frei erfunden und entbehrt jeder Grundlage“, sagte NDR-Chefredakteur Adrian Feuerbacher der Nachrichtenagentur dpa.

Laut Feuerbacher soll am 16. September im NDR ein TV-Duell zwischen der Ministerpräsidentin und SPD-Spitzenkandidatin Manuela Schwesig und dem AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm ausgestrahlt werden. Zuvor soll am 15. September demnach ein sogenanntes Quadrell zwischen den Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und BSW zu sehen sein. Die Formate sollen jeweils eine Stunde dauern und um 21.00 Uhr ausgestrahlt werden.

„Tatsächlich haben die NDR-Chefredaktion und die Chefredaktion des NDR Landesfunkhauses Mecklenburg-Vorpommern von vornherein und bereits im April 2026 die Spitzenkandidaten von CDU, Linke, Grüne und BSW zu einem Quadrell sowie die Spitzenkandidaten von SPD und AfD zu einem Duell eingeladen“, sagte Feuerbacher. Mit den Parteien seien entsprechende Gespräche geführt worden. „Alle Parteien haben ihre Teilnahme zugesagt. Dies gilt auch für die CDU.“

CDU-Generalsekretärin wendet sich mit Brief an NDR

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hatte dem Sender in einem Brief an NDR-Chefredakteur Feuerbacher vorgeworfen, den CDU-Spitzenkandidaten Peters kurzfristig aus der TV-Debatte ausgeladen zu haben. „Mit Irritation und Unverständnis haben wir die Entscheidung Ihres Senders zur Kenntnis genommen, die CDU von der TV-Debatte im Vorfeld der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auszuschließen“, hieß es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt. Zuvor hatte die „Bild“ berichtet.

Durch die kurzfristige Zuspitzung der Debatte auf ein reines Duell werde den Menschen die Möglichkeit genommen, sich ein umfassendes Bild politischer Alternativen zu verschaffen, klagte Hoppermann. Zudem entstehe der Eindruck, „dass die journalistische Unabhängigkeit und der Mut zu einer breiten, fairen Debatte dem politischen Taktieren und den Bedingungen einzelner Akteure geopfert wurden“.

Bei Peters selbst lesen sich die Vorwürfe etwas anders. Ihm zufolge wurde die CDU schon im April über die verschiedenen Ansetzungen der TV-Debatten informiert. Er bezeichnete das Format als Novum und beklagte, dass „diese harte Polarisierung im Duell am Ende auch dem politischen Rand nützt, während wir für die Mitte stehen“.

Der NDR hat laut Feuerbacher seine programmlichen Entscheidungen unabhängig und unter anderem auf Grundlage der Ergebnisse der Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap getroffen.

„Selbstverständlich steht es Parteien frei, unser Konzept zu kritisieren. Versuchen, politischen Druck auszuüben – ganz gleich von welcher Seite – werden wir nicht nachgeben“, sagte er. „Weder die beiden Formate noch die Aufteilung oder die Einladungen wurden jemals geändert, keine Partei wurde jemals ausgeladen.“ Dies habe der NDR auch Hoppermann schriftlich mitgeteilt.

Bei einer Anfang Juli veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des NDR war die AfD mit 36 Prozent deutlich stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern. Die SPD folgt dort mit 29 Prozent. Die Linke kam auf 12, die CDU auf 9 Prozent. Daneben würden noch die Grünen mit 5 Prozent den Einzug ins Parlament schaffen.

SPD: Gab keine Anfrage für Mehrparteien-Duell

Schwesigs Sprecherin Lilly Blaudszun wies die Vorwürfe ebenfalls zurück. „Der NDR hat bei uns nie für ein Quadrell oder ähnliches angefragt“, sagte Blaudszun. Der NDR habe von Anfang an ein Duell zwischen SPD und AfD geplant und ein eigenes Format für die anderen Mitbewerber.

Schwesig selbst hatte die Abstimmung am 20. September als Richtungswahl bezeichnet. Sie selbst stehe für Stabilität und Demokratie – unter der AfD werde es den Menschen schlechter gehen, sagte Schwesig.

Auch der SPD-Fraktionschef im Landtag, Julian Barlen, stellte sich hinter Schwesig. Der NDR habe ein Duell angefragt, Schwesig zugesagt. TV-Duelle zwischen der Ministerpräsidentin oder dem Ministerpräsidenten und dem Herausforderer seien seit 2002 in Mecklenburg-Vorpommern üblich. „Herr Peters muss bei Umfragewerten für die CDU von 10 Prozent und weniger langsam mal zur Kenntnis nehmen, dass er nicht der Herausforderer der Ministerpräsidentin ist.“ Statt Skandale herbeizureden, solle er sich fragen, was er „persönlich zu den miserablen Umfragewerten seiner Partei beigetragen hat“, sagte Barlen.

Vorwürfe auch vor TV-Duell bei RTL/ntv

Bereits vor wenigen Tagen hatten CDU und Linke Vorwürfe gegen Schwesig im Zusammenhang mit einer TV-Debatte der Sendergruppe RTL/ntv erhoben. Die Ministerpräsidentin habe darauf bestanden, nur gegen Holm in einem TV-Duell anzutreten, sagte Peters. Daher seien die Spitzenkandidaten anderer Parteien ausgeladen worden. Die SPD bezeichnete die Anschuldigungen als falsch.

Auch die Sendergruppe RTL/ntv wies den Vorwurf politischer Einflussnahme zurück. Sie bestätigte in dem Fall allerdings, dass es zumindest anfangs tatsächlich Überlegungen gegeben habe, alle Kandidaten der größeren Parteien gemeinsam in einer Debatte auftreten zu lassen. Der Sender habe sich aber nach weiterer redaktioneller Abwägung wegen der aktuellen Umfragewerte für das Duell zwischen Holm und Schwesig entschieden. Politischen Druck habe es weder von der Landesregierung noch von der SPD gegeben.

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