Rund einen Monat vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ist die Grünen-Fraktionsvorsitzende Constanze Oehlrich zurückgetreten. Das teilte die Fraktion in Schwerin mit. Oehlrich wurde im April 2024 zur Vorsitzenden gewählt.
Gegen Oehlrich gab es bereits im vergangenen Jahr die Beschwerde eines Mitarbeiters nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Nach damaligen Medienberichten, die sich mit dpa-Informationen decken, ging es um den Vorwurf des Machtmissbrauchs. Eine Anwaltskanzlei prüfte den Fall. Die Juristen konnten weder einen Verstoß gegen das Gesetz noch ein fehlerhaftes Führungsverhalten feststellen, wie die Fraktion im vergangenen Jahr mitgeteilt hatte. Details wurden nicht bekannt gegeben.
„Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind bereits in einem unabhängigen Verfahren geprüft und als unbegründet zurückgewiesen worden. Ein wiederholtes öffentliches Vorbringen bereits entkräfteter Vorwürfe schafft keinen neuen Sachstand, führt aber zu einer anhaltenden persönlichen Belastung“, wurde Oehlrich in einer Mitteilung der Fraktion zitiert. Sie betonte, sie bleibe bei der bisherigen Darstellung und Bewertung des Sachverhalts. „Dieser Schritt ist ausdrücklich keine Bestätigung der gegen mich erhobenen Vorwürfe.“
Constanze OehlrichWie WELT vergangene Woche berichtete, soll sich Oehlrich in einen jüngeren Mitarbeiter verliebt und ihn jahrelang verbal sexuell belästigt haben. So soll sie beispielsweise ihren Unmut darüber geäußert haben, dass ihr Mitarbeiter – so schreibt es eine Fachberatungsstelle – „zu wenig körperbetonte Kleidung (die ,am Hintern enger sitzt‘)“ trage. Die Beratungsstelle bewertete „dieses unerwünschte anzügliche Verhalten gegenüber einem Mitarbeiter“ als grenzüberschreitend.
Oehlrich sagte WELT hingegen, dass die Vorwürfe in dieser Form nicht zuträfen: „Einzelne tatsächliche Vorgänge oder Formulierungen werden aus ihrem Zusammenhang gelöst, verkürzt wiedergegeben und im Nachhinein mit Bewertungen versehen, die ich ausdrücklich nicht teile. Dadurch entsteht ein Gesamtbild, das den tatsächlichen Abläufen aus meiner Sicht nicht gerecht wird.“
Die angeführten Beispiele beträfen weder sexuelle Annäherungen noch wären sie sexuell motiviert gewesen. Der Hinweis zur Kleidung habe sich ausschließlich auf das äußere Erscheinungsbild bei dienstlichen Terminen und die Anforderungen an ein angemessenes dienstliches Auftreten bezogen. Sie könne nicht ausschließen, dass ihre Äußerungen anders verstanden worden seien, „als sie gemeint gewesen waren. Sollte das der Fall gewesen sein, bedaure ich das. Den daraus erhobenen Vorwurf einer verbalen sexuellen Belästigung weise ich jedoch entschieden zurück“, sagte Oehlrich.
Oehlrich war ursprünglich als Grünen-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 20. September nominiert worden. Nach parteiinternen Auseinandersetzungen wurde die Landesliste neu gewählt, Claudia Müller übernahm die Spitzenkandidatur.
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