Ein Autofahrer hat am Rande des Christopher Street Day in Berlin mehrere Menschen angefahren. Es gibt ein Todesopfer, bestätigte die Polizei. Dabei handelt es sich nach Medienberichten um eine Frau. 16 weitere Menschen würden wegen Verletzungen derzeit behandelt. Drei Personen seien laut eines Polizeisprechers lebensbedrohlich und acht schwer verletzt worden. Zudem gibt es fünf leicht verletzte Menschen. Die lebensbedrohlich und schwer verletzten Menschen seien alle in Krankenhäuser gebracht worden.

Die Polizei hat inzwischen nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Verdächtigen identifiziert. „Der Mann ist polizeibekannt und wird der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet“, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Festgenommen sei er aber noch nicht – die Fahndung laufe auf Hochtouren. Es soll zeitnah auch öffentlich gefahndet werden.

Nach Informationen von WELT wurde das Tatauto von Abdul B. gemietet. Der Mann wurde 2005 geboren und ist erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden. Nach Informationen dieser Redaktion ist der Mieter des Fahrzeugs der Polizei im religiös-motivierten Kontext bekannt. Ob der Mieter auch der Fahrer des Fahrzeugs ist, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Nach WELT-Informationen erfolgte in einem Mietshaus im Berliner Stadtteil Schöneberg durch Spezialkräfte der Polizei ein Zugriff. Um circa 1.10 Uhr war in der Straße Bissingzeile, an der Meldeadresse von Abdul B., ein explosionsartiger Knall zu hören. Vorher hatten Polizeibeamte das Mietshaus betreten. In den darauffolgenden Minuten war zu sehen, wie eine behelmte Person einen Vorhang hinter einem Fenster im ersten Obergeschoss herunterriss. Gleichzeitig rückten auf der Straße weitere Beamte mit Maschinenpistolen an. Um circa 1.25 Uhr verließen die Spezialkräfte das Gebäude. Eine Festnahme gab es nicht, weil niemand angetroffen wurde. Die Spezialkräfte rückten in einer zivilen Fahrzeugkolonne ab, weitere Polizisten blieben noch länger vor Ort.

Die Polizei ist in einem Mietshaus in Berlin-Schöneberg im Einsatz

In Berlin sind seit Veranstaltungsbeginn am Samstagmorgen mehr als 2200 Polizeikräfte im Einsatz, auch nach der Tat ist ein „sehr starkes Aufgebot“ präsent. Die Einsatzkräfte seien laut Polizei teils schwer bewaffnet. Auch verdeckte Kräfte seien dabei. Hinzu kämen mehrere Hundert Beamte im gesamten Stadtgebiet. Auch Polizisten aus anderen Bundesländern sowie Spezialeinheiten sind nach Polizeiangaben an dem Einsatz beteiligt. Die Staatsanwaltschaft ist ebenfalls an den Ermittlungen beteiligt. Polizisten leuchteten den Bereich zwischen Potsdamer Platz und der Südseite des Tiergartentunnels aus. Sie suchten nach Spuren.

Die Abschlusskundgebung des Christopher Street Days (CSD) vor dem Brandenburger Tor wurde abgebrochen. Die Veranstalter riefen die Besucher am Samstagabend auf, das Gelände zu verlassen.

Das ist über den Tathergang bekannt

Kurz vor 22 Uhr soll ein Fahrer mit einem weißen Mini-Van im Großen Tiergarten über den Ahornsteig parallel zur Lennéstraße gefahren sein und mehrere Menschen angefahren und womöglich auch umgefahren haben, teilte die Polizei mit. Das Auto kollidierte dann mit einem Baum. Der Fahrer habe das Fahrzeug verlassen und sich in unbekannte Richtung entfernt. Er ist flüchtig. Laut „Morgenpost“ gehen die Ermittler nicht davon aus, dass sich der Mann noch im Tiergarten befindet.

Weitere Hintergründe sind noch unklar. „Wir haben weiterhin noch keinerlei Hinweise auf seine konkreten Motivationshintergründe oder auch den genauen Ablauf oder seinen Tatbeitrag als solchen“, sagte ein Sprecher. Auch zu einer möglichen Bewaffnung konnte die Polizei noch keine Auskunft geben. „Es ist Bestandteil der Ermittlungen, ob es eine zweite Tatphase nach der Fahrphase gab. Ob jemand dann das Fahrzeug verlassen hat und mit möglichen Stichwaffen auf Personen eingewirkt und die verletzt hat“, so Polizeisprecher Nath. Zeugen hätten von Menschen mit Stichverletzungen berichtet.

Auch wie das Fahrzeug in den Tiergarten einfahren konnte, sei Gegenstand der Ermittlungen. Es seien den ganzen Tag über mehr als 250 sogenannte „Zufahrtschutzelemente“ rund um den Tiergarten aufgestellt gewesen. „Eigentlich konnte hier gar keiner reinfahren“, sagte Nath.

„Bitte verlasst das Gelände ruhig und geordnet. Bitte meidet die Siegessäule und den Tiergarten. Verlasst das Gelände Richtung Hauptbahnhof“, teilten die CSD-Veranstalter bei Instagram mit. Auf dem großen Bildschirm am Brandenburger Tor stand in Signalfarben das Wort „Evakuierung“. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. Wo gerade noch Menschen gefeiert haben, waren nur noch Einsatzfahrzeuge und Blaulicht zu sehen. Am Straßenrand saßen am späten Samstagabend Menschen und weinten – in der Nacht war der Tiergarten dann menschenleer.

Bei diesem Transporter soll es sich um das Tatfahrzeug handelnDie Polizei bittet die Bürger, den Bereich um den Tiergarten zu meidenAuch zahlreiche Rettungskräfte der Feuerwehr sind im EinsatzCSD-Teilnehmer verlassen das Gelände

Hunderttausende Menschen nahmen am Samstag in Berlin an der diesjährigen Großkundgebung zum CSD teil. Die Demonstration mit rund 80 Trucks führte bis zur Siegessäule und sollte mit der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor enden. Dort trat unter anderem Sängerin Sarah Connor auf. Die für Sonntag geplanten Abschlussveranstaltungen – ein „Breakfast Market“ und das „After-CSD-Cleanup“ wurden abgesagt.

Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn“ in New York stürmte. Es folgten tagelange Zusammenstöße mit Aktivisten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.

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