Tucker Carlson und Donald Trump verband über Jahre eine enge, wenn auch nie unkomplizierte Beziehung. Der frühere Fox-News-Moderator warb leidenschaftlich für Trump, trat bei Wahlkampfveranstaltungen auf, saß neben ihm bei der Republikanischen Nationalversammlung 2024 und war bei seiner Amtseinführung dabei. Der Kern seiner Unterstützung war stets ein außenpolitisches Versprechen: kein neuer Krieg im Nahen Osten. „Das war für meine Ansichten über Trumps Kandidatur und Präsidentschaft von zentraler Bedeutung“, sagte Carlson vor wenigen Tagen der „New York Times“.
Unter dem Eindruck des Iran-Kriegs vollzog sich der öffentliche Bruch. Carlson nannte die Angriffe jüngst „absolut widerlich und böse“. Trump reagierte auf Truth Social: Carlson sei ein Idiot mit „niedrigem IQ“, der „einen guten Psychiater aufsuchen“ solle.
Carlson erhebt im Interview mit der „Zeit“ nun einen schweren Vorwurf: Trump habe die USA „in diesen Krieg mit dem Iran geführt“ – und zwar „auf Drängen der israelischen Regierung“. Das sei aus seiner Sicht ein Verrat an den USA. „Wer aber auf Geheiß eines anderen Staates agiert, der begeht ein schweres Verbrechen an den Bürgern und am System im Ganzen“, sagte Carlson. Er sei in den vergangenen Wochen „nah genug dran am Geschehen“ gewesen. In kaum einem Gespräch sei es darum gegangen, „wie die USA von diesem Krieg profitieren“.
„Der Druck der Israelis und israelischer Interessenvertretungen in den USA und seiner Spender war einfach zu groß“, sagte Carlson weiter. Trump habe sich überzeugen lassen und geglaubt, ein „regime change“ im Iran lasse sich „so einfach durchsetzen“ wie Anfang Januar in Venezuela.
Carlson schildert auch, wie er selbst versucht habe, Trump von dem Iran-Krieg abzubringen. Er sei „gleich nach Washington geflogen“ und habe den US-Präsidenten im Oval Office getroffen. „Ich habe den ganzen Tag mit ihm verbracht und seitdem viele Male mit ihm gesprochen.“ Er habe Trump gesagt, „dass er zu diesem Schritt von Leuten gedrängt wird, die ihn hassen“. Er tappe „in eine Falle“, die USA hätten davon „keinen Nutzen“, der Iran sei „keine Gefahr für die USA“. Zudem habe er Trump an dessen Versprechen erinnert, „keinen neuen Krieg zu beginnen“. Auch habe er ihm gesagt, „dass die Interessen Israels und der USA nicht deckungsgleich sind, dass Israel nicht unser 51. Bundesstaat ist“.
Trump habe ihm dabei nicht widersprochen, sagte Carlson. „Er wusste, dass es stimmt.“ Es fühle sich nicht gut an, offenzulegen, was Trump ihm „im Privaten gesagt“ habe. „Aber er hat mir kein Kontra gegeben.“ Carlson beschreibt Trump als Politiker, der sich „nicht für Details“ interessiere und diese „auch nicht“ verstehe. „Aber er versteht das große Ganze, er versteht Macht.“ Sein Gefühl sei gewesen: „dass er resigniert hat.“
„Merz hat absolut recht“
Bemerkenswert ist, wen Carlson in diesem Zusammenhang ausdrücklich lobt: Bundeskanzler Friedrich Merz. Als ihn die „Zeit“ auf Merz' Kritik anspricht – der Kanzler hatte gesagt, die USA hätten keine Strategie im Iran und würden dadurch „gedemütigt“ –, antwortete Carlson: „Unbedingt! Merz hat absolut recht. Es gab keinen Plan.“
Trump sei wütend auf alle, die ihn auf seinen Fehler hinwiesen. „Wie ein Ehemann, der sich mit dem Hammer auf den Daumen schlägt und dessen Frau sagt: ‚Du hättest besser aufpassen müssen.‘“ Carlson fügt hinzu: „Es steckt eine tiefe Demütigung der Vereinigten Staaten in alldem. Und das bricht mir das Herz.“
Die politischen Konsequenzen sieht Carlson als weitreichend an. Die Koalition, die Trump 2024 den Sieg gebracht habe – mit ethnischen Minderheiten und politisch Desinteressierten – sei „Geschichte“. „Oh, er hat sie vollständig zerstört“, sagt Carlson auf die Frage, was der Krieg mit der Maga-Bewegung („Make America Great Again“) mache. „Es gibt eine solche Wut unter Trumps Wählern, ich fühle sie auch.“
Für die Zwischenwahlen im November sieht Carlson schwarz für die Republikaner. „Ich wüsste nicht, womit sie im Wahlkampf punkten könnten. Nichts schmerzt so sehr, wie betrogen zu werden. Vor allem von jemandem, von dem ich eigentlich dachte, dass er mich beschützt“, sagt Carlson weiter.
Das Ganze werde „jeden, der damit zu tun hat, auf absehbare Zeit ruinieren, einschließlich der gesamten Republikanischen Partei“, hatte er schon der „New York Times“ gesagt. „Wenn Sie sich für Präsident Gavin Newsom freuen, ist das wohl gut. Ich tue es nicht, deshalb halte ich es für eine Katastrophe.“
Der Weg zum Bruch
Dass Carlson private Vorbehalte gegenüber Trump hatte, war nicht neu. Bereits 2021 hatte er in Nachrichten, die im Rahmen des Dominion-Prozesses gegen Fox News öffentlich wurden, geschrieben, er hasse Trump „leidenschaftlich“ und sehe „keinen Vorteil“ mehr in einer weiteren Unterstützung. Dennoch warb er 2024 erneut für ihn – aus einem einzigen Grund: Er glaubte, Trump werde einen Krieg mit dem Iran verhindern. „Ich habe den Leuten gesagt: Wählt Trump, weil er keine weiteren dummen Kriege im Nahen Osten beginnt“, sagt er der „New York Times“. „Jetzt stecken wir im größten Krieg im Nahen Osten, den unsere Generation je erlebt hat.“
Der endgültige Bruch kam laut „New York Times“ am Ostersonntag, als Trump auf Truth Social mit Kraftausdrücken drohte, iranische Zivilisten zu töten, und den Islam verspottete. „Das ist ein moralisches Verbrechen“, sagte Carlson in seiner Sendung – spontan, ohne Notizen. Seitdem verliert er nach eigenen Angaben Freundschaften und nimmt öffentliche Konflikte in Kauf – auch den mit Trump persönlich, der ihn seither öffentlich attackiert.
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