Es sind Äußerungen an Bord der „Air Force One“, mit denen Donald Trump wieder einmal für Aufsehen sorgt: Der US-Präsident drohte am Sonntag weiteren Staatsoberhäuptern mit Militärschlägen, betonte den Anspruch der Vereinigten Staaten auf „vollständigen Zugang“ zu Venezuelas Öl und weiteren Ressourcen des Landes und machte sich über Dänemark lustig, während er einmal mehr Grönland für sein Land reklamierte.
Die Äußerungen tätigte Trump an Bord der Präsidentenmaschine auf dem Weg von Mar-a-Lago nach Washington im Gespräch mit Journalisten vor dem Hintergrund des US-Angriffes auf Venezuela und der Festsetzung dessen bisherigen Machthabers Nicolas Maduro in den USA. Trumps Äußerungen fallen in eine Diskussion in Washington darüber, inwieweit die USA nun Kontrolle über das angegriffene Land ausüben sollten oder tatsächlich tun.
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Trump selbst gab zuletzt immer wieder zu verstehen, die USA würden das Land derzeit anführen und nannte US-Außenminister Marco Rubio als unmittelbar verantwortliche Person. Dieser wiederum sprach am Sonntag eher von Einfluss auf Venezuela durch äußeren Druck auf dessen Ölwirtschaft.
Der neueste Satz von Trump zur Lage klingt im zusammen mit seinen bisherigen Aussagen allerdings nach einem Plan für ein direktes US-Engagement in dem Land. „Wir brauchen vollständigen Zugriff („total access“ im Original, d. Red.). Wir brauchen Zugang zu Öl und anderen Ressourcen in ihrem Land, damit wir es wieder aufbauen können“, so der US-Präsident an Bord der „Air Force One“.
Wahlen in Venezuela? „So weit sind wir noch nicht“
Mit Neuwahlen in Venezuela, mit denen die Bevölkerung des Landes die eigene Zukunft in die Hand nehmen könnte, scheint Trump es nicht eilig zu haben. „Wir werden zur richtigen Zeit Wahlen haben, aber das Wichtigste ist, dass sie das Problem lösen. Das Land ist kaputt“, sagte Trump. „Wir müssen es wiederbeleben, und dafür brauchen wir große Investitionen von den Ölgesellschaften, um die Infrastruktur wieder funktionsfähig zu machen“, sagte der US-Präsident. „Politico“, das wie WELT zu Axel Springer gehört, hatte am Wochenende berichtet, dass Trumps Regierung in den vergangenen Tagen Druck auf US-Ölkonzerne ausgeübt hatte, hohe Summen in Venezuelas Ölinfrastruktur zu investieren, um die Ölvorkommen des Landes umfassend anzapfen zu können.
Auf die Frage von Reportern an Bord des Präsidenten-Flugzeugs, ob die USA von Venezuelas geschäftsführender Präsidentin Delcy Rodriguez verlangen werden, dass sie Oppositionelle zurückkehren lässt oder politische Gefangene freilässt, sagte Trump: „So weit sind wir noch nicht. Im Moment wollen wir erst einmal die Ölindustrie wieder in Gang bringen, das Land wieder aufbauen, es wieder auf die Beine stellen und dann Wahlen abhalten“.
Rodriguez selbst hatte Trump am Sonntag mit weiteren Angriffen gedroht, sollte sie nicht im Sinne seiner Agenda kooperieren. Sollten die verbliebenen Mitglieder der Regierung seine Bemühungen nicht unterstützen, das Land zu stabilisieren, sei ein zweiter Militärschlag eine Option, so Trump.
Das Magazin „The Atlantic“ hatte zuvor schon von Aussagen Trumps berichtet, wonach Rodriguez ein schlimmeres Schicksal als ihrem Vorgänger Maduro drohen könnte, sollte sie nicht kooperieren. Maduro wird derzeit in den Vereinigten Staaten festgehalten. In der Nacht zum Montag europäischer Zeit hat Interimspräsidentin Rodriguez, womöglich als Antwort auf diese Drohungen, ein Kooperationsangebot an die Vereinigten Staaten unterbreitet.
Trump droht Kolumbiens Präsident: „Kranker Mann“
Im Gespräch mit Reportern an Bord der „Air Force One“ sprach Donald Trump zudem weitere Drohungen gegen andere Staatsoberhäupter aus – darunter Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro.
Trump zufolge sei Kolumbien „sehr krank“ und werde von einem „kranken Mann“ regiert, der es liebe, „Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen“. Das werde er „nicht mehr lange machen“, sagte Trump – ohne ins Detail zu gehen, was er konkret damit meinte. Trump hatte Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro bereits mehrfach heftig kritisiert, nannte ihn bei seiner Pressekonferenz auf dem Flug nach Washington aber nicht namentlich.
Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob es einen Militäreinsatz gegen Kolumbien geben werde, sagte Trump: „Das klingt für mich gut.“
Der US-Präsident bekräftigte zudem frühere Drohungen gegenüber dem islamistischen Regime im Iran. Gegen die Führung in Teheran gibt es derzeit Massenproteste. Die USA beobachteten diese Proteste sehr genau, so Trump. „Wenn sie damit anfangen, Leute zu töten, wie sie es in der Vergangenheit auch getan haben, dann werden sie, denke ich, von den Vereinigten Staaten sehr hart getroffen werden“, fügte der US-Präsident hinzu.
Trump macht sich über die dänische Hundeschlittenpatrouille lustig
Trump hat während des Fluges außerdem sein Verlangen bekräftigt, das US-Territorium um die zu Dänemark gehörige Insel Grönland zu erweitern. „Wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit“, sagte Trump; die Insel sei von großer strategischer Bedeutung, aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben. „Dänemark wird das nicht schaffen, das kann ich Ihnen sagen“, sagte Trump. Auch für die Europäische Union sei klar, dass die USA Grönland „haben“ sollten, behauptete Trump.
Dann machte sich Trump noch ausdrücklich über den Nato-Partner Dänemark lustig: „Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung.“ Trump hatte schon öfter damit gedroht, Grönland den USA einzuverleiben. Auch militärische Mittel schloss er nicht aus.
Just vor diesen jüngsten Trump-Aussagen zu Grönland hatte Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen erklärt, die Vereinigten Staaten hätten „überhaupt kein Recht“ einen Teil der dänischen Staatsgemeinschaft zu annektieren. Sie rief die USA dazu auf, „mit den Drohungen aufzuhören“.
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