Die Trump-Administration beendet die Zollfreiheit für Pakete aus aller Welt, Logistiker wie DHL stoppen ihre Lieferungen. Was sind die Auswirkungen für deutsche Kunden?

Am 29. August erheben die USA Zölle auf Pakete mit einem geringen Warenwert. Damit endet eine jahrzehntealte Regelung, die Bürokratie vermeiden und Handel erleichtern sollte. Diese Entscheidung der Trump-Administration – formal „Suspending Duty-Free De Minimis Treatment for all Countries“ genannt – bringt weitreichende Veränderungen für den globalen Versandhandel mit sich. 

Schon jetzt stoppen deshalb Logistiker wie DHL ihre Lieferungen. Doch was steckt hinter dem Schritt, wer profitiert, und wie wirkt sich das auf deutsche Kunden aus?

Die neue US-Zollpolitik sieht vor, dass künftig auf einzelne Pakete Zölle in Höhe von 80 bis 200 US-Dollar erhoben werden, selbst wenn deren Warenwert unterhalb der bisherigen Freigrenze von 800 US-Dollar liegt. Diese Freigrenze nennt sich „De Minimis“ (lat.: um Kleinigkeiten).

Deshalb nehmen etwa DHL und Deutsche Post aktuell keine Pakete mehr an, die von Geschäftskunden in die USA geschickt werden. Unter anderem die Österreichische Post, die belgische bpost und die skandinavische Postnord reagieren ähnlich.

DHL beschreibt die Situation als „temporäre Einschränkung“ und verweist auf viele offene Fragen: Wie genau sollen Zollgebühren erhoben werden? Wer zahlt sie? Welche zusätzlichen Daten sind erforderlich und wie werden sie dann an die US-Zollbehörde (U.S. Customs and Border Protection) übermittelt? All das ist noch unklar. 

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Nur Pakete von Privatpersonen an Privatpersonen sind noch zollfrei und werden von der DHL transportiert. Voraussetzung: Sie sind als Geschenk deklariert und haben einen Wert von maximal 100 US-Dollar (ca. 86 Euro). Privatkunden können außerdem noch Expresssendungen verschicken und damit die kommerziellen Zölle zahlen, sagt ein DHL-Sprecher auf Anfrage. 

Zölle gegen Schwemme chinesischer Billigwaren

Für Waren aus der EU wird voraussichtlich ein Zollsatz von 15 Prozent des Warenwerts fällig, mit Ausnahmen für bestimmte Warengruppen wie Autoteile, die höheren Zöllen unterliegen können.

Der Schritt zielte ursprünglich auf chinesische Billigversandhändler wie Temu und Shein ab, die bisher durch die direkte Lieferung an die Endkunden in den USA die Zölle umgingen. Für sie gilt das Ende der De-Minimis-Regel schon länger. 

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Bei den chinesischen Billiganbietern führte das zu höheren Versandkosten und längeren Lieferzeiten. Die Nachfrage in den USA ist laut CNBC seither stark eingebrochen: Temu verzeichnete einen Rückgang um 52 Prozent, Shein um 25 Prozent, begleitet von weniger App-Downloads. 

Als Reaktion haben die chinesischen Händler dann ihr Geschäftsmodell angepasst: Temu beispielsweise lagert mittlerweile größere Warenmengen in den USA und verschickt sie von dort aus weiter, um die Zollkosten zu minimieren. 

Europa zieht nach

In der Europäischen Union wird die Abschaffung der De-Minimis-Regel ebenfalls seit 2023 diskutiert. Im letzten Jahr wurden 4,6 Milliarden zollfreie Päckchen eingeführt, laut Daten der EU-Kommission stammen sie zu 91 Prozent aus China.

Die EU-Kommission verfolgt allerdings einen anderen Ansatz als die USA. Anstelle eines schlagartigen Stopps der Zollfreiheit plant die EU erst eine gezielte Päckchengebühr von zwei Euro auf Sendungen von Onlinehändlern. Die Einnahmen sollen unter anderem in die technische Ausstattung der Zollbehörden fließen, damit sie den Import gefälschter und unsicherer Produkte effektiver kontrollieren können. Jahre später soll dann erst auf entsprechende Zölle umgestellt werden.

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Die schrittweise Reform des europäischen Zollsystems ist also auf dem Weg, dauert aber länger. Im Juni 2025 haben die EU-Mitglieder ihre gemeinsame Position beschlossen, im Herbst sollen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament beginnen. Die Umsetzung ist für 2028 geplant, um den Aufbau eines zentralen digitalen Datenhubs („EU Customs Data Hub“) zu ermöglichen. 

Chinesische Waren werden teurer für den Endkunden

Da die Maßnahmen der EU noch nicht in Kraft getreten sind, verlagert sich das Geschäft der chinesischen Händler aus den USA erstmal nach Europa. Die Zahl der Besuche auf Temu aus den USA ist seit März 2025 um mehr als die Hälfte eingebrochen, während Zugriffe aus Deutschland um 73 Prozent gestiegen sind.

Experten gehen davon aus, dass dieser Effekt auch mit dem 2-Euro-Aufschlag spürbar bleiben wird. Die chinesischen Produkte sind oft auch dann noch günstiger als europäische Artikel.  

Mit dem geplanten EU-Gebührensystem wird auch hier der Import von Billigartikeln teurer für die Endkunden. Sendungen an Lagerhäuser, die als Umschlagpunkte für den regionalen Versand dienen, sollen mit einem geringeren Satz von 50 Cent belegt werden.

Deutsche Onlinehändler sind wenig erfreut. Sie wünschen sich ohnehin ein viel härteres Durchgreifen. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom wünschen sich 9 von 10 deutschen Onlinehändlern, dass die EU-Kommission Temu, Shien und Co. in Europa verbietet. Neben der chinesischen Konkurrenz belasten jetzt also auch die US-Zölle ihr Geschäft.  

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