Es ist nicht lange her, da ging ein Gefühl unter deutschen Arbeitnehmern um: das Gefühl, dass sie plötzlich mehr Macht haben, sich mehr erlauben und mehr fordern können. Sie dachten, sie können ja einfach gehen, wenn ihr Chef oder ihre Chefin nicht auf ihre Wünsche eingeht. Denn Arbeitsplätze gab es genug.
Doch die Lage hat sich gedreht. Die Wirtschaft kriselt, die Arbeitslosenzahlen steigen. Wer einen Job hat, möchte ihn behalten. Auch, weil es besonders schwer ist, aus der Arbeitslosigkeit wieder herauszufinden.
Waren die Trends der Vergangenheit "Quiet Quitting" (also Dienst nach Vorschrift) und Vier-Tage-Woche, so kommen nun andere Arbeitstrends auf: "Job Hugging" und "Quiet Cracking" heißen sie. Was steckt dahinter?
"Job Hugging"
"Job Hugging" bezeichnet das Phänomen, dass Arbeitnehmer sich an ihren Job klammern – selbst wenn sie unglücklich damit sind. Das kann natürlich zum einen an fehlenden Optionen zum Wechsel liegen. Aber es könnte auch damit zusammenhängen, dass ein Wechsel in einen unbekannten Job ein größeres Risiko darstellt, als einfach im aktuellen, wenn auch ungeliebten, Job zu bleiben. "Wenn die wirtschaftliche Situation oder auch die politische Situation instabiler wird, dann hält man sich an alten Dingen fest, weil sie vertraut sind. Selbst dann, wenn das Vertraute schlecht ist", erklärt Sabine Votteler, die als Coach Menschen berät, die sich beruflich neu orientieren wollen.

Engpassberufe In welchen Jobs Leute fehlen – und wie viel dort gezahlt wird
Tatsächlich zeigt sich in der Statistik, dass aktuell weniger Menschen ihren Job kündigen. Nur noch 38 Prozent der Abgänge aus Unternehmen kamen 2024 daher, dass ein Mitarbeiter selbst gekündigt hat, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Zahl ist zwar noch vorläufig, also mit gewisser Unsicherheit behaftet. Dennoch zeigt sich darin ein Trend: 2019 waren es noch 47 Prozent.
Zuvor hatten sich die Zahlen viele Jahre gegenläufig entwickelt. 2004 lag der Anteil von Mitarbeiterkündigungen etwa noch bei 14 Prozent. Alexander Kubis, der die Stellenerhebung für das IAB verantwortet, wundert es nicht, dass die Menschen sich eher an ihren Job klammern: "Das ist eine Entwicklung, die wir auch in anderen Wirtschaftskrisen beobachten, zum Beispiel in der Finanzkrise." Damals habe der Arbeitsmarkt noch viel stärker auf die Wirtschaftskrise reagiert – das zeigte sich dann auch an dem Anteil der Kündigungen.
"Quiet Cracking"
Das Problem: Wenn Menschen zu lange in einem Job bleiben, der sie unglücklich macht, kann es zum zweiten Trend kommen: dem "Quiet Cracking". Die Unzufriedenheit wächst langsam an, dabei wirkt nach außen alles so, als seien die Mitarbeiter zufrieden. Sie machen ihren Job, koppeln sich aber innerlich von ihm ab.
Das ist vor allem unter Jüngeren ein Problem, zeigt eine Befragung der Wirtschaftsprüfung EY. Während sich vor zwei Jahren noch mehr als die Hälfte der jüngeren Befragten als glücklich mit ihrer Arbeit beschrieb, war es 2025 nur noch ein Drittel.
Viele Menschen, die erst in den vergangenen Jahren auf den Arbeitsmarkt kamen, erlebten eine große Nachfrage – und damit mehr Freiheit für selbstbestimmte Gestaltung ihres Jobs. Das könnte eine Erklärung sein, warum die Krise vor allem die Zufriedenheit jüngerer Mitarbeiter beeinflusst.
So geht man mit Unzufriedenheit im Job am besten um
Aber was ist die richtige Maßnahme, wenn man merkt, dass die Unzufriedenheit steigt?
Sabine Votteler sagt, dass in so einer Situation nicht immer die Kündigung die richtige Lösung ist – zumal die in einer wirtschaftlich angespannten Lage ja tatsächlich risikoreich sein kann. "Man kann oft innerhalb des bestehenden Jobs oder zumindest innerhalb der bestehenden Firma etwas verändern, was dann schon zum Besseren gereicht." Wer mit einer konkreten Idee, wie sich die Situation verbessern könnte, zu den Vorgesetzten geht, wird oft gehört. Das erlebe sie bei ihren Kunden häufig.

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geoEine Idee kann es sein, die Arbeitszeit zu reduzieren und sich für die Freizeit ein anderes Projekt zu suchen. Aber manchmal helfe es auch schon, eine Weiterbildung anzufangen oder bei einem Projekt eingebunden zu werden, das einem sinnvoll erscheint.
Was einem aber klar sein muss: Große Gehaltssprünge sind bei einem Jobwechsel einfacher. "Mehr Gehalt im gleichen Job ist schwierig. Dazu besteht für den Arbeitgeber einfach keine Veranlassung", sagt Votteler.
So kündigt man richtig
Und manche Warnsignale gibt es dann doch, bei denen man aufhorchen und über eine Kündigung nachdenken sollte. Votteler sagt: "Wenn es an die Gesundheit geht, muss man sich vom Job trennen." Das kann bedeuten, dass man nicht mehr schlafen kann oder dauerhaft erschöpft ist. "Kein Job ist immer schön, aber wenn er nie schön ist, dann ist er nicht der richtige. Wenn man das einfach so aushält, dann veräppelt man sich selbst."
Nur: Wie findet man in so einer Lage einen neuen Job? "Das Wichtigste ist, dass man sich um sein Netzwerk kümmert", rät Votteler. Am besten fange man damit schon an, bevor der Wechsel ansteht. "Gerade, wenn der Arbeitsmarkt angespannt ist, gelangt man über Kontakte viel eher an einen neuen Job."
Und wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt? Dann wird es ganz bestimmt auch wieder neue Arbeits-Trend-Begriffe geben.
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