Nach dem Tod von Hubert Aiwanger drücken die Spitzen der Politik parteiübergreifend ihre Betroffenheit aus. Markus Söder würdigte den bayerischen Wirtschaftsminister und Vorsitzenden der Freien Wähler als „echtes Mannsbild“ und warmherzigen Menschen.

Sein Ableben führe „uns unsere eigene Menschlichkeit ganz klar vor Augen“, schilderte der CSU‑Vorsitzende. Es reiße eine tiefe Lücke „in die Herzen vieler Menschen, was man an unzähligen Posts, an Nachrichten in der Politik und außerhalb der Politik merken“ könne.

Abseits von Beileidsbekundungen führte der überraschende Tod des 55-Jährigen jedoch auch zu gehässigen Kommentaren. Die satirische Kleinpartei „Die Partei“ um den Vorsitzenden und EU-Abgeordneten Martin Sonneborn veröffentlichte über den Instagram-Account eine Kachel unter der Überschrift „Aiwanger doch nicht tot!“.

In Anlehnung an die Affäre um ein antisemitisches Flugblatt aus der Schulzeit des Politikers, zu dessen Urheberschaft sich 2023 dessen Bruder bekannt hatte, ordnete der Post dem Verstorbenen zudem ein fiktives Zitat zu. „De Berichte san falsch. I leb no. Des war scho wieda bloß mei Bruada.“

Zu den Kritikern des Beitrags gehörte der Moderator und Partyschlagersänger Jürgen Milski, der die Partei aufforderte, wegen der Verwendung eines seiner Songs den „geschmacklosen und pietätlosen“ Beitrag „sofort zu löschen“. Wenn dies „nicht unverzüglich geschehen“ sollte, „werden Sie ohne weitere Vorwarnung mit einer anwaltlichen Abmahnung und der Beantragung einer einstweiligen Verfügung konfrontiert“, führte Milski weiter aus. „Die rechtlichen Schritte sind bereits der nächste Schritt.“

Auf seinem eigenen Account legte Milski nach. „Die Satirepartei ‚Die Partei‘ meint offenbar, sich alles erlauben zu können. Für einen geschmacklosen Post zum Ableben von Hubert Aiwanger wird ungefragt mein Song ‚Großer Bruder‘ instrumentalisiert“, beanstandete der Reality-TV-Teilnehmer. Erneut forderte er die Kleinpartei auf, den Instagram-Post zu löschen. „Satire ist kein Freibrief für jede Grenzüberschreitung!“

Am Donnerstag war der Post in einer Instagram-Story von „Die Partei“ mit dem Schlager „Ich vermiss‘ dich… (wie die Hölle)“ von Zlatko unterlegt, der im Jahr 2000 gemeinsam mit Milski an der ersten Staffel des Reality-TV-Formats „Big Brother“ teilgenommen hatte. In einer weiteren Instagram-Story der Partei und deren Mitglied Käthe Kerbstat war die Todesmeldung Aiwangers um einen Spielstand „Berlin 1:0 Bayern“ ergänzt. Dazu forderte diese das zurückliegende Bundesland auf: „Ihr könnt uns dann jetzt den Söder schicken!“

Instagram-Stories von „Die Partei“ vom 5. November 2026

Auch Satiriker El Hotzo münzte einen Post auf der Plattform X auf den bayerischen Ministerpräsidenten. „Die Horrornachrichten reißen nicht ab“, kommentierte er. „Markus Söder wurde lebend in München aufgefunden.“

Journalistin Julia Ruhs stieß sich deutlich daran. „Gott, wie geschmacklos kann man sein. Lass doch bitte deine doofen Witze, wenn es um das Leben von Menschen geht“, betonte sie.

In der Form eines Entschuldigungsschreibens nahm Sebastian Hotz, so der bürgerliche Name El Hotzos, später Abstand vom „geschmacklosen Witz über den Tod eines kontroversen, aber von allen geschätzten Politikers“. Ironisch ergänzte er: „Ihr Rundfunkbeitrag soll Information und Unterhaltung finanzieren, nicht blinde und verletzende Hetze.“

Unterdessen distanzierte sich der Kreisverband der Grünen im nordrhein-westfälischen Hilden von einem Ratsmitglied, das die Todesmeldung mit dem inzwischen gelöschten Kommentar versehen hatte: „Der Tag wird immer besser.“ Auf Instagram erwiderte der Ortsverein: „Diese Äußerung ist respektlos, inakzeptabel und missachtet die Würde des Verstorbenen sowie die Gefühle der Hinterbliebenen. Diese Äußerung ist inakzeptabel. Wir verurteilen sie aufs Schärfste. Sie steht im klaren Widerspruch zu unseren Werten.“

„Der Tod eines Menschen verlangt Respekt und Mitgefühl. Sich darüber zu freuen, ist für uns inakzeptabel. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Familie und allen, die um ihn trauern“, führte die Partei auf Instagram weiter aus. „Wir nehmen die berechtigte Kritik ernst. Der Vorfall wird mit dem betreffenden Mitglied und in den zuständigen Gremien aufgearbeitet werden.“

„Er war so unopportunistisch, immer ganz bei sich selbst“, sagt der freieste WELT-Mitarbeiter Ulf Poschardt über Hubert Aiwanger: „Man kann in Berlin einen vom anderen nicht unterscheiden – und er war signifikant anders.“

Gegen die mitunter hämischen Kommentare in den Netzwerken stellten sich auch Menschen, die mit dem Vorsitzenden der Freien Wähler politisch uneins waren. „Wie Menschen auf den Tod von Hubert Aiwanger reagieren, sagt auch leider viel über den Zustand unserer Gesellschaft aus. Bei allem früheren Dissens und der Härte in früheren Auseinandersetzungen, sind manche Beiträge hier schlichtweg unterirdisch“, kommentierte der Journalist Stephan Anpalagan auf X.

Er verurteilte, „dass es Menschen gibt, die sich über den Tod anderer Menschen freuen, dass es Menschen gibt, die ihren Querdenker-Quatsch aus der Mottenkiste holen müssen, um den Tod Aiwangers mit der Corona-Impfung in Verbindung zu bringen.“

Michael Roth, früherer Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, blickte in einem Instagram-Beitrag auf die Kommentare zum Tod. „Es wundert einen ja nichts mehr. Vielen ist nichts mehr heilig, und Respekt ist ein knappes Gut geworden“, schilderte der SPD‑Politiker. „Und doch habe ich heute den Eindruck gewonnen, dass der Tod eines Menschen, den die allermeisten nur aus den Nachrichten kannten, uns innehalten lässt. Auch mich.“

Der Tod sei „kein Anlass zur Freude“, insistierte Roth. Zwar habe er selten mit Aiwanger übereingestimmt, und doch bleibe dieser als jemand in Erinnerung, „der Klartext redete und ein Bierzelt füllen konnte“, „der menschlich und zupackend rüberkam und der ein Herz hatte“.

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