Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat ein Telefonat des finnischen Präsidenten Alexander Stubb und des norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre mit Russlands Präsident Wladimir Putin kritisiert. Sie sehe keine Anzeichen dafür, dass Russland Frieden mit Europa wolle, sagte Frederiksen. Der Anruf sei nicht mit anderen europäischen Staats- und Regierungschefs abgestimmt gewesen. „Ich glaube, wir sollten Europa geeint halten, statt im Alleingang vorzugehen“, sagte sie.
Das 90-minütige Telefonat mit Putin sei auf ihre Initiative zustande gekommen, erklärten Stubb und Støre. Dabei sei es um den Krieg und bevorstehende Dreiergespräche mit Delegationen Russlands, der Ukraine und der USA gegangen. Die beiden betonten, im Namen ihrer Länder und nicht für ganz Europa zu sprechen.
Der Kreml erklärte, ein gerechter und dauerhafter Frieden sei nur möglich, wenn Russlands „berechtigte Interessen“ vollständig und bedingungslos berücksichtigt würden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, ein Ende der russischen Angriffe, auch auf das ukrainische Stromnetz, sei nötig, um den Weg zum Frieden zu öffnen. „Es muss Frieden geben, Deeskalation ist nötig, und Russland muss aufhören, den Krieg in die Länge zu ziehen“, schrieb er auf der Plattform X.
Irritationen in Europa über Putin-Telefonat
Das Telefonat war nach einem Bericht des „Spiegel“ nicht mit den europäischen Partnern abgestimmt. Aus dem Umfeld von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa hieß es demnach, man sei lediglich kurzfristig über das Gespräch informiert worden. Die EU-Kommission erklärte zurückhaltend, sie nehme den Anruf „zur Kenntnis“: „Er fand ausschließlich auf bilateraler Ebene statt.“ Auch aus den Mitgliedstaaten kamen laut dem Bericht verhaltene bis ablehnende Reaktionen.
Bundeskanzler Friedrich Merz und sein Team waren nach einem Bericht der WELT-Partnerpublikation „Politico“ vorab über das Telefonat informiert. Am Abend ließen sie sich demnach in Singapur auch über den Verlauf des Gesprächs unterrichten.
Litauens Außenminister Kęstutis Budrys äußerte auf X Kritik an dem Telefonat. Er forderte ein geschlossenes europäisches Vorgehen gegenüber Russland. Europa müsse bei Verhandlungen über einen Frieden in der Ukraine mit am Tisch sitzen, „aber nicht als Ansammlung zersplitterter Stimmen“.
Jeder Kontakt mit Russland müsse auf einer gemeinsamen Position, wirksamen Druckmitteln und einem europäischen Forderungskatalog beruhen. „Einzeln und ohne klare Tagesordnung mit Putin zu sprechen, hat für Europa noch nie funktioniert. Nicht ein einziges Mal“, schrieb Budrys.
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