Nach dem AfD-Parteitag im Juli in Erfurt gaben sie noch eine gemeinsame Pressekonferenz, in der sie weitere Aktionen gegen die Partei und deren Unterstützer ankündigten. Wenige Monate später bricht eines der bekanntesten Gesichter von „Widersetzen“ öffentlich mit dem linken Aktionsbündnis.

Der Aktivist Suraj Mailitafi verkündet auf Instagram seinen Rückzug von „Widersetzen“. Seine Erklärung leitet er mit den aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland ein. Mit der AfD in Sachsen-Anhalt sei es möglich, dass eine vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland regiert. Er halte es deshalb nach wie vor „für essentiell wichtig“, sich gegen den Rechtsextremismus in Deutschland zu engagieren.

„Gleichzeitig“, so Mailitafi, „habe ich mich intensiv mit meiner eigenen Haltung und meiner Rolle innerhalb der Bewegung auseinandergesetzt.“ Mailitafi verweist auf die gewaltsamen Angriffe auf Pressevertreter, auch WELT berichtete. Am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt wurden unter anderem Reporter von „Apollo News“ von linken Aktivisten durch die Straßen getrieben, angegriffen und getreten. Die polizeilichen Ermittlungen dauern noch an.

Diesen Ereignissen seien innerhalb der „Widersetzen“-Bewegung zahlreiche Diskussionen vorausgegangen, wie antifaschistischer Widerstand aussehen könne und welche Formen des Protests gegen den AfD-Parteitag legitim seien. Mailitafi selbstkritisch: „Rückblickend muss ich feststellen, dass ich mich nach diesen Vorfällen nicht klar und eindeutig positioniert habe.“

Auch anschließend seien die Gewaltvorfälle im Bündnis diskutiert worden. Mailitafi kritisiert nun, dass es nicht gelungen sei, „sich auf eine gemeinsame, eindeutige Haltung gegen Gewalt zu verständigen und diese auch öffentlich zu vertreten. Genau diese klare Positionierung hätte ich mir gewünscht.“

Der 25-Jährige stellt deshalb klar: „Ich lehne Gewalt ab und verurteile die Angriffe auf Pressevertreter ausdrücklich.“ Die Pressefreiheit sei ein „hohes Gut“, betonte der Aktivist, der auch in der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ aktiv ist, die rassistisch motivierte Polizeigewalt anprangert.

Suraj Mailitafi im November 2025 auf einer Demo der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“

In seiner Arbeit gegen strukturellen Rassismus berufe er sich selbst immer wieder auf die Grundrechte und die demokratischen Werte der deutschen Gesellschaft, führt Mailitafi weiter aus. „Diese gelten uneingeschränkt, auch für Medien, deren Berichterstattung ich kritisch sehe und bei denen ich erhebliche Zweifel habe, ob sie den journalistischen Standards des Pressekodex gerecht werden.“ Diese Kritik ändere jedoch nichts daran, dass Gewalt gegen deren Vertreter „in keiner Weise“ zu rechtfertigen sei.

Der Aktivist kündigt an, sich künftig voll auf seine Arbeit gegen strukturellen Rassismus und die „Aufklärung zur rassistischen Polizeigewalt“ zu konzentrieren.

Bündnis wollte Angriffe auf Journalistin nicht verurteilen

Im Juli drohten die Aktivisten von „Widersetzen“ nach dem AfD-Parteitag auf einer anschließenden Pressekonferenz mit weiteren Aktionen, nicht nur gegen die AfD. „An alle Parteien, insbesondere CDU und BSW, das hier ist unsere explizite Warnung: Wenn ihr es wagt, den FaschistInnen an die Macht zu helfen, macht ihr euch zu unserem nächsten Aktionsziel“, warnte „Widersetzen“-Aktivist Noa Sander damals.

Ausdrücklich lehnte das Bündnis dabei eine Verurteilung der Angriffe auf Journalisten ab, sofern diese für „rechtskonservative oder AfD-nahe Medien“ berichteten. Das Bündnis sei nach Erfurt gekommen, um gegen „Faschisten“ vorzugehen. Faschisten mit Presseausweis seien immer noch Faschisten, hieß es damals.

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