Wenige Minuten soll es nur gedauert haben, bis zwei Männer an einer Starlink-Station südlich von Warschau Ende September Brandbeschleuniger über einen Schaltschrank gossen und ihn anzündeten. Der Fall schlug hohe Wellen. Schnell machte Polen Russland für die Sabotage verantwortlich.
Nach dem Brandanschlag prüfen Ermittler nun auch mögliche Verbindungen zu einer türkischen Mafia-Gruppe. Nach Informationen von WELT geht es dabei um die Daltons, die für einen erheblichen Teil der Schussabgaben in Berlin verantwortlich gemacht werden. Bei der Polizei ermittelt eine eigene Spezialeinheit zu den vielen Schüssen.
Sicherheitsbehörden vermuten, dass Russland die türkischen Kriminellen angeheuert haben könnte. Am Freitagabend berichteten auch die Tagesschau und der Spiegel.
Zwei türkische Verdächtige, T. und E., wurden nach dem Anschlag in Nürtingen in Baden-Württemberg festgenommen. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Ihre vollständigen Namen sind der Redaktion bekannt.
Nach Informationen von WELT wurden sie Ende September beim Grenzübertritt nach Polen und später bei der Ausreise beobachtet. Ein Auto, in dem die beiden unterwegs waren, hatte ein Berliner Kennzeichen. Es soll auf eine Frau aus Halle zugelassen sein. Eine dritte Person, die ebenfalls im Wagen saß, ist bislang nicht identifiziert.
Allerdings kam es am Montag auch zu einer Razzia in Berlin-Staaken. Dort hatten schwer bewaffnete Polizisten einen Mercedes gestoppt und untersucht. Die Ermittler glaubten, dass es sich bei dem Mann um den Fahrer gehandelt haben könnte. Er wurde allerdings wieder freigelassen. Eine Tatbeteiligung konnte nicht nachgewiesen werden.
Am 23. September brach in einem Starlink-Terminal in Wola Krobowska rund 50 Kilometer südlich von Warschau ein Feuer aus. Die polnische Regierung sprach kurz darauf von einem wahrscheinlichen Sabotageakt. Das Feuer erfasste nach ihren Angaben die Stromversorgungsstation und den Generator. Verletzt wurde niemand. Die Anlage fiel kurzzeitig aus, konnte später aber wieder ihren Betrieb aufnehmen.
Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll die Tat nur wenige Minuten gedauert haben. Die Männer sollen Brandbeschleuniger auf einen Schaltschrank gekippt und ihn angezündet haben. Zuerst hatte die „Schwäbische“ über den Ablauf der Tat berichtet. Der polnische Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak sagte, es gebe „keinerlei Zweifel daran, dass hinter diesem Sabotageakt russische Geheimdienste stehen“.
Polens Regierungschef Donald Tusk hatte auf X erklärt, die Festnahmen in Deutschland seien durch Hinweise von polnischen Sicherheitsbehörden erfolgt. Er bezeichnete den Brandanschlag als einen weiteren Akt des „hybriden Krieges“.
Sollten sich die Hinweise auf Verbindungen zu den Daltons bestätigen, würde dies eine Entwicklung untermauern, die europäische Geheimdienste seit Längerem beobachten: Russische Dienste greifen bei Sabotageaktionen zunehmend auf professionelle Strukturen der organisierten Kriminalität zurück und nicht mehr nur auf einzelne Kleinkriminelle. Dazu würde passen, dass Sicherheitskreise den Kopf der Daltons auch in Moskau vermuten.
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