Knapp ein Jahr nach dem tödlichen Attentat auf den US-Aktivisten Charlie Kirk muss sich der mutmaßliche Schütze vor Gericht verantworten. Ein Richter im Bundesstaat Utah entschied am Dienstag, dass die Staatsanwaltschaft ausreichend Beweise für einen Prozess wegen Mordes gegen Tyler Robinson vorgelegt habe. Der 23-Jährige plädierte auf „nicht schuldig“, wie mehrere US-Medien berichteten. Mit der Anklage bleibt auch die Möglichkeit einer Todesstrafe für den Angeklagten bestehen.

Der damals 31 Jahre alte Charlie Kirk war am 10. September 2025 während einer Veranstaltung seiner Organisation Turning Point USA auf dem Campus der Utah Valley University erschossen worden. Zum Zeitpunkt der Tat sprach er vor mehr als 3000 Zuhörern. Kirk galt als Sprachrohr von US-Präsident Donald Trump für die Jugend.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gefährdete Robinson mit dem Schuss nicht nur Kirk, sondern auch zahlreiche Menschen in der Menge. Staatsanwalt Ryan McBride sprach vor Gericht von einem „Berg von Beweisen“. Robinson habe „Charlie Kirk erschossen, weil er mit ihm nicht einverstanden war“, sagte der Ankläger über das Motiv. Der Schuss inmitten einer Veranstaltung mit Tausenden Besuchern habe zudem „ein großes Todesrisiko“ für andere Menschen geschaffen.

Die Ermittler stützen sich nach eigenen Angaben unter anderem auf DNA-Spuren, Videoaufnahmen sowie Chat- und Textnachrichten. Außerdem soll Robinson in einer handschriftlichen Notiz festgehalten haben: „Ich hatte die Gelegenheit, Charlie Kirk auszuschalten, und ich habe sie genutzt.“

Patrone mit der Gravur „Hey Fascist! CATCH!“

Als Hinweise auf ein mögliches politisches Motiv führen die Ermittler zudem eine Patrone an, die mit den Worten „Hey Fascist! CATCH!“ graviert gewesen sein soll. Hinzu kommt eine Nachricht, in der Robinson über Kirk geschrieben haben soll: „Ich hatte genug von seinem Hass. Über manchen Hass kann man nicht verhandeln.“

Die Verteidigung weist die Vorwürfe zurück. Robinsons Anwältin Staci Visser bestritt insbesondere, dass andere Menschen in Gefahr gewesen seien. „Es gibt einen Schuss. Es gibt eine Kugel. Es gibt ein Opfer“, sagte sie vor Gericht. Zudem gebe es „null Beweise dafür, dass irgendeine Handlung gegen andere Personen gerichtet war“.

Der Tod Kirks hatte im vergangenen Jahr eine großangelegte Fahndung ausgelöst. Robinson stellte sich einen Tag nach der Tat den Behörden. US-Medien zufolge hatten Angehörige ihn auf veröffentlichten Fahndungsfotos erkannt und ihn dazu bewegt, sich der Polizei zu stellen.

Kirks Familie sowie seine Witwe begrüßten die Entscheidung des Gerichts als „wichtigen Schritt bei der Suche unserer Familie nach Gerechtigkeit“. In einer Erklärung hieß es weiter: „Jeder Schritt in diesem Verfahren trägt das Gewicht dessen, was Charlies Ermordung seiner Familie genommen hat, besonders seinen Kindern, die ohne ihren Vater aufwachsen werden.“

Ein Termin für den Prozess wurde bislang nicht bekannt gegeben.

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