Der sachsen-anhaltische AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider sieht kein Problem darin, dass in seinem Wahlkreisbüro eine Tasse der Russischen Armee steht. „Es handelt sich um ein Mitbringsel von einer Russlandreise aus 2023 oder 2024, über das schon mehrfach berichtet wurde“, erklärte Tillschneider auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Insofern verstehen wir die Skandalisierung nicht.“
Journalist Paul Ronzheimer hatte die schwarze Tasse mit rotem Stern und der Aufschrift „Armee Russlands“ in kyrillischen Buchstaben bei einem Besuch in Tillschneiders Wahlkreisbüro in Querfurt entdeckt und gefragt: „Warum haben Sie eine russische Armeetasse hier stehen?“ Tillschneider antwortete: „Die hat mir jemand geschenkt. Ich wollt' sie jetzt nicht wegtun.“
Ronzheimer wies darauf hin, dass es sich um die Armee handele, die die Ukraine angreift, die in Deutschland einen hybriden Krieg führe. „Ich verbinde damit nichts Besonderes. Es ist eine Tasse, die mir hier geschenkt wurde, die hier rumsteht“, entgegnete Tillschneider, und weiter: „Es ist nicht unser Krieg.“ Auf eine weitere Nachfrage zu seinem Verhältnis zur russischen Armee sagte der AfD-Politiker: „Jetzt hören Sie mit dieser blöden Tasse auf, ja. Es sind sozusagen weder Feinde noch Freunde. Staaten haben keine Freunde, Staaten haben Interessen.“
„Die Russentrolle zeigen ihre Unterstützung für ein mordendes Regime immer unverblümter“
Prompt meldeten sich Politiker und Journalisten zu Wort. Filipp Piatov, der selbst bei dem Interview mit Paul Ronzheimer anwesend war, sagte, Tillschneider habe die Tasse bewusst in seinem Büro platziert – „weil er die russische Armee und ihre Taten gutheißt.“
Auch der russischstämmige deutsche Pianist Igor Levit äußerte sich bei X zu dem Vorfall. „Aber klar, es ist alles nur eine Verschwörung, dass die AfD Russlands Interessen vertritt“, schrieb er ironisch.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann machte auf das Sicherheitsrisiko aufmerksam, das von der AfD ausgehe. „Die AfD bleibt die Putin-Partei“, erklärte sie bei X. Parteikollege Dennis Radtke kommentierte mit dem Wortwitz: „Wer politisch nicht alle Tassen im Schrank hat, der hat halt eine russische Armee Tasse im Schrank.“
Einen „Russentroll“ bezeichnete die deutsche Journalistin Georgine Kellermann Tillschneider. Dieser würde seine „Unterstützung für ein mordendes Regime immer unverblümter zeigen.“
Tillschneider wollte Veröffentlichung verhindern
Tillschneider wollte die Veröffentlichung des Materials verhindern. Ronzheimer erklärte in seinem Podcast: „Das sind freie Medien und das lassen wir uns natürlich nicht nehmen.“
In seinem kurzen Statement an die Deutsche Presse-Agentur erklärte der AfD-Politiker: „Die Veröffentlichung sollte aufgrund des impertinenten Verhaltens des Herrn Ronzheimer und seines Teams unterbunden werden.“
Tillschneider ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Landtag und stellvertretender Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist. Er wird als möglicher Minister gehandelt für den Fall, die AfD könnte nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag Regierungsverantwortung übernehmen.
Erst in der vergangenen Woche hatte Tillschneider eine Podcastaufnahme mit der kritisch nachfragenden Journalistin Melanie Amann in Berlin abgebrochen und das Studio verlassen. „Ich habe gedacht, es geht hier um mein Buch. Ich habe gedacht, es geht um meine Person. Sie fragen mich zu Björn Höcke, zu sonst wem“, sagte Tillschneider am Ende der Folge im Funke-Medien-Podcast „Amann unframed“. „Und deswegen will ich das hier jetzt beenden. So muss ich mich nicht behandeln lassen.“
Tillschneiders Verhältnis zu Russland hat in der Vergangenheit immer wieder eine Rolle gespielt. Im September 2022 war er einer von drei AfD-Politikern, die nach Russland reisten und auch einen Besuch in der besetzten Ostukraine geplant hatten. Die AfD-Spitze distanzierte sich damals, die Politiker brachen ihre Reise ab. Vertreter anderer Parteien warfen der AfD vor, auf der Seite von Russlands Präsidenten Wladimir Putin zu stehen.
AfD will russlandfreundlichere Politik
Im Wahlprogramm der AfD, das Regierungsprogramm genannt wird, heißt es: „Deutschland und insbesondere Sachsen-Anhalt haben sowohl in ökonomischer als auch in kultureller Hinsicht ein großes Interesse an guten Beziehungen zu Russland. Die aktuelle russlandfeindliche Politik der Altparteien wiederum liegt nicht in deutschem Interesse. Sie spaltet Europa in fremdem Interesse.“
Der Russisch-Unterricht in Sachsen-Anhalt solle erhalten und wenn möglich ausgebaut werden. „Dazu sollen unter anderem akademisch gebildete russische Muttersprachler gezielt angesprochen und als Seiteneinsteiger gewonnen werden.“ In der ehemaligen DDR war Russisch für die Allermeisten die erste Fremdsprache. Bis heute wird Russisch an vielen Schulen angeboten, allerdings deutlich seltener gewählt als andere Fremdsprachen wie Englisch und Französisch.
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