Die öffentliche Wahlempfehlung des CDU-Kommunalpolitikers Bernd Prange aus Sachsen-Anhalt für die AfD hat für viel Aufsehen und Kritik gesorgt. Nun berichtet der „Focus“ über mögliche persönliche Hintergründe für Pranges Vorstoß. Demnach soll der 59‑Jährige bestätigt haben, dass auch private Motive bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt hätten.
Offenbar hatte der langjährige Ortsbürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe geplant, sein Fuhrunternehmen im kommenden Jahr zu verkaufen. Die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Geschäftsführung sei ihm nach eigenen Angaben über den Kopf gewachsen, heißt es. Für die Zeit nach dem geplanten Verkauf habe er auf Unterstützung aus den Reihen seiner Partei gesetzt.
Dem Bericht zufolge wandte sich Prange daher an einen CDU-Landtagsabgeordneten, der ihm aus seiner Sicht noch einen Gefallen geschuldet habe. Dieser sollte ihm eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der CDU-Landtagsfraktion vermitteln. Die Bitte sei jedoch abgelehnt worden.
Um welchen Abgeordneten es sich handelte, wurde in dem Bericht nicht erwähnt.
Bernd Prange war überregional bekannt geworden, nachdem er ein Schreiben veröffentlicht hatte, in dem er für die Landtagswahl am 6. September eine Wahlempfehlung für die AfD abgegeben hatte. Der Fuhrunternehmer ist seit 1992 CDU-Mitglied und gehört seit 1999 dem Kreistag Stendal an, jenem Landkreis, aus dem auch AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund stammt.
In dem Schreiben begründete er seine Entscheidung damit, sich zunehmend von der CDU entfremdet zu haben. Der Kommunalpolitiker, der seit mehr als 30 Jahren Ortsbürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe ist, kritisierte zuletzt scharf den Kurs der Union und deren Haltung zur Brandmauer. Zudem erklärte er, mit seinem Vorgehen einen Parteiausschluss provozieren zu wollen: „Ich will, dass sie mich rausschmeißen“.
Darüber hinaus habe er die AfD Sachsen-Anhalt mit insgesamt 10.000 Euro unterstützt. Sein Schreiben liegt WELT vor, ein AfD-Sprecher bestätigte den Eingang der Spende.
Wörtlich hieß es darin: „Ich wünsche mir, dass die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt so stark wird, dass sie alleine regieren kann. Nicht aus Trotz, sondern damit die CDU endlich aufwacht. Damit die Brandmauer fällt. Damit sich die Partei gegen ihren Linkskurs wehrt. Und damit Friedrich Merz abgesetzt wird – als Symbol einer Führung, die den konservativen Kern der Union preisgibt.“
Gegenüber dem „Focus“ legte Prange später nach. „Ich will nicht mehr die große Arroganz der CDU und von Sven Schulze miterleben“, sagte er mit Blick auf den CDU-Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt. „Ich habe so viel Böses erlebt. Die CDU ist nicht mehr meine Heimat und Zukunft.“
Die Einstufung des AfD-Landesverbands als gesichert rechtsextremistisch durch den Verfassungsschutz ändere seine Haltung nicht. „Die AfD ist demokratisch gewählt“, sagte Prange.
Die CDU Sachsen-Anhalt reagierte scharf auf die Äußerungen des Kommunalpolitikers und stellte ein Parteiausschlussverfahren in Aussicht. Gegenüber dem „Focus“ hatte Prange allerdings erklärt, einen solchen Ausgang bewusst provozieren zu wollen. CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Sven Schulze distanzierte sich von dem Vorstoß. Aus der CDU-Landtagsfraktion kamen ebenfalls deutliche Reaktionen. SPD-Politiker forderten zudem eine schnelle und klare Aufarbeitung des Falls.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke