CDU-Kommunalpolitiker Bernd Prange will mit seiner Spende an die AfD nach eigenen Angaben gezielt einen Parteiausschluss provozieren. „Ich will, dass sie mich rausschmeißen“, sagte der Ortsbürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe im Landkreis Stendal dem „Focus“. Wenige Stunden zuvor hatte Prange öffentlich gemacht, der AfD in Sachsen-Anhalt insgesamt 10.000 Euro gespendet zu haben. Bei der Landtagswahl am 6. September will er nach eigener Aussage ebenfalls für die Partei stimmen.

Prange erklärte in einem offenen Brief, über den WELT berichtete, er wünsche sich ein so starkes Ergebnis der AfD, dass diese allein regieren könne. Dadurch solle die CDU „endlich aufwachen“, die Brandmauer zur AfD aufgeben und sich gegen ihren aus seiner Sicht eingeschlagenen „Linkskurs“ wenden. Zugleich verlangte der 59-Jährige die Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der für eine Führung stehe, „die den konservativen Kern der Union preisgibt“. Und weiter: „Wer die Brandmauer zur AfD verteidigt, während er gleichzeitig nach links schielt, zerstört die CDU als bürgerliche Volkspartei.“

SPD verlangt Konsequenzen

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese forderte unterdessen Konsequenzen von der CDU. „Wenn ein CDU-Amtsträger 10.000 Euro an die AfD spendet und die Aufgabe der Brandmauer fordert, dann ist das kein unbedeutender lokaler Zwischenfall“, sagte Wiese der „Rheinischen Post“.

Er erwarte von den Christdemokraten eine schnelle und eindeutige Reaktion. „Es braucht jetzt Klarheit, dass es in der CDU keinen Platz für jedwede Unterstützung der AfD gibt. Die SPD war und ist hier immer unmissverständlich“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag.

Wer wie der CDU-Bürgermeister Bernd Prange die AfD finanziell so massiv unterstütze und ihr die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl wünsche, „verlässt die demokratische Mitte und arbeitet weiter an der Normalisierung einer verfassungsfeindlichen Partei“, sagte Wiese.

Der Fuhrunternehmer Prange ist seit 1992 Mitglied der CDU, gehört seit 1999 dem Kreistag Stendal an und ist seit 32 Jahren Ortsbürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe. Im Kreistag sei eine Zusammenarbeit mit der AfD nach seiner Erfahrung möglich, hatte Prange in seinem offenen Brief erklärt. Diese beruhe auf politischen Gemeinsamkeiten und dem Willen zum Erhalt der Heimat.

Im „Focus“ begründete Prange sein Vorgehen mit wachsender Entfremdung von seiner Partei. „Ich will nicht mehr die große Arroganz der CDU und von Sven Schulze miterleben“, sagte er mit Blick auf den CDU-Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt. „Ich habe so viel Böses erlebt. Die CDU ist nicht mehr meine Heimat und Zukunft.“

Die Einstufung des AfD-Landesverbands als gesichert rechtsextremistisch durch den Verfassungsschutz ändere seine Haltung nicht. „Die AfD ist demokratisch gewählt“, sagte Prange. Zwischen der Linkspartei und der AfD gebe es für ihn keinen Unterschied.

Die CDU Sachsen-Anhalt reagierte mit scharfer Kritik. Generalsekretär Mario Karschunke bezeichnete die Spende gegenüber WELT als möglichen „sehr schwerwiegenden parteirechtlichen Vorgang“. Der zuständige Kreisvorstand in Stendal werde den Fall in Abstimmung mit dem Kreisvorsitzenden Chris Schulenburg behandeln und über ein mögliches Parteiausschlussverfahren beraten.

CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze schließt eine politische Zusammenarbeit mit der AfD aus. Er hatte zudem erklärt, sich nicht mit Stimmen der Partei zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen.

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