Die Unbeliebtheit von Friedrich Merz ist nicht nur ein Problem für seine Partei, die CDU, sondern schadet offenbar der Demokratie als solcher. Das legen Zahlen nahe, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa erhoben hat. Mehrere Indikatoren für das Vertrauen in Institutionen sind demnach historisch niedrig.

Seit Wochen liegen die Unbeliebtheitswerte für den Kanzler mit leichten Schwankungen bei historisch schlechten 85 Prozent. Auch seine Partei kommt nicht aus dem Umfragetief. In der Sonntagsfrage kommt die Union noch auf 21 Prozent. Doch ein genauerer Blick zeigt, wie tief das Problem reicht.

Rechnet man die Nichtwähler dazu, ergibt sich ein dramatischeres Bild: Nur noch 15 von 100 Wahlberechtigten würden der Union ihre Stimme geben. Das sind so wenig wie nie zuvor seit 1949. Selbst bei ihrer historischen Wahlniederlage unter Spitzenkandidat Armin Laschet 2021 erhielt die Union noch die Stimmen von 18,3 Prozent der Wahlberechtigten.

Die Gruppe der Nichtwähler ist zuletzt deutlich gewachsen. Laut Forsa geben derzeit 30 Prozent an, nicht zur Wahl gehen zu wollen. Forsa-Chef Manfred Güllner sieht darin eine „gelbe Karte“ für die Politik. Er schreibt dazu in einem Newsletter, dass die Nichtwähler sich „als ein weiteres Wählerreservoir für die AfD entpuppen“ könnten. Denn schon in der Vergangenheit sei zu beobachten gewesen, „dass mit der Politik der Regierung Unzufriedene häufig zunächst ins Lager der Nichtwähler wandern, bevor sie – falls auf diese ‚gelbe Karte‘ keine entsprechenden Reaktionen erfolgen – zur AfD zu wechseln.“

Güllner führt die historische Schwäche der Union vor allem auf die schlechte Bewertung des Kanzlers zurück. Frühere Kanzler waren durch den „Amtsbonus“ oft beliebter als ihre jeweiligen Parteien – wovon diese an der Wahlurne profitierten. Güllner nennt etwa das Beispiel Gerhard Schröder (SPD). Der habe seiner Partei „immer vor entscheidenden Wahlen zu einem Auftrieb verhelfen“ können. Im Fall von Friedrich Merz sei es umgekehrt: „Die schon bald nach seiner Wahl zum Kanzler zu registrierende Unzufriedenheit mit seiner Arbeit führte im Gegenteil dazu, dass auch das Vertrauen zur Kanzlerpartei immer geringer wurde“, schreibt Güllner, der selbst SPD-Mitglied ist.

Ein Wert macht das besonders deutlich. Forsa fragt regelmäßig ab, welcher Partei die Menschen am ehesten zutrauen, die Probleme in Deutschland zu lösen. Im Januar 2021, nach fast 16 Jahren Kanzlerschaft unter Angela Merkel und mitten in der Corona-Krise, nannten 41 Prozent der Befragten noch die CDU/CSU. Nach fünfzehn Monaten Kanzlerschaft von Merz ist dieser Wert auf 12 Prozent gefallen. Ein Verlust von 29 Prozentpunkten. Erstmals überholte die AfD die CDU/CSU bei diesem Wert: Sie kommt derzeit auf 13 Prozent.

Die Krise des Kanzlers zieht dabei nicht nur seine Partei herunter. Sie beschädigt die Institution des Bundeskanzlers selbst. 2021 hatten noch 75 Prozent großes Vertrauen in den Bundeskanzler, bis 2024 sank dieser Wert auf 22 Prozent. Ein Großteil des Vertrauensverlusts in den Bundeskanzler fand also während der Kanzlerschaft von Olaf Scholz (SPD) statt. Doch schon im ersten Jahr der Kanzlerschaft von Friedrich Merz wurde dieser Wert noch unterboten: 2025 hatten nur noch 20 Prozent Vertrauen in den Bundeskanzler.

Den Vertrauensverlust in den Staat verdeutlicht noch eine weitere Zahl: Während der Corona-Krise 2020 glaubten noch 56 Prozent, dass der Staat seine Aufgaben erfüllen könne. Dieser Wert sank 2024 auf 25 Prozent, jetzt liegt er bei 17. „Überdurchschnittlich häufig halten die 45- bis 59-Jährigen, die Selbständigen und vor allem die AfD-Anhänger den Staat für nicht mehr in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen“, schreibt Güllner dazu. Unter den Beamten sind es 62 Prozent, unter den Selbständigen sogar 83 – und unter den AfD-Anhängern 97 Prozent.

Friedrich Merz habe jahrelang „groß getönt, vieles besser zu machen als Olaf Scholz und vor allem Angela Merkel“ schreibt Güllner. Doch habe er weder die Union gestärkt, noch die AfD halbiert. Hatte sich das Wahlergebnis der Partei von 2017 zu 2021 noch von 12,6 auf 10,3 Prozent verschlechtert, wuchs es nach dreieinhalb Jahren Ampel und unter Oppositionsführer Friedrich Merz auf 20,8 bei der Bundestagswahl 2025. Nun liegt die AfD bei 28 Prozent in den Umfragen. „Und das Vertrauen zu wichtigen politischen Institutionen und in die Leistungsfähigkeit des Staates ist nach 15-monatiger Regierungszeit von Merz auf einem Tiefststand“, schreibt Güllner.

Die Daten erhob Forsa für den RTL/ntv-Trendbarometer zwischen dem 4. und 10. August. Datenbasis: 2503 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 2,5 Prozentpunkte. Zur politischen Kompetenz wurden 1007 Menschen befragt. Zur Frage, ob sich die Parteien ausreichend um die Probleme und Interessen der Bürger kümmern, wurden zwischen dem 7. und 10. August 1005 Menschen befragt. Die Fehlertoleranz liegt hier bei 3 Prozentpunkten.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke