Kremlchef Wladimir Putin ist nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bereit zu einer weiteren Steigerung seines Angriffskriegs gegen das Nachbarland.
Mit einer neuen Massenmobilmachung wolle Putin auch Europa unter Druck setzen, sagte Selenskyj in einem Interview mit dem ukrainischen Sender TCH.
Nach einer verdeckten Einberufung von Hunderttausenden Russen seien diese Truppen nicht allein für den Krieg in der Ukraine bestimmt, sondern auch dazu, europäische Staaten psychologisch zu beeinflussen.
Das Kalkül Putins beschrieb Selenskyj so: „Wozu? Um zu zeigen, dass ich im Herbst eine halbe Million Menschen mobilisieren werde. Und diese halbe Million werde ich nicht unbedingt nur in der Ukraine einsetzen.“
Putin zeige weiterhin keine Bereitschaft, den Krieg zu gerechten Bedingungen zu beenden. „Stattdessen versucht er, zumindest symbolische Erfolge zu erzielen, mit denen er die enormen Verluste vor dem eigenen Volk rechtfertigen könnte“, sagte Selenskyj.
Nach den verstärkten ukrainischen Drohnenangriffen gegen Ziele tief im russischen Hinterland habe die russische Armee in der Nähe von Moskau drei Luftabwehrringe aufgebaut. „Zusätzlich zu ihrer Luftwaffe, zusätzlich zu allem, was sie sonst noch haben“, sagte Selenskyj.
„Im Grunde schützen sie alles, womit sie uns angreifen, wohl wissend, dass wir mit gleicher Münze zurückzahlen werden.“ Um diesen Schutzschild zu schaffen, „mussten die russischen Militärs aus allen Ecken ihres weitläufigen Territoriums alle Luftabwehrsysteme zusammenziehen“.
Erst am Freitag berichteten das „Wall Street Journal“ und CNN, Putin könnte innerhalb der nächsten Jahre versuchen, die Entschlossenheit der Nato mit einem begrenzten Angriff auf ein Bündnisland testen. Sie beriefen sich dabei auf neue US-Geheimdienstberichte.
Mögliche Szenarien reichen demnach von einer Cyberattacke bis hin zu einem begrenzten Angriff auf ein Nato-Land. Der geschätzte Zeitrahmen für jegliche mögliche Angriffe reicht demnach von diesem Herbst bis 2029.
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