Angesichts der Meldungen über eine Todesfahrt während des CSD in Berlin mit mindestens einem Opfer und zahlreichen Schwerverletzten herrscht in Deutschland blankes Entsetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Todesfahrt am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin als „abscheuliche Tat“ verurteilt.

Merz stehe mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) „in engstem Kontakt“ und werde von den Sicherheitsbehörden „fortlaufend unterrichtet“, erklärte ein Regierungssprecher in der Nacht zum Sonntag. Merz und Dobrindt „danken den Einsatzkräften und werden sich mit besonderem Nachdruck für Aufklärung und Ahndung der abscheulichen Tat einsetzen“.

Zudem hat Dobrindt den Landesbehörden die Unterstützung des Bundes angeboten. „Bundeskanzler und Innenminister sind in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen. Sie danken den Einsatzkräften und werden sich mit besonderem Nachdruck für Aufklärung und Ahndung der abscheulichen Tat einsetzen“, erklärte der Sprecher.

Ein Mann war in einem Fahrzeug am Samstagabend im Tiergarten in eine Menschenmenge gerast und hat mindestens einen Menschen getötet. 16 weitere Personen wurden nach Angaben der Polizei verletzt. Es gab demnach drei lebensbedrohlich Verletzte, acht Schwerverletzte und fünf Leichtverletzte.

Explosionen und Zugriff in Schöneberg, keine Festnahme

Nach Informationen von WELT wurde das Auto von Abdul B. gemietet. Der Mann wurde 2005 geboren und ist erst im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden. Nach Informationen dieser Redaktion ist der Mieter des Fahrzeugs der Polizei im religiös-motivierten Kontext polizeibekannt. Ob der Mieter auch der Fahrer des Fahrzeugs ist, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Polizisten an der Adresse in Schöneberg

Die Polizei suchte nach eigenen Angaben unter „Hochdruck“ nach dem Täter oder den Tätern. Nach Informationen von WELT erfolgte inzwischen in Berlin-Schöneberg durch Spezialkräfte der Polizei ein Zugriff. Eine Festnahme gab es jedoch offenbar nicht.

Wegner: „Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden“

Die Veranstalter brachen den CSD nach dem Vorfall ab. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“. „Nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert“, teilte er mit.

„Berlin ist die Stadt der Freiheit – und unsere Freiheit ist heute aufs Schrecklichste angegriffen worden“, erklärte Wegner weiter. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden.“

Wegner dankte den Veranstaltern dafür, dass die Veranstaltung sofort abgebrochen und evakuiert worden sei: „Ich denke, das war eine wichtige Maßnahme, die sehr, sehr gut funktioniert hat. Auch mit den Veranstaltern, mit dem CSD-Verein in enger Abstimmung und gut organisiert. Und deswegen bin ich nicht nur der Berliner Polizei dankbar, sondern wirklich auch dem Veranstalter, der dafür gesorgt hat, dass es hier einen ganz ruhigen Abfluss gab, keine Panik auftrat, sondern dass die Menschen diesem Platz verlassen konnten.“

Polizei und Rettungskräfte am Tatort

Der neue Berliner CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat ebenfalls sein Entsetzen ausgedrückt. „Es trifft unsere Stadt mitten ins Herz“, schrieb Evers auf der Plattform X. Er dankte allen helfenden Händen und der Berliner Polizei für ihren Einsatz zum Schutz der Menschen. „Ich hoffe für die Verletzten, ich trauere mit Angehörigen und Freunden. Es gibt einiges aufzuklären. Dann ist die Zeit für Konsequenzen!“

Der Berliner Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler warnte vor Spekulationen über den Hintergrund. Danach gefragt, ob es irgendwelche Hinweise für einen politischen oder kriminellen Hintergrund gebe, sagte der SPD-Politiker, dazu könne man im Moment noch nichts zu sagen. Es sei auch besser, noch nicht zu spekulieren. „Es hat sich ja auch nicht in der Veranstaltung selber abgespielt, sondern tatsächlich im Tiergarten.“ Das mache die Sache nun auch unübersichtlich.

Gaebler, der Innensenatorin Iris Spranger während ihres Urlaubs vertritt, zeigte sich bestürzt über den Vorfall – insbesondere bei einer Veranstaltung, bei der Hunderttausende „für Vielfalt, für Zusammenleben und für Achtung voreinander demonstriert haben“. „Und insofern ist das natürlich noch mal ein Beweis dafür, dass man das nicht oft genug machen kann“, sagte Gaebler.

Spranger selbst sagte: „Ich bin entsetzt über die furchtbare Tat während des CSD in Berlin, den Tausende von Teilnehmenden friedlich gefeiert haben.“ Sie stehe mit den Sicherheitsbehörden in engem Kontakt. „Die Sicherheit der Berlinerinnen und Berliner und der Gäste der Stadt hat höchste Priorität.“

Zeugen der Amokfahrt

Stephan Weh, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei in Berlin sagte: „Diese unfassbare Tat trifft Berlin voll ins Mark. Wir hoffen, dass alle schwer und lebensgefährlich Verletzten durchkommen und der oder die Täter schnellstmöglich gefasst werden. Unser Dank gilt allen eingesetzten Kolleginnen und Kollegen von Polizei und Feuerwehr, die auch in dieser psychisch extrem angespannten Lage hochprofessionell agieren und so Menschenleben retten. Der Terror darf nie gewinnen.“

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