Im Nahen Osten ist es erneut zu gegenseitigen Angriffen der USA und dem Iran gekommen. Das zuständige US-Regionalkommando Centcom meldete in der Nacht zu Montag eine neue Angriffswelle auf den Iran. „Die Angriffe werden fortgesetzt, um die militärischen Fähigkeiten des Iran zu schwächen, die für Angriffe auf Handelsschiffe und zivile Seeleute im Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus genutzt werden“, hieß es in einer Erklärung auf X.
Es war die neunte Nacht in Folge mit US-Angriffen. Ziele seien „Militärkommandozentralen, Luftabwehr- und Küstenüberwachungsanlagen, maritime Kapazitäten, Raketen- und Drohnenabschussstellen sowie Kommunikationsnetze“ gewesen.
US-Präsident Donald Trump sagte, die Attacken erfolgten als Reaktion auf die drei zuletzt im Krieg getöteten US-Soldaten. „Wir haben sie heute Abend wieder sehr hart getroffen“, sagte Trump mit Blick auf den Iran. Das sei „zu Ehren“ der „wahrscheinlich drei großartigen Patrioten“ erfolgt, sagte der Präsident vor Journalisten bei seiner Rückkehr vom Fußball-WM-Finale vor den Toren von New York nach Washington.
Der Iran habe im Krieg sehr schwere Verluste erlitten, erklärte der US-Präsident. „Militärisch haben sie fast alles verloren“, behauptete er. „Sie haben nur noch sehr wenig übrig. Sie haben noch ein paar Raketen. Sie haben noch ein paar Drohnen.“ Zudem kontrollierten die USA die Straße von Hormus, behauptete Trump weiter. „Wir kontrollieren die Meerenge; sie kontrollieren gar nichts. Mal sehen, was passiert“, so der Präsident.
Örtliche Medien meldeten in der Nacht Explosionen in mehreren Gebieten des Landes. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurden Explosionen aus der Stadt Tabris im Norden des Landes, der Hafenstadt Tschahbahar am Golf vom Oman, aus Konarak in der südöstlichen Provinz Sistan-Belutschistan, der Hafenstadt Mahschahr in der Provinz Chusestan sowie der Hafenstadt Bandar Imam Chomeini am Persischen Golf gemeldet.
Auf der anderen Seite sah sich Golfstaat Kuwait unter iranischem Beschuss. Die Luftverteidigung wehre „feindliche Drohnen“ aus dem Iran ab, teilte die Armee des Landes in der Nacht auf der Plattform X mit. Nähere Einzelheiten gab es zunächst nicht. Auch im ebenfalls mit Washington verbündeten Bahrain heulten wieder die Sirenen, wie das dortige Innenministerium bekanntgab. Die US-Botschaft in Bahrain warnte vor möglichen Angriffen in der Hauptstadt Manama. Es lägen Informationen vor, wonach der Iran nicht näher bezeichnete Ziele im Zentrum der Stadt ins Visier nehmen könnte, teilte die Vertretung mit. Die Botschaft mahnte US-Bürger zur Wachsamkeit. Beide Länder gelten als Verbündete der USA und beherbergen Militärstützpunkte.
Iran sprengt Öltanker
Nach Angaben der iranischen Revolutionsgarden sind zudem zwei Öltanker auf der Südroute durch die Straße von Hormus gesprengt worden und nun manövrierunfähig. Das US-Militär habe die Besatzungen aufgefordert, diese unsichere Passage zu nutzen, teilten die Garden mit. Solange die US-Aggression in der Region andauere, sei die Meerenge weder für den Transport von petrochemischen Produkten noch für „einen einzigen Tropfen Öl und Gas“ sicher. Das US-Militär müsse sich auf eine „Strafaktion“ einstellen. Der Vorfall ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Zu Namen, Flaggen, Besatzungen oder möglichen Opfern machen die Garden keine Angaben.
Die britische Behörde zur Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO) berichtet von einem Schiff in Flammen. Der Vorfall habe sich acht Seemeilen (knapp 15 Kilometer) nordwestlich des omanischen Ortes Kumzar ereignet, teilte UKMTO weiter mit. Die Brandursache sei zunächst noch unklar. Schiffen werde empfohlen, die Region mit Vorsicht zu durchfahren, während die Behörde den Vorfall untersuche.
Die Revolutionsgarden haben zudem laut staatlichen Medien „das feindliche Kommandozentrum für Spezialeinsätze in der Region Al-Tanf in Syrien“ angegriffen. Es handele sich um einen Vergeltungsangriff nach der Tötung von iranischen Soldaten in Iranschahr im Südosten der Islamischen Republik, erklärte die Nachrichtenagentur Irna am Montag im Onlinedienst Telegram. Die Nachrichtenagentur Tasnim hatte zuvor die Beisetzung dreier Soldaten gemeldet, die bei einem US-Angriff auf eine Kaserne in Iranschahr getötet worden seien.
Das US-Militär hatte zuvor am Sonntag den Tod eines weiteren seiner Soldaten im Iran-Krieg gemeldet. Am Samstag sei ein US-Soldat im Nordirak bei einer kontrollierten Sprengung nicht detonierter Kampfmittel aus einer abgeschossenen iranischen Einwegdrohne ums Leben gekommen, teilte Centcom mit. Ein weiterer Soldat wurde demnach verletzt und wird weiterhin wegen einer leichten Verletzung medizinisch behandelt. Die offiziell bekannte Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Soldaten steigt damit auf 17. Mehr als 430 amerikanische Soldaten wurden verletzt.
Am Samstag hatte das US-Militär erstmals seit den Anfangstagen des Iran-Kriegs wieder den Tod von Soldaten infolge von iranischem Beschuss gemeldet. Sie seien am Freitag bei einem Einsatz in Jordanien ums Leben gekommen, als sich US-Streitkräfte und Verbündete gegen iranische Raketen- und Drohenangriffe verteidigten, teilte Centcom mit. Das US-Militär informierte in dem Zuge auch über einen weiteren Soldaten, der noch vermisst werde.
Nun erklärten die Streitkräfte, dass man nach einer gründlichen Suche am Ort des Geschehens bislang nicht identifizierte sterbliche Überreste gefunden habe. Derzeit laufe ein Prozess zur Identifizierung, hieß es. Die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ berichteten unter Berufung auf einen US-Beamten beziehungsweise eine mit der Angelegenheit vertraute Person, es werde davon ausgegangen, dass es sich um die Überreste eines nach dem iranischen Angriff vermissten US-Soldaten handele.
Kritik von Demokraten nach den Todesfällen
Demokratische Mitglieder des US-Kongresses haben nach dem Tod der beiden Soldaten scharfe Kritik an der Kriegsführung von Präsident Trump geübt. Der stellvertretende Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Mark Warner, sagte dem Sender CBS News, es sei in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, dass die USA nicht mehr Todesopfer zu beklagen hätten. „Wir haben buchstäblich Hunderte Schwerverletzte“, betonte er und verwies dann auf die gefallenen US-Soldaten. Das passiere, „wenn man einen Krieg aus eigener Entscheidung beginnt“.
Als stellvertretender Vorsitzender des Geheimdienstausschusses gehört er dem kleinen Kreis hochrangiger Kongressmitgliedern an, der sogenannten „Gang of Eight“, auf die die US-Regierung Briefings zu Geheimdienstangelegenheiten in bestimmten Situationen beschränken kann. Er könne eindeutig sagen, dass „keine unmittelbare Bedrohung durch den Iran bestand“, betonte Warner und warf Trump vor, den Krieg ohne Plan begonnen zu haben.
Rubio: Andere Länder müssen mehr für Schutz der Straße von Hormus tun
US-Außenminister Marco Rubio hat mit Blick auf den Konflikt um die Straße von Hormus andere Länder zu mehr Druck auf den Iran aufgefordert. Die Vereinigten Staaten würden „weiterhin tun, was nötig ist, um die weltweite Schifffahrt zu schützen“, sagte Rubio am Sonntag. Andere Staaten müssten jedoch „durch Ausrüstung oder Finanzmittel“ ihren Beitrag dazu leisten.
„Zumindest einige Leute im Iran“ wollten die wirtschaftlich bedeutende Meerenge kontrollieren und somit als „Druckmittel gegenüber der Welt“ einsetzen, sagte Rubio. Er äußerte sich vor einer Reise auf die Philippinen, wo er an einem Treffen der Außenminister der südostasiatischen Asean-Staaten teilnehmen wollte.
Kampfjets und Tankflugzeuge auf dem Weg in die Region
Medienberichten zufolge verlegen die USA aktuell noch mehr Kampfflugzeuge in den Nahen Osten. Das „Wall Street Journal“ berichtete, dass dies unter anderem Kampfjets vom Typ F-16 vom US-Flugplatz Spangdahlem in der Eifel betreffe. Zudem würden Kampfjets vom Typ F-35 von dem von den USA genutzten Stützpunkt RAF Lakenheath in Großbritannien verlegt. Auch Tankflugzeuge befinden sich demnach auf dem Weg in die Region.
Auch die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf US-Beamte von den Verlegungen. Demnach war die Entscheidung dazu bereits vor den neuesten Todesfällen im US-Militär getroffen worden. Dass die USA nun den Berichten zufolge weitere Kampfflugzeuge in die Region verlegen, kann als Zeichen für eine Vorbereitung auf eine mögliche Ausweitung der US-Angriffe verstanden werden.
Entsprechend zitierte auch die „Washington Post“ einen namentlich nicht genannten US-Beamten mit der Aussage, dass sich die USA auf einen umfassenderen Krieg vorbereiteten. Der Beamte hob demnach jedoch auch hervor, dass unter anderem schwindende Waffenvorräte der USA einer Ausweitung des militärischen Vorgehens Grenzen setzen würden. „Wir haben nicht genug, um die Einsätze sicher aufrechtzuerhalten, und ich glaube nicht, dass sich das Weiße Haus dessen bewusst ist“, zitierte ihn die Zeitung.
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