Die Bundesregierung plant, die Steuern auf alkoholische Getränke wie Spirituosen, Schaumweine und Alcopops zum 1. Januar 2027 um 20 Prozent zu erhöhen. Doch das schmeckt nicht allen. Die Unionsfraktion möchte dem Ganzen nun Einhalt gebieten – zumindest, wenn es um Schaumweine geht. Nach Position der Union soll der Sekt weiterhin erschwinglich bleiben, um die Schaumweinindustrie nicht zusätzlich zu belasten.
Das Schaumweingeschäft kann in den vergangenen Jahren keine prickelnden Erfolge feiern. Im Gegenteil: Der Absatz geht stetig zurück. Im Jahr 2025 wurden laut Statistischem Bundesamt 240,1 Millionen Liter Schaumwein abgesetzt. Das sind 20,2 Prozent weniger als im Jahr 2015.
Die geplante Steuererhöhung könnte die Zahl der verkauften Flaschen nochmal um 9,5 Prozent reduzieren, befürchtet der Verband Deutscher Sektkellereien. Das würde die Branche „in einem bereits äußerst schwierigen Marktumfeld zusätzlich belasten“. Laut Ernährungsministerium sind im Wirtschaftsjahr 2023/24 die Gewinne von Weinbaubetrieben um 19,4 Prozent eingebrochen.
„Ein völlig falsches Signal“
„Eine Erhöhung gerade in der aktuell sehr angespannten Lage der Weinwirtschaft wäre ein völlig falsches Signal“, sagte Johannes Steiniger (CDU), Sprecher für Landwirtschaft und Ernährung der Unionsfraktion im Bundestag, dem Pro-Newsletter Gesundheit von „Politico“. Die Fraktion werde sich dafür einsetzen, dass eine Erhöhung der Schaumweinsteuer nicht umgesetzt wird.
Die Steuererhöhung auf alkoholische Getränke wurde Ende Juni von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ins Spiel gebracht. In der Unionsfraktion sorgte das offenbar nicht für knallende Sektkorken. Steiniger zeigt sich von Klingbeils Vorstoß überrascht. Er sei „sehr irritiert über den Vorstoß des Finanzministers, der im Übrigen so auch nicht vereinbart war“.
Die Steuererhöhungen sollen insgesamt 455 Millionen Euro in den Haushalt bringen. Die Steuer auf Schaumweine soll davon rund 65 Millionen Euro ausmachen. Nach Forderung der Union müsste die Regierung auf dieses Geld nun verzichten.
Die Finanzkommission Gesundheit hatte in ihrem Bericht eine Erhöhung der Alkoholsteuer empfohlen. Diese sollte deutlich höher sein als der Vorstoß des Finanzministers, allerdings nur für Spirituosen gelten. Der Vorschlag der Finanzkommission sollte so sogar rund 570 Millionen Euro zusätzlich bringen. Die Kommission begründet den Vorstoß auch mit positiven Folgen für die Gesundheit. Durch einen sinkenden Alkoholkonsum könnten nach deren Schätzungen rund 1000 Krebsfälle jährlich verhindert werden.
Die Schaumweinsteuer war ursprünglich zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsflotte eingeführt worden. Für eine handelsübliche 750-Milliliterflasche beträgt die Steuer aktuell rund 1,02 Euro (bei sechs Prozent Alkoholgehalt).
Anton Dieckhoff ist Reporter beim Pro-Newsletter Gesundheit von „Politico“.
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