Das US-Militär hat nach eigenen Angaben eine nächtliche Welle von Luftangriffen gegen den Iran beendet. Die Angriffe erschütterten erstmals seit Beginn der aktuellen Kämpfe um die Kontrolle über die Straße von Hormus auch Teile des Nordens des Landes. Iranische Staatsmedien berichteten von Explosionen in der Umgebung der Hauptstadt Teheran sowie von Angriffen auf die Provinz Semnan, in der die Produktion ballistischer Raketen und das iranische Raumfahrtprogramm angesiedelt sind. Zunächst gab es keine Angaben zu möglichen Opfern oder Schäden.
Die regierungsnahe iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete zuvor von drei Explosionen in der Hafenstadt Tschabahar. Angriffe soll es demnach auch in Rask im äußersten Südosten des Landes sowie in der Umgebung von Bandar Abbas am Persischen Golf und in Ahwas im Südwesten gegeben haben. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete unter Berufung auf einen lokalen Behördenvertreter, dass vier Orte am Rande von Ahwas getroffen worden seien.
Die Angriffe richteten sich demnach gegen militärische Fähigkeiten des Irans, die dafür genutzt worden seien, Handelsschiffe in der Straße von Hormus zu bedrohen, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs Centcom auf X mit. Eine ähnliche Begründung hatte das US-Militär auch für Angriffe in den vergangenen Tagen gegeben.
Centcom meldete zudem, dass ein US-Kampfflugzeug auf einen unbeladenen Öltanker geschossen und ihn außer Gefecht gesetzt habe, als dieser versucht habe, die US-Blockade gegen iranische Häfen zu durchbrechen. Das US-Kampfflugzeug habe „Hellfire-Raketen in den Schornstein des Schiffs abgefeuert“, teilte Centcom mit. „Das Schiff ist nicht länger auf dem Weg in den Iran.“ Bei dem Tanker habe es sich um die unter der Flagge von Curaçao fahrende „M/T Belma“ gehandelt. Es war das erste Mal, dass die US-Armee seit der Wiedereinsetzung der Blockade iranischer Häfen ein Schiff gewaltsam stoppte. Auch zu zwei weiteren Handelsschiffen sei Kontakt aufgenommen worden. Diese seien den Anweisungen jedoch nachgekommen und hätten ihren Kurs geändert.
Kurz nach Beginn der neuen Angriffswelle haben im Golfstaat Bahrain wieder Sirenen geheult. Das Innenministerium schrieb auf der Plattform X, die Bevölkerung sei aufgerufen worden, Ruhe zu bewahren und sich zum nächstgelegenen sicheren Ort zu begeben. Näheres wurde zunächst nicht bekannt. Bahrain gehört aber zu den Ländern, die im Krieg immer wieder Ziel iranischer Vergeltungsangriffe wurden.
Die kuwaitische Armee teilte im Onlinedienst X mit, dass die Luftabwehr des Landes Drohnenangriffe bekämpfe. Diese kämen vom „ruchlosen iranischen Aggressor“.
US-Bürgerin freigelassen
Inmitten der Eskalation im Iran-Krieg hat die Führung in Teheran allerdings eine US-Staatsbürgerin freigelassen. „Sie befindet sich nun sicher außerhalb des Iran und ist wohlauf“, schrieb US-Präsident Donald Trump auf seiner Online-Plattform Truth Social. „Die Vereinigten Staaten von Amerika wissen diese Geste des guten Willens von Seiten des Iran zu schätzen!“
Trump machte keine Angaben zur Identität der Frau. Er erklärte lediglich, dass diese seit Dezember 2024 „zu Unrecht“ im Iran festgehalten worden sei. Der Iran hält mehrere westliche Staatsbürger in Gefängnissen fest. Kritiker werfen der Führung in Teheran vor, die Häftlinge als Druckmittel in Verhandlungen einzusetzen.
Zu den neuesten Angriffen erklärte Trump, der Iran sei zu einem Friedensabkommen bereit. Nähere Einzelheiten nannte er jedoch nicht. „Ihnen gefällt nicht, was wir tun, und sie wollen eine Einigung erzielen. Wir werden sehen, ob wir uns mit ihnen einigen oder die Sache einfach zu Ende bringen“, sagte der Präsident auf einer Sicherheitskonferenz am Army War College im Bundesstaat Pennsylvania.
Trump betonte, die USA stünden im Umgang mit dem Iran sehr gut da, und fügte hinzu, die Islamische Republik sei „derzeit nicht glücklich“. Er rechnet mit einem raschen Erfolg. „Wir werden den Iran bald besiegt haben. Sie werden sehr bald besiegt sein“, sagte Trump.
US-Angriffe sollen offenbar umfassendere Militäroperationen vorbereiten
Insidern zufolge sollen die jüngsten US-Angriffe auf den Iran nicht nur die Straße von Hormus offenhalten, sondern zudem mögliche umfassendere Militäroperationen vorbereiten. Die Bombardements sollten die iranische Luftabwehr sowie Radaranlagen und Raketenstellungen schwächen, sagten drei mit der Angelegenheit vertraute US-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters.
Dies erweitere die militärischen Optionen von Trump. Einem der Insider zufolge handele es sich um vorbereitende Maßnahmen für den Fall, dass die US-Streitkräfte den Befehl für intensivere Einsätze erhielten. Das US-Verteidigungsministerium reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Trotz schwerer Verluste seit dem Beginn der US-israelischen Angriffe Ende Februar verfügt der Iran weiter über ein beträchtliches Drohnen- und Raketenarsenal. Damit greift das Land unter anderem Tanker in der Straße von Hormus an. Um die wichtige Wasserstraße besser abzusichern, hat das US-Militär einem Reuters-Bericht vom März zufolge Pläne für eine Entsendung von Truppen an die iranische Küste ausgearbeitet. Dabei sei auch der Einsatz von Bodentruppen auf der Insel Charg diskutiert worden, über die 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.
Eine solche Operation gilt als riskant, da der Iran die Insel vom Festland aus mit Raketen und Drohnen unter Beschuss nehmen könnte. Trump hatte am Dienstag erklärt, er habe das Militär angewiesen, die Ölanlagen auf Charg bei bisherigen Angriffen zu verschonen.
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