Der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, sieht seine Partei in dem Bundesland knapp vor dem Erreichen einer absoluten Mehrheit. Vier Monate vor der Wahl steht die AfD in einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung von Infratest dimap bei 41 Prozent. Damit konnte die Partei ihren Vorsprung auf die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze ausbauen. Die CDU verliert im Vergleich zur vorhergehenden Umfrage einen Prozentpunkt und kommt auf 26 Prozent. Die Linke erreicht zwölf Prozent, die SPD sieben. Grüne und BSW würden mit jeweils vier Prozent den Einzug in den Landtag verpassen.

„Es fehlt jetzt nur noch ein ganz kleines bisschen, ein, zwei Prozent zur absoluten Mehrheit“, sagte Siegmund im Gespräch mit WELT TV. „Und das möchten wir erreichen.“

Auf den Hinweis, dass sich in der Umfrage, wenn auch sehr knapp, mehr Menschen eine CDU-geführte Regierung wünschten, antwortete Siegmund, das sei „so eine Art Schönreden“. Im Wert der CDU seien im Grunde alle anderen Parteien inkludiert. „Es gibt im Prinzip aktuell nur noch zwei Parteien in diesem Land. Und das habe ich im letzten Interview schon gesagt: Es gibt alle anderen gegen Deutschland und die Alternative für Deutschland. Das heißt, man redet hier nicht über Inhalte, sondern nur noch über uns. Und das merkt man auch bei dieser Umfrage gerade.“

Der Befragung zufolge wollen 43 Prozent eine AfD-geführte Regierung (plus sechs Prozentpunkte), während die CDU ein Minus von drei Punkten hinnehmen muss, aber immer noch auf 44 Prozent kommt. Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, läge der derzeitige Regierungschef Schulze mit 36 Prozent vor Siegmund mit 32 Prozent.

Schulze verweist auf gute persönliche Werte

Schulze selbst sagte im Interview mit WELT TV, er wolle nicht, „dass diese Wahl in Sachsen-Anhalt zu einem Denkzettel für Regierungsarbeit in Berlin wird“. In seinem Bundesland seien „viele Menschen unzufrieden mit dem, was sie von der Bundesebene sehen“. Er sei das teilweise auch.

Es gehe nun für ihn aber um Sachsen-Anhalt, deshalb wolle er als Ministerpräsident weitermachen. In Bezug auf die jüngste Umfrage sagte Schulze: „Die Werte für mich persönlich, die sind gut.“ Eine Mehrheit sage „klar“, dass sie ihn als Ministerpräsidenten wolle. „Und deswegen werde ich diesen Weg weitergehen. Daran werde ich mich messen lassen.“

Die Werte zeigten auch, „dass es einen Unterschied gibt zwischen – in dem Fall – der Bewertung der Parteien und meiner Arbeit als Ministerpräsident.“ Es gehe um die Frage, wer in der Staatskanzlei sitze: „Sven Schulze für eine Politik, die Anschlussfähigkeit bedeutet, die Sachsen-Anhalt nicht zu einer Insel macht, oder die AfD, die am Ende hier in der Staatskanzlei sitzend unser Land isolieren würde.“

Eine Mehrheit der Befragten ist laut Infratest dimap unzufrieden mit der Arbeit der Landesregierung. 62 Prozent der Befragten geben an, weniger oder gar nicht zufrieden zu sein, während ein Drittel (33 Prozent) sich als sehr zufrieden oder zufrieden mit der Arbeit äußert. 82 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt haben laut der aktuellen Umfrage wenig oder gar kein Vertrauen mehr darin, dass der Staat seine Aufgaben erfüllt. Nur 16 Prozent sagen, ihr Vertrauen in den Staat sei groß oder sehr groß.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Sepp Maier, der seinen Wahlkreis in Sachsen-Anhalt hat, sagte gegenüber WELT TV zu den aktuellen Umfragewerten, die CDU habe „noch Luft nach oben“. Die Partei müsse „gemeinsam Wahlkampf machen“, zu dem „alle aufgerufen“ seien. Er betonte, dass Schulze in der Umfrage bei einer hypothetischen Direktwahl vor Siegmund liegt.

Außerdem seien es noch vier Monate bis zur Wahl. Unter anderem in der vorherigen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt habe man gesehen, dass „die Rechtsaußenpartei in der letzten Umfrage vor der Landtagswahl weit vor uns war und am Ende Reiner Haseloff ein fulminant gutes Ergebnis eingefahren hat“. Deswegen müsse man „bis zum letzten Tag kämpfen, kämpfen um jeden Wähler, um jede Wählerin“.

Grüne: „Wenn wir wieder in den Landtag einziehen, kann die AfD nicht regieren“

Die Grünen-Spitzenkandidatin und Landesvorsitzende, Susan Sziborra-Seidlitz, teilte zu der Umfrage mit: „Vier Monate vor der Wahl ist noch nichts entschieden. Diese Umfrage zeigt vor allem: Es wird extrem eng und jede Stimme kann am Ende entscheidend sein.“ Die Zahlen seien „kein Grund, nervös zu werden, sondern ein klarer Auftrag, jetzt mit voller Entschlossenheit in die heiße Wahlkampfphase zu gehen“. Im persönlichen Gespräch erlebte die Partei „viele Menschen, die sich Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt machen und die wollen, dass Sachsen-Anhalt modern, gerecht und weltoffen bleibt“.

Sziborra-Seidlitz betonte: „Wenn wir Grüne wieder in den Landtag einziehen, kann die AfD nicht regieren.“

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke