Kanzler Friedrich Merz betrachtet die von US-Präsident Donald Trump angekündigten höheren Zölle für Autos aus der EU nicht als Maßnahme besonders gegen Deutschland. „Er will ganz Europa treffen“, sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung „Caren Miosga“.
Trump sei auch „zu Recht ein bisschen enttäuscht“ darüber, dass die EU mit dem im August 2025 vereinbarten Zollabkommen mit den USA nicht zu einem Abschluss gekommen sei. Im Europäischen Parlament gebe es bis heute Widerstände dagegen.
Merz erläuterte, Trump werde ungeduldig, dass auf der europäischen Seite immer wieder neue Bedingungen formuliert würden. „Die Amerikaner haben es fertig und die Europäer nicht.“ Der Kanzler sagte: „Deswegen wünsche ich mir, dass wir hier möglichst schnell zu einem Abkommen kommen.“
Caren Miosga (l.) und Friedrich MerzIm August 2025 hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch für europäische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten.
Trump kündigte nun am Freitag an, er wolle Zölle auf Autos und Lastwagen, die aus der EU in die USA eingeführt werden, von kommender Woche an auf 25 Prozent erhöhen. Er begründete das damit, dass sich die EU nicht an das vereinbarte Handelsabkommen halte.
Merz spielt US-Truppenabzug herunter
Den angekündigten Abzug von mehr als 5000 US-Soldaten aus Deutschland spielte Merz bei „Caren Miosga“ hingegen herunter. „Es wird vielleicht ein bisschen zugespitzt, aber neu ist es nicht.“ Es handele sich um ein Kontingent, das der frühere US-Präsident Joe Biden auf Zeit stationiert habe und über dessen Abzug seit längerer Zeit gesprochen worden sei. Auch hielt er es für unwahrscheinlich, dass die USA die 2024 von Biden zugesagten Tomahawk-Mittelstreckenraketen an Deutschland liefern.
„Kompromisse sind keine Einbahnstraße“, insistiert Friedrich MerzDie Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament rät dazu, die Ankündigungen aus Washington und die Absage an die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen hierzulande ernst zu nehmen.
Die Ankündigungen aus Washington seien schon allein „deswegen ernst zu nehmen, weil der Truppenabzug nicht militärisch-strategischer Natur zu sein scheint, sondern offensichtlich aus der Motivation des US-Präsidenten heraus geschieht, Bundeskanzler Merz – einfach ausgedrückt – den Mittelfinger zu zeigen“, sagte Strack-Zimmermann dem „Spiegel“.
Auf die Frage, wie die Bundesregierung auf die jüngsten Ankündigungen aus Washington reagieren sollte, sagt die Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses: „Herr Merz sollte, bevor er ins Plaudern kommt, sich zukünftig überlegen, welche Folgen seine Worte haben. Selbstverständlich müssen wir selbstbewusst gegenüber Trump auftreten. Ich rate ihm vor allem aber endlich zu liefern.“ Deutschland habe jetzt genug Geld und müsse seinen Verpflichtungen nachkommen.
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