Schilderungen des Bundeskanzlers von Anfeindungen auf Social Media sorgen für scharfe Kritik. Friedrich Merz (CDU) hatte im „Spiegel“ gesagt, er sei dort zwar nur gelegentlich unterwegs, aber: „Wenn Sie mal schauen, was dort über mich verbreitet wird, wie ich da angegriffen und herabgewürdigt werde – kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen.“ Er beschwere sich nicht darüber, aber so sei es.
Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Maximilian Mörseburg warnte Merz gegenüber WELT vor der Außenwirkung: „Diese Opferrolle steht der CDU Deutschlands überhaupt nicht. Wir haben Friedrich Merz als scharfzüngigen Oppositionsführer gefeiert. Da sollte er als Kanzler aufpassen, nicht wie eine Mimose rüberzukommen“, sagte er.
Der Kandidat für den FDP-Vorsitz, Wolfgang Kubicki, schrieb auf X: „Ich bin mir nicht sicher, ob das Land ein derart merkwürdiges Signal historischer und persönlicher Fehleinschätzung von seinem Kanzler gebraucht hat.“
Der stellvertretende Chefredakteur der „Bild“, Paul Ronzheimer, bezeichnete das Interview als „erstaunliche Kommunikation“ und fragte: „Was will der Kanzler mit so einer Aussage erreichen? Mitleid?“. Auf X trendete der Hashtag „Heulsuse“ .
Merz hatte in dem „Spiegel“-Interview Defizite in seiner Kommunikation zugegeben. Er zitierte den Philosophen Epiktet mit den Worten, dass nicht Taten die Menschen bewegten, sondern die Worte über die Taten. „Ich kann da in der Tat noch besser werden“, sagte der Kanzler. Er werde noch mehr erklären und erläutern müssen, als er das bisher getan habe. „Erklären, erklären, erklären. Sie müssen in einer Demokratie die Menschen mitnehmen.“
Merz ging auch auf die Kritik an Äußerungen ein, die von vielen Menschen als überzogen empfunden wurden, wie die zum Stadtbild in Deutschland oder zur brasilianischen Stadt Belém. „Ich bin von meinem ganzen Naturell sehr offen. Ich spreche aus, was ich für richtig halte, und nehme in Kauf, dass darüber kontroverse Debatten geführt werden“, sagte der CDU-Vorsitzende. „Ich nehme allerdings auch wahr, dass diese Sprache auf eine hypernervöse Öffentlichkeit stößt, die sich auch triggern lässt. Trotzdem will ich mich nicht verbiegen.“
Die schwarz-rote Bundesregierung ist nächste Woche Mittwoch genau ein Jahr im Amt. In den Umfragen sind Union und SPD deutlich abgerutscht. Die AfD steht inzwischen in einigen Umfragen als stärkste Partei an der Spitze.
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