Es ist eine bemerkenswerte Kehrtwende für einen Politiker, der einst als zu kriegstreiberisch, zu sehr dem Establishment zugehörig und durch seine gescheiterte Präsidentschaftskampagne 2016 als politisch erledigt galt. Doch seine Rolle bei der Entmachtung von Venezuelas Nicolás Maduro und seine unerschütterliche Loyalität gegenüber Trump haben ihm im West Wing – und bei Teilen der MAGA-Wählerschaft – Auftrieb gegeben.

Rubio hat erklärt, dass er nicht gegen Vance um die Nominierung antreten würde, und es bleibt abzuwarten, ob seine Hinwendung zur MAGA-Politik ihm tatsächlich eine Mehrheit von Trumps Basis sichern könnte, falls er kandidieren sollte. Vorerst beschreiben seine wachsenden Unterstützer im inneren Kreis des Präsidenten Rubios späte Hinwendung zum Trumpismus als Vorteil. Trump schätzt den Eifer eines Konvertiten, und er bildet einen willkommenen Kontrast zu einigen republikanischen Eliten der alten Schule, die sich von der Partei distanzierten oder Washington mieden, statt sich mit dem Präsidenten zu arrangieren.

„JD Vance ist ein fantastischer Vizepräsident, und Marco Rubio ist ein großartiger Außenminister“, sagte Trumps Berater Alex Bruesewitz. „[Rubio] hätte nach der Kampagne 2016 zwei Wege einschlagen können. Er hätte den Weg von John Kasich gehen können und anfangen können, am Trump-Derangement-Syndrom zu leiden und in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden“, so Bruesewitz mit Blick auf den ehemaligen Gouverneur von Ohio, der 2016 gegen Trump kandidierte und 2020 Joe Biden unterstützte.

Rubio hingegen, so Bruesewitz, „entschied sich dafür, MAGA zu umarmen und zu einem der entschiedensten Verbündeten und Verfechter von MAGA zu werden.“

Ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses, der wie andere anonym bleiben wollte, beschrieb Rubio als „loyal, extrem klug, redegewandt und sehr erfahren“ und fügte hinzu, er sei „ein Gewinner“.

Trump hat noch keinen Nachfolger unterstützt, und seine Meinung könnte entscheidend sein.

Sollte Rubio gegen Vance oder andere antreten, müsste er den Übergang vom Kabinettsmitglied zum Kandidaten meistern – ein Schritt, an dem in den letzten Jahren viele populäre Persönlichkeiten beider Parteien gescheitert sind.

Umfragen zeigen klare Dynamik

Eine CPAC-Strohumfrage im letzten Monat zeigte jedoch einen starken Anstieg für Rubio auf 35 Prozent, gegenüber 3 Prozent im Vorjahr. Vance hingegen fiel von 61 Prozent im letzten Jahr auf weiterhin führende 53 Prozent. YouGov-Umfragen zeigen ein ähnliches Bild: Eine Umfrage im April setzte Vance mit 63 Prozent an die Spitze der potenziellen republikanischen Kandidaten, Rubio lag bei 42 Prozent – im Vergleich zu 65 Prozent für Vance und 33 Prozent für Rubio im September.

Rubio hat Vance zwar noch nicht von Trumps Favoritenliste verdrängt, doch laut zwei hochrangigen Mitarbeitern des Weißen Hauses und fünf weiteren Personen aus dem Umfeld der Regierung wird er intern bereits als ernsthafte Option für die Nachfolge Trumps diskutiert.

Dazu gehört eine wachsende Gruppe von Unterstützern auf höchster Ebene der Regierung, die zuvor zurückhaltend gewesen waren, über die Dynamik für 2028 zu sprechen, bevor die Zwischenwahlen und eine mögliche Unterstützung durch den Präsidenten näher rücken.

Viele beschreiben Rubio als erfahrenen politischen Akteur, dessen Doppelrolle als Außenminister und Leiter des Nationalen Sicherheitsrats ihn ins Zentrum wichtiger Entscheidungen stellt. Ein besonders großer Vorteil sei jedoch seine physische Nähe zu Trump.

„Durch diese Doppelrolle hatte er viel Zugang und persönliche Zeit mit dem Präsidenten – und mit MAGA. Das war enorm wichtig für ihn“, sagte Sean Spicer, Pressesprecher des Weißen Hauses während Trumps erster Amtszeit.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, wollte sich nicht direkt zu Rubios Chancen für 2028 äußern. Auf seine steigenden Umfragewerte angesprochen, sagte sie, er leiste „hervorragende Arbeit“ in seinen Doppelrollen als Nationaler Sicherheitsberater und Außenminister.

Außenpolitik stärkt Rubios Profil

Ein Teil von Rubios Aufstieg hängt auch mit seiner zentralen Rolle in der neuen, offensiveren Politik der Regierung gegenüber der westlichen Hemisphäre zusammen. Er war maßgeblich an Einsätzen gegen mutmaßliche Drogenschiffe sowie an Operationen in Venezuela und Kuba beteiligt, die im Gegensatz zum langwierigen Konflikt mit Iran stehen. Laut einem zweiten hochrangigen Mitarbeiter koordinierte Rubio auch die Nachbereitungsmaßnahmen und brachte verschiedene Behörden zusammen, um wirtschaftliche Entwicklungspläne für die Region zu erarbeiten.

Rubio hat sich zudem in der Einwanderungspolitik profiliert, indem er Aufenthaltsgenehmigungen von Personen mit Verbindungen zum Iran und palästinensischen Funktionären widerrief. Tausende Studentenvisa wurden entzogen und eine „Ein-Strich“-Politik eingeführt, die es erlaubt, Visa bei Gesetzesverstößen oder Unterstützung von Terrorismus sofort zu entziehen.

Ein weiterer Vorteil: Rubio vermeidet Skandale oder virale Fehltritte, die den Präsidenten in den Schatten stellen könnten. Außerdem wurde ihm nie vorgeworfen, in wichtigen Fragen nicht mit Trump auf einer Linie zu liegen.

Die zunehmende Unterstützung aus dem Weißen Haus und der MAGA-Basis bedeutet, dass Rubio im Falle einer Unterstützung durch Trump kein unbekannter Kandidat wäre. Allerdings hat Rubio erklärt, dass er nicht gegen Vance antreten würde – sodass dieser zurücktreten müsste, damit Rubio kandidieren kann, sofern er an dieser Aussage festhält.

„Trump kann seine Anhänger von allem überzeugen“, sagte ein republikanischer Stratege aus dem Mittleren Westen. „Es gibt keinen Grund, warum ein immer beliebterer Außenminister nicht an die Spitze gelangen könnte, wenn Trump ihn unterstützt.“

Auch konservative Stimmen, die der Regierung zuvor mangelnde „America First“-Orientierung vorgeworfen hatten, zeigen sich zunehmend offen für Rubio. Die Influencerin Laura Loomer schrieb im Januar auf X: „Wie könnte man Marco Rubio nicht unterstützen? Er wird eines Tages Präsident werden. Merkt euch meine Worte.“

Dennoch bestehen weiterhin Zweifel, insbesondere im stark populistischen Flügel der MAGA-Bewegung. Kritiker sehen in ihm nach wie vor einen zu interventionistischen Außenpolitiker und zweifeln an seiner Fähigkeit, Wähler zu mobilisieren.

„Entscheidungsträger und Spender glauben, dass er genug MAGA ist, um Wähler zu gewinnen“, sagte Steve Cortes, ein ehemaliger Trump-Berater. „Aber er ist im Kern eher ein klassischer Republikaner … Steuern senken, Militär stärken. Ich glaube nicht, dass das in einem populistischen Zeitalter begeistert.“

Andere widersprechen und sehen in Rubio einen bewährten Vertreter der Bewegung. Spicer bezeichnete ihn als „einen der effektivsten Kommunikatoren“ mit einer „großartigen Geschichte“.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Weißen Hauses warf anonymen Rubio-Unterstützern vor, durch solche Berichte unnötige Spannungen zu erzeugen.

Letztlich bleibt offen, ob Rubio selbst überhaupt eine Präsidentschaft anstrebt. „Die Leute mögen ihn, aber am Ende muss Marco entscheiden, ob er es wirklich will“, sagte eine ihm nahestehende Person.

Trump selbst wird seine Entscheidung wahrscheinlich erst nach den Zwischenwahlen im November treffen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der WELT-Partnerpublikation „Politico“. Übersetzt, gekürzt und redaktionell bearbeitet von Celine Babachan.

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