Die Spitzen von Union und SPD prüfen einem Medienbericht zufolge einschneidende Maßnahmen zur Reduzierung des hohen Krankenstands. Wie „Bild“ unter Berufung auf Koalitionskreise berichtete, speiste die Unionsseite in die Gespräche unter anderem die Idee ein, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu reduzieren. So könnte der bisherige Zeitrahmen von sechs Wochen, in denen der Arbeitgeber den Lohn für einen kranken Arbeitnehmer weiter bezahlt, gekürzt werden.

Außerdem gebe es die Überlegung, dass Arbeitgeber nur noch einmal im Jahr Lohnfortzahlung leisten müssen, berichtete „Bild“. Das hieße, wenn die Maximallänge erreicht ist, würde bei einem erneuten Krankheitsfall sofort die Krankenkasse mit dem niedrigeren Krankengeld einspringen müssen.

Zudem ist nach Angaben von „Bild“ die Wiedereinführung des Karenztages im Gespräch. Das würde die Unternehmen finanziell entlasten. In Regierungskreisen werde aber darauf hingewiesen, dass „am Ende nur gilt, was insgesamt geeint wurde“. Sicher sei, dass Deutschland „die höchste Zahl von Krankentagen in Europa hat“. Beide Koalitionspartner würden das gerne nach unten drücken, hieß es.

Das Ringen der Koalitionsspitzen um eine Entlastung der Bürger von den hohen Energiekosten und gemeinsame Reformvorhaben war am Wochenende zunächst ohne öffentlich bekannt gewordenes Ergebnis geblieben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), die SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas sowie CSU-Chef Markus Söder und andere Teilnehmende berieten ohne inhaltliche Stellungnahmen.

Krankenstand kostet deutsche Wirtschaft jedes Jahr 40 Milliarden Euro

Die Ausfälle von Beschäftigten wegen Krankheit kosten die deutsche Wirtschaft Milliarden. „Seit vier Jahren ist der Krankenstand auf einem weit überdurchschnittlichen Niveau mit erheblichen wirtschaftlichen Konsequenzen“, heißt es in einer Studie des Pharmaverbands VFA. Arbeitnehmer in Deutschland seien demnach häufiger krank als in anderen Ländern.

Im vergangenen Jahr habe der Krankenstand mit 5,7 Prozent rund zwei Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2019 gelegen, schreibt VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen. Selbst bei vorsichtiger Schätzung belaufe sich der Verlust in der Wertschöpfung durch den hohen Krankenstand auf ein Drittel Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – schlimmstenfalls wären es fast ein Prozent pro Jahr.

„In der Summe der vergangenen vier Jahre entspricht dies einem Ausfall von bis zu 160 Milliarden Euro“ – also 40 Milliarden Euro pro Jahr. Die finanziellen Lasten für die Krankenversicherungen seien dabei noch nicht berücksichtigt. „In Zeiten eines sinkenden Erwerbstätigenpotentials kann dauerhaft nicht auf umgerechnet 300.000 Erwerbstätige wegen Krankheit verzichtet werden.“

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