Das russische Militär hat die Ukraine am Karfreitag bei einem schweren Luftangriff mit Raketen und Drohnen überzogen. „Hunderte Shahed-Kampfdrohnen und Dutzende Raketen gegen unsere Städte und Gemeinden“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Netzwerken nach einem Telefonat mit Papst Leo XIV.
Selenskyj verurteilte die Angriffe auf X als „Zuspitzung zu Ostern“. Die russischen Streitkräfte hätten ihre Angriffe in einer Zeit intensiviert, in der eigentlich Ruhe am Himmel herrschen sollte. Selenskyj hatte Anfang der Woche eine Feuerpause für die Osterfeiertage vorgeschlagen. Allerdings feiern die Kirchen in der Ukraine wie in Russland Ostern nach orthodoxem Kalender erst kommende Woche am 12. April.
Bei den großangelegten russischen Tag-Angriffen sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Drohnen hätten Wohngebäude und zivile Infrastruktur in den zentralen Regionen Schytomyr und Kiew getroffen, teilten die dortigen Gouverneure über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Dabei sei jeweils ein Mensch getötet worden.
Russland ändert mit den Angriffen tagsüber offenbar seine Taktik. Seit Beginn des Krieges vor mehr als vier Jahren hatte die Armeeführung Drohnen und Raketen zumeist nachts abfeuern lassen. In den vergangenen Wochen startete sie mehrfach Hunderte von Drohnen und Raketen am Tag. Der Sprecher der Luftwaffe, Jurij Ihnat, sagte im Staatsfernsehen, der Feind nutze neue Routen, ständig modernisierte Drohnen und eine neue Taktik. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko warf Russland auf X vor, die Zahl der zivilen Opfer erhöhen zu wollen, Angst zu verbreiten und die ukrainische Infrastruktur zu beschädigen.
Die ukrainische Luftwaffe zerstörte nach eigenen Angaben seit Donnerstagabend 515 von 542 Drohnen sowie 26 von 37 Raketen. In der Region Kiew wurde neben Wohnhäusern und Verwaltungsgebäuden eine Tierklinik beschädigt, wobei 20 Tiere getötet wurden, wie Gouverneur Mykola Kalaschnyk mitteilte. Durch die Angriffe kam es nach Auskunft der örtlichen Stromversorger auch zu Stromausfällen in der Dreimillionenstadt Kiew und anderen Gebieten. Zuvor war wegen der Gefahr durch russische Raketen und Drohnen im ganzen Land Luftalarm ausgelöst worden.
Helfer kümmern sich um ein verletztes Tier nach einem russischen Luftangriff auf die Region KiewIn der Region Schytomyr wurden den Behörden zufolge 18 Gebäude zerstört und mehr als 100 beschädigt. Im nordöstlichen Gebiet Charkiw kamen nach Angaben des Gouverneurs Oleh Synjehubow in den vergangenen 24 Stunden zwei Menschen ums Leben, mehr als zwei Dutzend weitere wurden verletzt. Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, sprach von der vielleicht intensivsten Angriffsserie seit Beginn des Krieges.
Angaben der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte das russische Militär über Nacht und tagsüber mehr als 500 Drohnen und 37 Raketen unterschiedlichen Typs ein. Demnach wurde der Großteil der Flugkörper rechtzeitig abgefangen. Dennoch habe es an 20 Orten Einschläge gegeben. Als Vorsichtsmaßnahme ließ die polnische Armee zudem einer Mitteilung zufolge eigene Abfangjäger aufsteigen. Verletzungen des polnischen Luftraums habe es jedoch nicht gegeben.
Das ukrainische Militär hat derweil nach eigenen Angaben eine Ölraffinerie in der Stadt Ufa angegriffen. Dadurch sei in der Anlage ein Feuer ausgebrochen, teilte der ukrainische Generalstab über Telegram mit. Ufa liegt mehr als 1400 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen eine russische Invasion. Für Kiew ist die Lage an der Front nach den Worten Selenskyjs die beste in den vergangenen zehn Monaten. Die ukrainischen Truppen hätten im vergangenen Monat eine russische Offensive vereitelt, teilte sein Präsidialamt mit. Allerdings würden nun die russischen Streitkräfte ihre Angriffe verstärken. Er berief sich auf Daten der ukrainischen und britischen Geheimdienste. Zudem habe er US-Unterhändler nach Kiew eingeladen und „positive Signale“ erhalten, erklärte er weiter.
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