Die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang hat selbst Erfahrung mit digitaler sexualisierter Gewalt gemacht. „Ich weiß auch von mindestens einem Deepfake-Porno, in dem es so aussieht, als zeigten die Aufnahmen mich“, sagte sie dem „Spiegel“. Digitale Gewalt habe sie von Beginn ihrer politischen Karriere an begleitet. Ein Deepfake-Porno fühle sich „schlimmer an als jede Beleidigung. Dreidimensionaler, persönlicher. Obwohl ich weiß, dass es ein Fake ist, dass das nicht ich bin.“

Der Entschluss, sich zu exponieren, sei durch die Wucht der Debatte gekommen. „Es gab die innere Stimme, die sagte: ‚Lass es, du willst doch für deine Fachthemen wahrgenommen werden‘“, sagte sie. Aber sie fühle eine Verantwortung als Politikerin, aus so einem prominenten Fall eine politische Debatte zu machen. Ihr sei außerdem „aufgefallen, dass es viel Kraft kostet, das Thema zu verdrängen. Es kostet Kraft, ein politisches Klima zu erdulden, in dem nur die Karriere machen können, die Hornhaut auf der Seele haben.“

Lang hatte im Zuge der Vorwürfe, die die Schauspielerin Collien Fernandes gegen Christian Ulmen erhebt, zehn Forderungen zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt formuliert. Darunter ist die Strafbarkeit von sexualisierten Deepfakes und ein strikteres Vorgehen gegen Digitalplattformen, auf denen solche Bilder und Videos erstellt oder verbreitet werden. „Es geht hier um eine Grundsatzfrage: Wer ist mächtiger, unsere Demokratie oder US-amerikanische Tech-Oligarchen?“, sagte Lang.

Lang auf Instagram: „Paradies für Frauenhass und Sexualisierung“

Bereits am Donnerstag hatte Lang in einem Instagram-Reel darauf gepocht, die Betreiber sozialer Medien in die Verantwortung zu nehmen. „Wir müssen Regeln aufstellen. Wir müssen diese Regeln durchsetzen“, insistierte sie darin. „Es kann nicht sein, dass Elon Musk sich mit Frauenhass die Taschen vollmacht.“

Mithilfe von dessen Künstlicher Intelligenz Grok seien innerhalb von zwei Wochen drei Millionen sexualisierte Bilder erstellt worden. „Soziale Medien sind gerade ein ziemliches Paradies für Frauenhass und Sexualisierung von Frauenkörpern.“ Die EU-Kommission leitete wegen der mit Grok erstellten Bilder bereits ein Verfahren gegen X ein. Am Ende könnte Musks Firma mit einem hohen Bußgeld bestraft werden.

In einem weiteren Reel beklagte sich die Grünen-Politikerin über „Lügen, Fake News und Diffamierungen“ des Portals „Nius“, die im Besonderen auf Frauen abzielten.

In dem Beitrag verweist Lang als Beispiel auf den 2024 erschienenen Artikel „Gewaltdrohung aus der Parteizentrale: Grüne Polizei will sich um Reichelt ‚kümmern‘“. Gemeint ist „Nius“-Chefredakteur Julian Reichelt. Der Beitrag war mit Lang in ihrer damaligen Funktion als Grünen-Parteichefin bebildert.

Was Lang nicht sagt: Der kritisierte Artikel ist in der Form gar nicht mehr online, weil die Grünen eine einstweilige Verfügung durchsetzten. Das Portal darf nicht den Eindruck erwecken, der Verein „Polizei Grün“ – eine Vereinigung Grünen-naher Polizisten – sei im Auftrag der Grünen tätig.

„Ricarda Lang baut eigene grüne Polizei auf“, sagt Lang in dem Reel. „Das ist natürlich eine Lüge.“ „Oder besser gesagt: Einer von vielen verlogenen Artikeln, die bei ‚Nius‘ über mich veröffentlicht wurden.“ Dahinter stecke ein System.

„Es geht um Macht über Frauen“, kritisiert sie im Kurzvideo. „Es ist kein Zufall, dass immer mehr Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, ins Fadenkreuz geraten. Diese Frauen sollen mundtot gemacht werden. Und damit auch ein Signal an alle anderen gesendet werden: ‚Lehnt euch ja nicht zu weit aus dem Fenster.‘“

Frauen würden damit zum Feindbild erklärt, um ein Klima der Angst zu schaffen, das eine lebendige öffentliche Debatte verhindere. „Es ist Zeit, dass wir uns gegen diese Hassschleudern wehren. Unsere Geduld ist ihre Macht. Und meine Geduld ist auf jeden Fall zu Ende.“

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