US-Präsident Donald Trump soll bislang erst ein Viertel seines Plans für den Iran umgesetzt haben. Das sagte der frühere Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, im Gespräch mit der polnischen Zeitung „Fakt“, die wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört. „Wenn man die militärische Seite der Operation betrachtet, ist ihr Erfolg sehr beachtlich. Die Koordination und Planung zwischen den USA und Israel sowie die Art und Weise, wie die Angriffe durchgeführt wurden, waren äußerst professionell und hocheffektiv“, sagte Bolton.
Doch wie Trump wiederholt gesagt habe, „ist dieser Plan auf vier bis fünf Wochen an Angriffen angelegt. Wir sind nun gut eine Woche dabei – das entspricht etwa 20 bis 25 Prozent. Deshalb ist es meiner Ansicht nach noch zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen.“
Bolton war in Trumps erster Amtszeit Sicherheitsberater des Präsidenten. Im September 2019 war der erfahrene Diplomat nach rund anderthalb Jahren im Amt im Streit zurückgetreten. Der Republikaner, der als außenpolitischer Hardliner gilt, wurde in der Folge zu einem der schärfsten Kritiker des Präsidenten.
Das Gespräch mit Bolton fand vor Trumps Interview mit dem Sender CBS und einer Veranstaltung in Florida am Montagabend statt, auf der der US-Präsident sich erneut zur möglichen Dauer des Krieges gegen den Iran geäußert hatte. „Ich denke, der Krieg ist so gut wie beendet“, sagte Trump CBS. Und fügte später in einer Ansprache vor republikanischen Abgeordneten in Doral hinzu: „Es wird ziemlich schnell vorbei sein.“ Die USA hätten „einen kleinen Ausflug“ in den Nahen Osten unternommen, „um etwas Übles zu beseitigen. Und ich denke, Sie werden sehen, dass es ein kurzfristiger Ausflug wird“, so Trump.
In den vergangenen Tagen hatten sich Aussagen des US-Präsidenten und des Verteidigungsministeriums zum Status des Kriegs widersprochen. Während Trump sagte, dieser sei fast abgeschlossen, erklärte das Pentagon: „Wir haben gerade erst angefangen zu kämpfen.“
John Bolton sagte im Interview mit „Fakt“, der US-Präsident wolle den Krieg so schnell wie möglich abschließen. „Genau darin liegt jedoch auch ein Risiko und eine Versuchung für ihn, im Iran einen Sieg auszurufen, bevor er tatsächlich erreicht ist. Ich bin sicher, dass Trump derzeit auf die Benzinpreise blickt und sich fragt, ob ihm die möglichen Folgen in diesem Punkt bewusst waren.“
Nach Trumps Aussagen bei CBS und in Florida war der Ölpreis wieder unter die Marke von 100 Dollar gefallen, die Sorte Brent kostete am Abend etwa 90 Dollar. Am Montagmorgen war der Ölpreis noch auf fast 120 Dollar geklettert, weil der Iran die Straße von Hormus und damit den Ölexport aus den Golfstaaten blockiert.
Ziel des Regimewechsels
Bolton betonte, der Krieg gegen den Iran sei eine politisch-militärische Operation. Präsident Trump habe erklärt, Ziel sei ein Regimewechsel im Iran. „Das ist eindeutig auch das Ziel Israels, während die Botschaft des Weißen Hauses in dieser Frage eher unklar blieb. Politisch hat der Präsident meiner Meinung nach nicht das Notwendige getan, um den Erfolg abzusichern und zu verhindern, dass militärische Erfolge verspielt werden“, so Bolton.
Der frühere Sicherheitsberater nannte im Interview mit „Fakt“ mehrere Fehler. Erstens habe Trump die amerikanische Öffentlichkeit nicht entsprechend vorbereitet. „Ein Regimewechsel in Iran würde helfen, das iranische Atomprogramm und die internationale terroristische Bedrohung, die von Iran ausgeht, zu beseitigen. Hätte man die amerikanische Öffentlichkeit frühzeitig darauf eingestimmt, stünde Trump heute deutlich sicherer da“, so Bolton.
Zweitens habe der Präsident auch den Kongress nicht vorbereitet. „Im Repräsentantenhaus und im Senat gibt es Resolutionen der Demokraten, die darauf abzielen, ihn zu stoppen. Und all das geschah bereits in der ersten Kriegswoche“, so der frühere Berater. „Drittens hat er ganz offensichtlich auch unsere Verbündeten weltweit nicht vorbereitet. Das zeigt sich im Verhältnis zwischen Großbritannien und den USA, Spanien und anderen Ländern.“
Besonders besorgt zeigt sich John Bolton darüber, dass Trump nicht wirksam mit der iranischen Opposition zusammenarbeite. „Sie wird einen Großteil der Last eines Regimewechsels tragen müssen – etwa indem Generäle der regulären Armee, nicht der Revolutionsgarden, identifiziert werden, die bereit sind, die Seiten zu wechseln. Das ist eine Aufgabe, die längst hätte erledigt werden müssen“, so Bolton. „Vielleicht geschieht es im Verborgenen. Wenn dem so ist, umso besser. Ich fürchte jedoch, dass das schlicht nicht passiert – und das könnte schon in relativ kurzer Zeit sehr negative Folgen haben.“
Der frühere Diplomat erklärte, Washingtons vorrangiges Ziel müsse sein, angereichertes Uran für die Herstellung von Atomwaffen, das sich im Iran befinde, zu beseitigen. Falls nötig, könne dies auch den Einsatz von Bodentruppen erfordern – eine in den USA besonders umstrittene Frage. „Unsere Leute sind vor Ort und bereit, dessen bin ich sicher. Auch die israelischen Kräfte“, sagte er. Die eigentliche Frage sei nun, „ob der Zeitpunkt kommt, an dem wir Bodentruppen entsenden sollten, um die Kontrolle über iranische Atomanlagen an Schlüsselstandorten wie Natans, Isfahan und Fordo zu übernehmen“.
Warnung vor russisch-amerikanischem Deal
Russland und China, die als Verbündete des Regimes in Teheran gelten, halten sich mit offener Unterstützung für den Iran bislang zurück. Amerikanische Medienberichte legen jedoch nahe, dass Moskau den iranischen Truppen Geheimdienstinformationen über amerikanische Standorte zur Verfügung stellt und dass China dringend benötigte Güter wie Raketentreibstoff liefert.
Präsident Trump hatte auf Nachfrage in der Sache abgewiegelt. Ob das Thema bei seinem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin am Montagabend zur Sprache kam, ist unklar. „Ich weiß nicht, wie hilfreich die russischen Geheimdienstinformationen für Iran tatsächlich sind, da wir versuchen, dessen Vergeltungsfähigkeit zu zerstören“, sagte Bolton im Interview mit „Fakt“. „Aber ich bin besorgt, dass Putin zu Trump sagen könnte: ‚Hör zu, Donald, wir sollten uns nicht in einen indirekten Konflikt hineinziehen lassen. Lass uns einen Deal machen. Ich stelle die militärische Aufklärung für Iran ein, wenn du sie für die Ukraine einstellst‘.“
Mit Blick auf China erinnert Bolton daran, dass das Land der wichtigste Abnehmer von Öl aus dem Persischen Golf sei. Ein Lieferstopp würde zweifellos auch amerikanischen Verbündeten in Asien wie Japan, Südkorea und Taiwan schaden. China träfe es jedoch am härtesten, so Bolton.
Man dürfe nicht vergessen, dass Trump Ende dieses Monats nach Peking aufbrechen wolle. „Ich denke, dass die Chinesen als Erste die Folgen spüren würden – nicht nur wegen hoher Ölpreise, sondern auch wegen des Ausfalls eines sehr bedeutenden Teils ihrer Lieferungen“, erklärte der Republikaner.
Dieser Text erschien zuerst in der polnischen Zeitung „Fakt“. Übersetzt, gekürzt und redaktionell bearbeitet von Caroline Turzer.
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