Kannte sie ihn bisher wirklich nicht oder war es Taktik? AfD-Chefin Alice Weidel hat am Sonntagabend in einer ARD-Sendung zur Landtagswahl in Baden-Württemberg SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf persönlich angegangen. „Sie haben ja gerade mal fünf Prozent eingefahren, Sie sind, glaube ich, von der SPD, ich habe Sie irgendwie noch nie gesehen. Aber ich glaube, Sie sind von der SPD, nicht wahr?“, sagte Weidel.
Die Sätze fielen im Rahmen einer Diskussion über die Wirtschafts- und Finanzpolitik in Deutschland. Anders als Klüssendorf, Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann war Weidel nicht im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin zu Gast, sondern wurde zugeschaltet.
Weidel warf der Bundesregierung aus Union und SPD angesichts der Aufnahme von Schulden außerhalb des Kernhaushaltes im sogenannten Sondervermögen eine „unseriöse Haushalts- und Wirtschaftspolitik“ und „fehlenden Sachverstand“ vor. „Das ist ja das Problem“, sagte Weidel und wurde von Klüssendorf unterbrochen.
„Das können Sie ja nicht ernst meinen“, sagte der SPD-Politiker. „Wenn man ihr Steuer- und Finanzkonzept sich ansieht, dann sieht man, dass sie vor allen Dingen Steuern abschaffen wollen. Das sind unfassbare zusätzliche Mindereinnahmen, die sie dort verkünden und gleichzeitig wollen sie keine zusätzlichen Schulden aufnehmen.“ Die AfD habe keinen konkreten Vorschlag für einen ausgeglichenen Haushalt gemacht, sagte Klüssendorf.
Im Hintergrund widersprach Weidel und beschwerte sich über die Unterbrechung. „Ich habe ihnen die ganze Zeit zuhören müssen“, sagte Weidel. „Es wäre schön, wenn ich hier auch ausreden dürfte.“ Dann fielen die entscheidenden Sätze zum Fünf-Prozent-Ergebnis der SPD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg und zu Klüssendorf, der seit Juni 2025 SPD-Generalsekretär ist und zuletzt Schlagzeilen machte, weil er in einer Talkshow nicht wusste, wie viel in Deutschland für Soziales ausgegeben wird. Es wäre überraschend, sollte Weidel diese Szenen nicht gesehen haben.
Der Bundestagsabgeordnete aus Lübeck reagiert auf Weidels Ausführungen mit einem Lächeln. „Sie sind gerade mal mit fünf Prozent im Landtag – also von der SPD sind sie, ja?“, hakte Weidel nach und fuhr fort. „Ich muss ihnen ganz ehrlich sagen, selbst ihr Vizekanzler hat noch nie irgendwas mit Finanzpolitik und Wirtschaftspolitik zu tun gehabt“, sagt Weidel mit Blick auf SPD-Chef Lars Klingbeil. Das sei der Grund für das schlechte Wahlergebnis der Sozialdemokraten.
Die Partei werde die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz verlieren und bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland aus den Parlamenten ausscheiden, behauptete Weidel. Und hielt Klüssendorf eine Standpauke. „Sie, wie Sie da stehen, permanent ins Wort zu fallen, nicht zuzuhören, nicht ihre Hausaufgaben zu machen, auch überhaupt nicht ausgebildet zu sein für den Job, für den Sie ja eigentlich in dem Fall ja fast schon nicht mehr gewählt wurden, das ist unverantwortlich gegenüber dem Wähler“, sagte Weidel.
Banaszak entlockt Weidel ein „fair enough“
Dann führte sie aus, dass die AfD die Wirtschaft durch niedrigere Energiepreise unterstützen möchte. „Wir müssen unser Gas wieder aus Russland beziehen“, fordert Weidel. Grünen-Politiker Banaszak unterdrückte ein Lachen, widersprach dann offen, was aber in der Sendung nur teilweise zu verstehen war. Er warf Weidel vor, mit einer derartigen Entscheidung die Kriegskasse des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu füllen. „Wer AfD wählt, wählt diesen Krieg“, sagte Banaszak.
Im weiteren Verlauf der Debatte richtete Weidel den Blick dann auf die Landtagswahl in Baden-Württemberg, die die Grünen nur gewonnen hätten, weil es eine reine Personenwahl gewesen sei. „Cem Özdemir hat noch nicht mal die Grünen irgendwie auf den Wahlplakaten gehabt“, sagte Weidel.
Banaszak fiel ihr erneut ins Wort. Özdemir sei „immerhin für den Landtag angetreten im Gegensatz zu Ihrem Spitzenkandidaten“, Markus Frohnmaier. Weidel antwortete: „Fair enough“.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke