Die EU-Kommission hält aufgrund des Iran-Kriegs eine Migrationsbewegung erheblichen Ausmaßes für möglich. Das geht aus vertraulichen diplomatischen Korrespondenzen hervor, über die der „Spiegel“ und das ARD-Magazin „Report Mainz“ berichten.
Noch verfüge man zwar über keine konkreten Zahlen, heißt es laut den Berichten in einem Protokoll einer Sitzung europäischer Diplomaten und Offizieller in Brüssel am Mittwoch. Schon jetzt seien aber „Bewegungen zu den ländlichen Bereichen und zur Küste“ zu beobachten. „Falls die Krise anhalte, könnte eine humanitäre Krise in Iran und den Nachbarländern drohen, Migrationsbewegungen wie 2015.“
Vor allem die Türkei als Hauptzielland für Flüchtlinge aus Iran sei „beunruhigt“, heißt es weiter. Mit Sorge beobachtet die EU-Kommission insbesondere die Situation von rund 2,5 Millionen Afghanen in Iran. Sollte das Land anhaltend destabilisiert werden, könnten sie in Nachbarländer fliehen, heißt es in der Korrespondenz.
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Vor welchen Dimensionen Europa stehen würde, zeigt ein Bericht der EU-Asylagentur EUAA, der noch vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs unter dem Eindruck der Proteste gegen das Mullah-Regime verfasst wurde. „Ein potenzieller Krisenherd ist der Iran, der kürzlich zum zweitgrößten Flüchtlingsaufnahmeland der Welt wurde und zu Beginn des Jahres 2026 von landesweiten Unruhen aufgrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und der politischen Unterdrückung erschüttert wurde“, heißt es in dem Bericht.
„Bei einer Bevölkerung von rund 90 Millionen Menschen könnte selbst eine teilweise Destabilisierung Flüchtlingsbewegungen von beispiellosem Ausmaß auslösen“, heißt weiter. „Die Vertreibung von nur 10 Prozent der iranischen Bevölkerung würde mit den größten Flüchtlingsströmen der letzten Jahrzehnte vergleichbar sein.“
Die Autoren merken auch an, dass dieses Szenario höchst spekulativ ist und an die Haltung der Türkei als Transitland geknüpft sei. Dennoch beobachtet die Agentur die Lage mit Sorge. Angemerkt wird auch, dass die Zahl der bisher geflohenen Iraner begrenzt ist, im Jahr 2025 ersuchten rund 8000 Iraner in Europa Asyl (Platz 31).
Türkei bereitet Einrichtung einer Zeltstadt für 90.000 Flüchtlinge vor
Der türkische Innenminister Mustafa Ciftci erklärte am Mittwoch, es gebe keine ungewöhnlichen Bewegungen an den drei türkisch-iranischen Grenzübergängen. Dennoch bereite die Regierung die Einrichtung einer Pufferzone und einer Zeltstadt für bis zu 90.000 Flüchtlinge vor.
EU-Innenkommissar Magnus Brunner sagte am Donnerstag am Rande eines Treffens der EU-Innenminister am Donnerstag in Brüssel, es gebe keine Bewegungen von Iranern ins Ausland. Zwar gebe es Bewegungen innerhalb des Iran, aber derzeit „sehen wir keine Bewegung in Richtung Europa oder in Richtung anderer Länder in der Region.“
Auch an einer zweiten Kriegsfront im Libanon, wo Israel gegen die vom Iran unterstützte Terrororganisation Hisbollah vorgeht, nehmen Migrationsbewegungen zu. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR flohen inzwischen mindestens 38.000 Menschen aus dem Libanon nach Syrien.
„Im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus zeichnet sich nach den anhaltenden Konflikten in der Region ein beunruhigendes Bild der Vertreibung ab“, sagte UNHCR-Sprecher Babar Baloch am Donnerstag. Bei den Flüchtlingen aus dem Libanon handelte es sich den Angaben zufolge vor allem um syrische Staatsbürger.
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