WELT simuliert den Ernstfall. An der Universität der Bundeswehr in Hamburg treten Anfang Dezember zwei Teams in einem sogenannten Wargame gegeneinander an: die Bundesregierung (Blue Team) mit ihren Verbündeten aus EU und Nato gegen den Kreml (Red Team), der in einem fiktiven Szenario die Invasion des kleinen baltischen Mitgliedslandes Litauen plant. Das Ziel unserer Simulation: Deutschlands Schwächen erkennen, damit sie behoben werden können, und die strategische Denke Moskaus besser verstehen.

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Die wichtigsten Rollen in beiden Teams werden gespielt von ehemaligen Entscheidern und Militärs, von Politikern und Experten. Nur ein Team wird am Ende seine strategischen Ziele durchsetzen können.

Das Blue Team – Die Bundesregierung

Kanzler: Peter Tauber (CDU)

Der ehemalige CDU-Generalsekretär und frühere Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium spielt die wichtigste Rolle im Blue Team: Als Kanzler hält er die Fäden zusammen, ist Ansprechpartner für die Verbündeten – und muss Signale der Ruhe und Sicherheit an die Bevölkerung senden.

Tauber hatte sich 2021 aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückgezogen und gründete ein Jahr später eine Beratungsagentur für Strategie und Kommunikation. Innerhalb der Bundeswehr führt er den Dienstgrad Oberstleutnant der Reserve.

Verteidigungsminister: Roderich Kiesewetter (CDU)

Der CDU-Politiker sitzt seit 2009 im Deutschen Bundestag und ist Oberst außer Dienst der Bundeswehr. Im Bundestag ist er u.a. Obmann seiner Fraktion für Außenpolitik im Auswärtigen Ausschuss und kümmert sich vor allem um Fragen zu Krisenprävention, Bundeswehr und Nachrichtendiensten.

Der Außenpolitikexperte ist im Wargame als Verteidigungsminister besonders gefragt. Zusammen mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr muss er die Einsatzbereitschaft und Wehrhaftigkeit der deutschen Brigade in Litauen sicherstellen.

Finanzminister: Jörg Asmussen (früher SPD)

Der Ökonom ist Hauptgeschäftsführer und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Zuvor war er unter anderem Staatssekretär im Finanzministerium und im Ministerium für Arbeit und Soziales sowie Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank.

Als Finanzminister ist der frühere SPD-Politiker im Wargame mit einem Cyberangriff auf die Infrastruktur der Sparkassen konfrontiert, der die Menschen in Deutschland um ihr Erspartes bangen lässt.

Außenminister: Michael Roth (SPD)

Von 2013 bis 2021 war Michael Roth Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. 27 Jahre lang saß der Außenpolitikexperte für die SPD im Bundestag, war dort auch mehrere Jahre lang Vorsitzender des wichtigen Auswärtigen Ausschusses – genau zu der Zeit, in der Russland die gesamte Ukraine überfiel.

Seine außenpolitische Expertise muss er im Wargame nutzen, um den Kanzler vor allem zu den Bedürfnissen und Sorgen der Verbündeten zu beraten.

Innenministerin: Irene Mihalic (Grüne)

Die Polizeibeamtin ist erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Sie sitzt seit 2013 für ihre Partei im Bundestag, ist derzeit stellvertretendes Mitglied des Innenausschusses.

Als Innenministerin hält sie im Wargame engen Kontakt zum Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und weist auf die verfassungsmäßigen Grenzen hin, die das föderale System der Bundesrepublik beinhaltet.

Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz: Christoph Unger

Von 2004 bis 2020 war der Jurist Christoph Unger Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Im Wargame übernimmt er seine alte Rolle – und ist sofort mit einer unübersichtlichen Bedrohungslage konfrontiert.

Das Amt bündelt als Fachbehörde des Bundesinnenministeriums alle Aufgaben des Zivilschutzes. Es ist unter anderem für die Warnung vor und Vorbereitung der Bevölkerung auf Krisen, Konflikte und Katastrophen zuständig.

Generalinspekteur der Bundeswehr: Eberhard Zorn

Der General a.D. war zwischen 2018 und 2023 Generalinspekteur der Bundeswehr und damit ihr ranghöchster Soldat. Genau zu der Zeit, in der Russland die gesamte Ukraine überfiel und der damalige Kanzler Olaf Scholz Deutschland eine Zeitenwende verordnete.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr berät die Bundesregierung in allen militärischen Fragen. Im Wargame knüpft Zorn an seine alten Aufgaben an und muss Kanzler und Verteidigungsminister auf den Ernstfall vorbereiten.

Geheimdienstchef: Gerhard Conrad

Der Direktor a.D. des Bundesnachrichtendienstes spielt im Wargame den Leiter Strategische Aufklärung (Schnittstelle Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr, Bundesnachrichtendienst, Bundesamt für Verfassungsschutz).

Der Jurist und Islamwissenschaftler war zwischen 1990 und 2019 Agent des BND und hatte mehrere hochrangige Positionen inne, führte unter anderem den BND-Leitungsstab. Im Wargame muss er sicherstellen, dass die Bundesregierung weiß, was Russland tut, am besten, bevor der Ernstfall eintritt.

Regierungssprecherin: Christiane Hoffmann

Die Journalistin („Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Spiegel“) war zwischen Januar 2022 und Mai 2025 Erste Stellvertretende Sprecherin der Ampel-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Im Wargame informiert sie das Kabinett über die aktuelle Berichterstattung der deutschen Medien über den drohenden Ernstfall und empfiehlt dem Kanzler, sich in einer Fernsehansprache an die Bevölkerung zu wenden – was dieser dann auch tut.

Das Red Team – Der Kreml

Russischer Präsident: Alexander Gabuev

Der russische Politikexperte ist Direktor des Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin. Dort leitet er ein Team von Analysten, die früher Mitarbeiter des Carnegie Moscow Center waren, bis dieses 2022 vom Kreml geschlossen wurde.

Der einstige Reporter der russischen Wirtschaftszeitung „Kommersant“ gilt als einer der besten Kenner des Systems Putin, berichtete aus dem Inneren des Kreml. Im Wargame schlüpft er für einen Tag die Rolle des Mannes, den er jahrelang beobachtet hat: Wladimir Putin.

Russischer Militärchef: Franz-Stefan Gady

Der Militäranalyst, Sicherheitsexperte und Politikberater ist im Wargame der Kopf hinter den russischen Angriffsplänen. In seinem neuesten Buch „Die Rückkehr des Krieges“ erklärt er, wie wir uns auf Konflikte vorbereiten können, um sie so verhindern zu können.

Gady, Senior Fellow am Institute for International Studies in London und Adjunct Senior Fellow am Center for New American Security in Washington, berät Regierungen, Streitkräfte und Unternehmen und reist regelmäßig für Recherchen in die Ukraine. Zudem ist er Reserveoffizier des österreichischen Bundesheeres.

Russischer Außenminister: Arndt Freytag von Loringhoven

Der ehemalige Spitzendiplomat war unter anderem Botschafter in Tschechien und Polen. Von 2007 bis 2010 war er Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes und von 2016 bis 2019 beigeordneter Generalsekretär der Nato für Nachrichtendienstliche Zusammenarbeit und Sicherheit. In diesen Funktionen studierte Freytag von Loringhoven die Strategie Russlands ausführlich.

Im vergangenen Jahr erschien sein Buch „Putins Angriff auf Deutschland“. Im Wargame nutzt er seine langjährigen Erfahrungen in der Rolle als russischer Außenminister, um Deutschland vor Augen zu führen, wie Moskau tickt.

Internationale Rollen (digital zugeschaltet)

Nato-Generalsekretärin: Oana Lungescu

Als Chefsprecherin zwischen 2010 und 2023 galt sie als die einflussreichste Frau in der Nato und beriet in dieser Zeit zwei Generalsekretäre. Zuvor war sie Journalistin und arbeitete für die britische BBC.

Geboren wurde Lungescu in Rumänien – hinter dem Eisernen Vorhang –, wo sie sich weigerte, für die kommunistische Geheimpolizei Securitate zu arbeiten. Im Wargame versucht sie, die Nato gegen alle Widerstände zusammenzuhalten.

US-Außenminister: Jeff Rathke

Der Präsident des American-German Institute in Washington war früher US-Diplomat und Nato-Beamter, unter anderem stellvertretender Leiter des privaten Büros von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.

Als US-Außenminister hält er im Wargame Kontakt zu den Nato-Verbündeten und betont auf dem Papier die Unterstützung der Vereinigten Staaten – während sein Präsident ganz andere Signale sendet. Und dann bekommt er auch noch einen Anruf aus dem Kreml.

EU-Kommissionspräsident: David McAllister

Der CDU-Politiker sitzt seit 2014 im Europäischen Parlament in Brüssel und ist dort Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Zuvor war er Ministerpräsident von Niedersachsen. Berichten zufolge schlug er nach der Bundestagswahl 2025 ein Angebot aus Berlin aus, Außenminister zu werden.

McAllister besitzt die deutsche und britische Staatsbürgerschaft. Im Wargame beschäftigt er sich als Kommissionspräsident vor allem mit der Frage, wie die EU auf die neuerliche russische Aggression reagiert.

Polnischer Ministerpräsident: Bartlomiej Kot

Der polnische Thinktankler und Sicherheitsexperte ist derzeit Direktor des Warschauer Büros des Aspen Institute für Zentraleuropa, zuvor war er Programmdirektor des Warschauer Sicherheitsforums.

Im Wargame vertritt er als Ministerpräsident Polens Positionierung auf die neue Lage in Europa – und damit auf eine Eskalation ganz in der Nähe seines Landes, das als Frontstaat der Nato gilt.

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Und für alle, die noch tiefer einsteigen wollen, gibt es ab dem 7. Februar den Ernstfall-Pass mit einem exklusiven Blick hinter die Kulissen des Wargames. In acht Teilen bündelt er Interviews mit Protagonisten und Analysen sowie eine ausführliche Recherche, die die wichtigsten Hintergründe und strategischen Erkenntnisse aus den fünf Podcast-Folgen zusammenfasst und erklärt. Außerdem werden Franz-Stefan Gady (im Wargame der russische Militärchef) und Roderich Kiesewetter (im Wargame der deutsche Verteidigungsminister) am 11. Februar Fragen der Pass-Abonnenten in einem Videogespräch beantworten. Ihre Fragen an die beiden Experten können Sie hier stellen.

Carolina Drüten ist International Security Correspondent. Sie berichtet über sicherheitspolitische Themen in Europa und darüber hinaus. Zuvor war sie für WELT mehrere Jahre Korrespondentin mit Sitz in Athen und Istanbul.

Caroline Turzer leitet seit 2020 das Ressort Außenpolitik von WELT. Sie berichtet vorwiegend über Bildungspolitik, Geopolitik und internationale Zusammenarbeit sowie über die Zukunft der EU.

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