Weil er über Jahre Bewegungsdaten an den derzeit untergetauchten Ex-Wirecard-Manager Marsalek geliefert haben soll, muss sich in Wien ein Geheimdienstler vor Gericht verantworten. Der Mann soll gegen Geld auch Informationen an Russland weitergereicht haben.

In einer der größten Spionageaffären der jüngeren österreichischen Geschichte hat die Staatsanwaltschaft Wien Anklage gegen den früheren hochrangigen Verfassungsschützer Egisto Ott erhoben. Dem ehemaligen Chefinspektor werden unter anderem geheimer Nachrichtendienst zum Nachteil Österreichs, Missbrauch der Amtsgewalt und Bestechlichkeit vorgeworfen, wie die Behörde mitteilte.

Ott soll ohne dienstlichen Auftrag Daten wie Aufenthaltsorte, Autokennzeichen und Reisebewegungen aus Polizeidatenbanken abgefragt haben. Diese Informationen soll er im Zeitraum von 2017 bis 2021 an den flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek sowie russische Nachrichtendienste weitergegeben und dafür finanzielle Gegenleistungen angenommen haben.

Wie der "Standard" berichtete, war Ott auch in die Ermittlungen zum sogenannten Ibiza-Video eingebunden und soll geheime Informationen weitergeleitet haben. Otts Anwalt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Marsalek ist eine der Schlüsselfiguren im Skandal um den 2020 kollabierten Zahlungsdienstleister Wirecard und wird ebenfalls der Spionage für Russland verdächtigt.

Zudem soll Ott im Auftrag Marsaleks einen speziellen Laptop mit sensibler Sicherheits-Software für 20.000 Euro an Mittelsmänner übergeben haben. Dieser sei später bei einem russischen Geheimdienst gelandet. Laut "Standard" kommt die Software vor allem bei deutschen Sicherheitsbehörden zum Einsatz. Ein weiterer Polizeibeamter wurde wegen Beihilfe ebenfalls angeklagt.

Den beiden Angeklagten droht eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Wegen der schwerwiegenden Vorwürfe werde die Hauptverhandlung vor einem Geschworenengericht am Wiener Landesgericht für Strafsachen stattfinden. Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Ermittlungen in der äußerst umfangreichen Causa "OTT" würden in weiteren Strängen fortgesetzt.

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