- Die Stadtwerke in Leipzig beziehen für ihr Fernwärmenetz ungenutzte Abwärme von Total aus Leuna.
- Angesichts des Netzausbaus besteht Sorge über die Kosten für die Verbraucher. Diese machen sich vor allem bei fossilen Fernwärme-Quellen bemerkbar.
- Trotz teilweise höherer Preise ist die Fernwärme aus Sicht der Kommunen generell ein faires Angebot.
Seit Monaten arbeiten sich Bagger durch die Straßen im Leipziger Süden. Die Stadtwerke verlegen hier Rohre – denn künftig soll etwa die Hälfte Leipzigs mit Fernwärme versorgt werden.
Leipzig bezieht Abwärme von Total aus Leuna
Hartwig Kalhöfer von den Stadtwerken sagt, einen Teil der Wärme habe man sich schon gesichert: bei der Total-Raffinerie im rund 30 Kilometer entfernten Chemiepark Leuna: "Wir haben jetzt mit Total einen Vertrag über 20 Jahre geschlossen, wo die uns zusichern, uns klimaneutrale Fernwärme zur Verfügung zu stellen. Das heißt, wir haben da die Chance das ganze Jahr über Abwärme zu bekommen."
Und zwar Abwärme, die bisher ungenutzt blieb. Nicht nur Leipzig baut sein Fernwärmenetz aus. Auch Dresden und Chemnitz wollen viel mehr Haushalte anschließen. Fachleute erwarten, dass in zwanzig Jahren vierzig Prozent aller Haushalte mit Fernwärme versorgt werden können – mehr als doppelt so viele wie heute.
Fernwärme aus fossilen Quellen von Teuerung betroffen
Doch wird das für die betroffenen Mieter nicht teurer? Die Antwort hängt davon ab, woher die Wärme kommt, sagt Lorenz Bücklein von der Verbraucherzentrale Sachsen: "Die Quelle ist immer ganz entscheidend. Was wir beobachten konnten – auch im Zuge der letzten Energiekrise – ist, dass die fossile Energie teurer geworden ist."
Fossile Energie sei oftmals nach wie vor Grundlage für die Fernwärme, erklärt Bücklein. Wenn beispielsweise der Gaspreis steige, sei der Effekt in den Fernwärmenetzen nachgelagert über die Jahre durchaus zu merken.
Abwärme aus der Industrie dürfte günstiger sein als Wärme aus einem Gaskraftwerk. Die Verbraucherzentrale fordert: Die Versorger müssen transparent machen, wie die Preise entstehen: "Transparenz ist ganz entscheidend, weil wir über Monopolstrukturen sprechen."
Transparenz ist ganz entscheidend, weil wir über Monopolstrukturen sprechen.
Stadtwerke: Preisdeckel bremst Ausbau der Netze
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat sogar einen Preisdeckel ins Gespräch gebracht – zum Schutz der Mieter. Die Stadtwerke lehnen das aber ab, sagt Florian Gräßler vom Verband kommunaler Unternehmen in Sachsen: "Finger weg davon! Die Fernwärmepreise sind auch jetzt bereits kein Wünsch-Dir-Was, sondern sie sind bereits jetzt streng gesetzlich normiert und werden ja auch von den Kartellbehörden kontrolliert. Und wer zu solchen Mitteln greift, der würgt im Zweifel auch den Fernwärmeausbau ab."
Wer zu Preisdeckeln greift, der würgt im Zweifel auch den Fernwärmeausbau ab.
Fernwärme unterm Strich günstiges Angebot
Gräßler findet die Kritik an den Fernwärmepreisen überzogen. Rechne man alles zusammen, sei sie gar nicht so teuer: "Wer mit Wärmepumpe oder Gastherme heizt, der muss die Geräte samt Einbau, Wartung, Schornsteinfeger et cetera bezahlen. Bei der Wärmepumpe kommen häufig noch Renovierungs- oder Dämmungsarbeiten am Haus hinzu. Und im Gegensatz dazu kommt die Fernwärme einfach aus der Leitung. Es braucht auch nicht zwingend eine vorherige Sanierung des Hauses."
Allerdings: Die Sanierung würde der Vermieter zahlen. Der Aufpreis für die Fernwärme bleibt vor allem beim Mieter hängen. Trotzdem ist Hartwig Kalhöfer von den Stadtwerken Leipzig überzeugt, im Mehrfamilienhaus sei Fernwärme ein faires Angebot: "Was wir aber in unseren Prognosen auch für einen Fernwärmepreis immer angesetzt haben, dass der Fernwärmepreis niemals teurer wird als eine vergleichbare Wärmepumpenlösung. Und da zielen wir drauf ab."
Neue Quellen ermöglichen beinahe kostenlose Wärme
Die Stadtwerke setzen künftig auch auf neue Wärmequellen: Solarwärme, Geothermie aus bis zu 6.000 Metern Tiefe oder Abwärme aus dem Klärwerk. Der Bau solcher Großanlagen ist teuer. Sind sie aber erst einmal in Betrieb, kostet die Wärme selbst fast nichts.
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