• Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter befürchtet, dass Mitteldeutschland anders als eigentlich zugesagt leer ausgeht.
  • Fachleute bewerten den Südbonus überwiegend positiv, kritisieren aber mögliche doppelte Subventionierungen.
  • Der CDU-Abgeordnete Lars Rohwer geht davon aus, dass neue Gaskraftwerke auch im Osten Deutschlands gebaut werden.

Neue Gaskraftwerke sollen als Brücke ins Zeitalter der erneuerbaren Energien dienen, weil sie flexibel an- und wieder abschaltbar sind – und damit das Netz stabilisieren. Soweit der Konsens. Der Streit entzündet sich an der Frage: Wo im Land werden sie gebaut?

In den Entwurf des Gesetzes, das genau das regeln soll, hat man im Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche den so genannten Südbonus geschrieben: Demnach sollen zwei Drittel der neuen Gaskraftwerke im netztechnischen Süden entstehen – also in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland, Baden-Württemberg und Bayern. Dort wird besonders viel Strom gebraucht, so die Argumentation. Zudem muss ersetzt werden, was durch Ausstieg aus Atomkraft – und bald auch Kohle – wegfällt.

Dirk Panter befürchtet Benachteiligung Mitteldeutschlands

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) stellt die Verteilung auch gar nicht grundsätzlich infrage: "Dass zwei Drittel der Kapazität in den netztechnischen Süden gehen, ist in Ordnung, weil dort die Kapazität auch gebraucht wird. Unser Problem ist, dass das andere Drittel unter allen in der gesamten Bundesrepublik ausgeschrieben werden soll. Und das geht nicht."

Panter fürchtet, dass auch das verbleibende Drittel im Süden landet, obwohl Wirtschaftsministerin Reiche 2025 zugesagt hatte, dass Gaskraftwerke auch in der Lausitz gebaut würden. "Grundsätzlich höre ich das eine, was sie öffentlich sagt. Ich sehe aber auch, was im Gesetz steht. Und wichtig ist, was im Gesetz steht."

Fachleute sehen Südbonus überwiegend positiv

Dabei ist die Idee grundsätzlich richtig, mehr Kraftwerke in den Süden zu setzen, sagen die meisten Experten: "Aus energiewirtschaftlicher Sicht ist es tatsächlich sinnvoll, dass ein Großteil der ausgeschriebenen Kapazitäten von diesen neun Gigawatt wirklich auch im netztechnischen Süden angesiedelt bzw. bezuschlagt werden", sagt Stephan Kigle von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft in München.

Auch die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG hält den Südbonus prinzipiell für ein sinnvolles Instrument. Allerdings erhalten Kraftwerke schon jetzt einen Bonus, wenn sie Strom-Engpässe auffangen. Und weil diese Engpässe schon jetzt meist im Süden behoben werden, drohe mit dem Südbonus eine doppelte Subventionierung, so die Forscher, die ihre Studie im Auftrag des Cottbusser Energieunternehmens Leag erstellt hatten. Die energieintensive Chemieindustrie im Osten wird jedenfalls ebenfalls schnell verfügbare und sichere Energie benötigen.

CDU-Politiker: Osten wird nicht leer ausgehen

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Lars Rohwer aus Dresden, Mitglied im Energieausschuss, pocht im Gespräch mit MDR AKTUELL auf den Koalitionsvertrag: "Wir haben im Koalitionsvertrag miteinander vereinbart, dass wir Gaskraftwerke zur Versorgungssicherheit in allen Himmelsrichtungen des Landes bauen. Und genau daran fühle ich mich nicht nur gebunden, sondern das werden wir auch tun."

Rohwer geht davon aus, dass der Gesetzentwurf im Bundestag noch so geändert wird, dass auch die ehemaligen Braunkohlestandorte neue Gaskraftwerke erhalten. Viel Zeit für diese Änderungen bleibt nicht. Nach den Plänen des Wirtschaftsministeriums sollen die ersten Gaskraftwerke schon im September ausgeschrieben werden.

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