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Bei der Hauptversammlung geht es der Commerzbank darum, den Aktionären das Übernahmeangebot der Unicredit auszureden. Die Italiener sind nicht vor Ort – und das hat einen Grund.

„Wir sind die Bank – stark und eigenständig“ und „#NOMerger NOrcel“ steht am Mittwochmorgen auf den Plakaten der Commerzbank-Mitarbeiter. Sie protestieren vor dem Rhein-Main Congresscenter in Wiesbaden gegen die Übernahme der Commerzbank durch Unicredit. Sie sind nicht alleine. „Mit dem vorliegenden Angebot versucht die Unicredit, die Commerzbank zu einem Preis zu übernehmen, der den fundamentalen Wert und das Potenzial unserer Bank nicht angemessen widerspiegelt“, sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp bei dem Aktionärstreffen. Aufsichtsratschef Jens Weidmann rief den anwesenden Investoren zu: „Nehmen Sie das Angebot nicht an.“ 

Zu diesem geeinten Protest sagt ein Akteur nichts: Die Unicredit glänzt durch Abwesenheit. Vorstandschef Andrea Orcel überlässt die Bühne jenen, die gegen die Übernahme der deutschen auf den Mittelstand konzentrierten Bank durch den italienischen Großkonkurrenten sind. Dahinter steckt ein Kalkül: Orcel will keinesfalls den Eindruck erwecken, Kontrolle über die Commerzbank auszuüben. Die Italiener haben weder Ergänzungs- noch Gegenanträge eingereicht, sie haben noch nicht mal ihre Stimmrechte, die derzeit – ohne derivative Optionen – bei 26,77 Prozent liegen, angemeldet. 

Commerzbank-Mitarbeiter protestieren gegen die Übernahme durch die Uncredit © Timm Reichert/Reuters

Die Unicredit schreckt nicht die ablehnende Haltung der Bank und anderer Investoren wie etwa die Deka oder DWS ab, die sich ebenfalls gegen die Annahme eines Angebots ausgesprochen haben. Orcel will vor allem vermeiden, dass die Aufsichtsbehörde einer möglichen Fusion, in dem Fall die EZB, den Eindruck bekommt, er übe Kontrolle aus. Denn die EZB kann die Unicredit dazu zwingen, die Commerzbank mit all ihren Aktiva, Passiva und möglichem Goodwill in die eigene Bilanz zu nehmen. Das geht bereits, bevor die Unicredit die rechtliche Mehrheit von mehr als 50 Prozent hält. Die Europäische Zentralbank müsste dazu lediglich feststellen, dass sich die Unicredit wie ein kontrollierender Eigentümer verhält. 

EZB kann Unicredit zur Vollkonsolidierung zwingen

Würde das passieren, rechnet man in Bankenkreisen damit, dass die harte Kernkapitalquote, der Risikopuffer der Bank, dann von 14,7 Prozent auf 12,7 Prozent sinkt. Damit entspricht sie zwar noch haarscharf den Vorgaben der Bankenregulierung, die eine Quote von mehr als 12,5 Prozent vorschreibt. Aber die Unicredit würde von einer stark zu einer am schwächsten kapitalisierten Bank im europäischen Raum absteigen. 

Und das würde keinen freuen, vor allem Anleiheinvestoren nicht. Ganz speziell die Geldgeber nachrangiger Anleihen, wie sie die Unicredit etwa am 12. Mai über 1,25 Milliarden Euro begeben hat. Die Mittel aus der jüngsten Kapitalerhöhung im Februar zur Finanzierung des – für die Aktionäre unattraktiven – freiwilligen Übernahmeangebots könnte die Lücke in der Kernkapitalquote wohl nicht schließen.

Die Hauptversammlung zeigt jedoch auch, dass die Investoren das freiwillige Angebot – mit dem die Unicredit ein Pflichtangebot beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle verhindert hat – nicht in Erwägung ziehen: „Das Angebot ist für uns Aktionäre unattraktiv, weil es keine Prämie bietet“; sagte Andreas Thomae, Vertreter des Investors Dekabank. 

„Reden Sie endlich miteinander.“ 

Hendrik Schmidt von der DWS bezeichnete die Dividende von nunmehr 1,10 Euro als großzügig, warnte jedoch davor, dass die Commerzbank mit den rund 350 Millionen Euro, die in dieser Form an die Unicredit fließen, ihre eigene feindliche Übernahme mitfinanziere. Klar sei, die Unicredit lasse nicht locker, sagte Schmidt. Ein weißer Ritter sei nicht in Sicht und auch auf den Bund, der seit der Finanzkrise noch 12 Prozent an der Commerzbank hält, könne die Commerzbank nicht als Retter setzen, da die Bundesregierung sich bereits zur Reduzierung bekannt habe. 

Klaus Nieding, Vertreter des Kleinaktionärsverbands DSW, plädierte deshalb für Gespräche mit der Unicredit: „Reden Sie endlich miteinander.“ Nur so könne ein „Merger of Equals“ herbeigeführt werden, also ein Zusammenschluss unter Gleichen. 

Und auch wenn der Bund seine Anteile nicht aufstocken wird, sind die 12 Prozent mit ein Grund für die italienische Zurückhaltung. Mit zwei Aufsichtsratsposten und im Verbund mit der Arbeitnehmerseite können alle Beschlüsse und Vorschläge des Vorstands blockiert werden. Dass der Bund das aktuelle freiwillige Angebot annehmen werde, ist nahezu ausgeschlossen. Bis zum Schluss werden die 12 Prozent dazu dienen, Orcels Einfluss unter Kontrolle zu halten. 

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