- Die Wirtschaftskrise trifft die Zeitarbeitsbranche. Schätzungsweise haben 2025 über 300 Firmen Insolvenz angemeldet.
- Doch die Zeitarbeit an sich ist in den vergangenen Jahren attraktiver geworden, vor allem in Sachen Bezahlung.
- Der Branchenverband will die Beschäftigungssparte natürlich erhalten und bleibt dabei positiv gestimmt.
Heiko und Nando haben Arbeit, aber keinen festen Arbeitsplatz. Sie sind Zeitarbeiter. Heute werkeln sie in Erfurt, nächsten Monat woanders. Heiko hilft aktuell bei einem Automobilzulieferer bei Schweißarbeiten aus. "Da werden Rohre von groß bis klein hergestellt, gezogen, geschweißt", erzählt er: "Für mich ist es ganz in Ordnung." Auch Nando ist an die Autobranche verliehen: "In meiner Firma, in der ich jetzt bin, gehe ich viele Bereiche durch. Ich kann halt auch viel. Und das sehen die gerne. Ich habe gute Abwechslung, sagen wir mal so."
Zeitarbeit als schrumpfende Branche
Die beiden erzählen, sie seien zufrieden mit ihrem Job. Doch sie gehören zu einer schrumpfenden Gruppe unter den Berufstätigen. 2017 gab es in Deutschland noch mehr als eine Million Zeitarbeiter. Heute sind es nicht einmal mehr 700.000.
Christian Baumann vom Gesamtverband der Personaldienstleister sieht eine Ursache für den Rückgang um fast ein Drittel in der Wirtschaftskrise. Die Unternehmen fragten seltener Personal an. "Und wenn man sich anschaut, wie hoch die Insolvenzen sind, der Zeitarbeitsfirmen in Deutschland, dann wird mir Angst und Bange", ergänzt Baumann. Er schätzt, dass vergangenes Jahr 320 Zeitarbeitsunternehmen Insolvenz anmelden mussten: "Und das ist für uns richtig viel, weil die Branche so riesengroß ja nicht ist."
Zeitarbeiter nicht mehr schlechter bezahlt
In den vergangenen Jahren hat sich Zeitarbeit verändert – auch aus politischen Gründen. So darf ein Zeitarbeiter heute nur noch maximal 18 Monate an ein und dieselbe Firma verliehen werden, sonst muss er in die Stammbelegschaft wechseln. Die Bezahlung hat sich verbessert. Auch in der Zeitarbeit gelten heute Tarifverträge.
Martin Biewen vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen hat dazu eine umfassende Untersuchung gemacht. "Wenn man vergleichbare Personen und Tätigkeiten gegenüberstellt, dann kann man keinen Nachteil in der Bezahlung in der Zeitarbeit mehr sehen", sagt Biewen: "Im Gegenteil: Teilweise gibt es für vergleichbare Tätigkeiten dann einen Vorteil für Personen, die in der Zeitarbeit arbeiten."
Zeitarbeitsbranche – Ein Seismograph für die Wirtschaft
Auch Nando und Heiko erzählen, dass sie bei manchen Einsätzen mehr verdienen als die Stammbeschäftigten. Ihr gemeinsamer Chef ist Florian Meyer. Seine Firma Geat gehört zu den großen Personaldienstleistern in Ostdeutschland. In Thüringen vermittelt niemand so viele Zeitarbeiter wie er. Meyer hat das Unternehmen von seinem Vater übernommen, der es vor 31 Jahren gegründet hat. Die Zeitarbeitsbranche sei wie ein Seismograph, erzählt Meyer. Sie spüre zuerst, wenn es in der Wirtschaft nicht laufe. Dann ließen sich Ungelernte und Niedrigqualifizierte schwer vermitteln.
Doch die Zeitarbeit sei wichtig – auch für die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt: "Wir bieten Beschäftigungschancen, Qualifizierungschancen und sind stolz darauf, dass wir sehr viele verschiedene Nationen bei uns vereinen und damit auch kulturell gut umgehen können."
Branchenverbandschef: Zeitarbeit hat Zukunft
Auch Branchenverbandschef Baumann betont, die Branche habe Zukunft und begründet das mit einem Beispiel. "Wir wechseln jedes Jahr unsere Autos von Sommer auf Winterreifen. Das ist ein Zeitpunkt, da haben Werkstätten auf einmal unfassbar viel zu tun. Aber nur für acht Wochen. Das sind Einsatzbereiche, wo wir weiterhin unbedingt gefragt werden."
Zeitarbeiter Heiko war schon an zwölf unterschiedliche Firmen verliehen. Er findet die Abwechslung gut – und will auch nach 17 Jahren Zeitarbeiter bleiben. Als einer, der immer dann kommt, wenn es für die Stammbeschäftigten zu stressig wird.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke