Diese Zeilen könnten noch unangenehm für OpenAI werden: Jüngste Enthüllungen aus dem Prozess zwischen Elon Musk und OpenAI werfen kein gutes Licht auf das Geschäftsgebaren des Start-ups. Im Zentrum stehen Auszüge aus den Tagebüchern von OpenAI-Präsident Greg Brockman, die während der Voruntersuchung offengelegt wurden. Das berichtet die britische „Financial Times“.
In der von Elon Musk angestrengten Klage wird Brockman und OpenAI-Chef Sam Altman vorgeworfen, von ihrem ursprünglichen Ziel der Gemeinnützigkeit abgerückt zu sein. Musk war ein früher Geldgeber des ChatGPT-Entwicklers und formulierte bereits vergangene Woche bei seiner Aussage vor Gericht schwere Vorwürfe gegen Altman und Brockman. „Es ist nicht okay, eine wohltätige Organisation zu stehlen“, sagte er zum Prozessauftakt. Altman war ebenfalls im Saal, seine Aussage ist aber erst später geplant.
Musk sieht es so, dass die Verantwortlichen OpenAI von einer zunächst gemeinnützigen KI-Forschungsorganisation zu einer Firma gemacht haben, deren gesamter Wert in einen profitorientierten Teil ausgelagert worden sei. Das stehe der ursprünglichen Mission entgegen. Mit Brockmans Tagebucheinträgen versuchen Musk und sein Anwalt, diesen Vorwurf zu belegen. OpenAI wiederum wirft Musk vor, er nutze seine Klage, um die gemeinnützige OpenAI Foundation anzugreifen, und dass Musk selbst die Profitorientierung vorangetrieben hätte.
Musk gegen OpenAI: Tagebucheinträge von 2017
Die Einträge in Brockmans Tagebuch stammen aus dem Jahr 2017. Damals tobte schon ein erbitterter Machtkampf zwischen Brockman, Altman und Musk um die Ausrichtung von OpenAI. Besonders brisant sind die Stellen, in denen Brockman offen über den Wechsel zu einem profitorientierten Modell nachdenkt und persönliche Gewinne thematisiert, die sich demnach zu diesem Zeitpunkt auf fast 30 Milliarden Dollar summiert haben sollen. Musks Anwalt Steven Molo konfrontierte Brockman mit mehreren seiner Einträge. So notierte dieser etwa:
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das hier ohne heftigen Streit in ein gewinnorientiertes Unternehmen umwandeln können … [Musk] wird zu Recht behaupten, dass wir am Ende nicht ehrlich zu ihm waren, was unsere Absicht angeht, weiterhin gewinnorientiert zu arbeiten – nur eben ohne ihn.
An anderer Stelle schreibt er:
Eine weitere Erkenntnis daraus ist, dass es falsch wäre, ihm die gemeinnützige Organisation wegzunehmen … Das wäre moralisch ziemlich verwerflich. Und er ist wirklich kein Dummkopf.
Diese Zeilen machen die Tagebücher zu einem schwachen Punkt in der Verteidigung von Altman und Brockman, weil sie Belege liefern könnten, dass finanzielle Motive bereits früh eine Rolle spielten.
Noch deutlicher wird es, wenn Brockman seine eigenen finanziellen Ziele anspricht. In einem Eintrag vom September 2017 fragt er:
Das ist unsere einzige Chance, uns von Elon loszusagen … Was muss ich finanziell tun, um auf 1 Milliarde Dollar zu kommen?
Molo verwies laut „FT“ auch auf eine Passage, in der Brockman schrieb: „Wir haben darüber nachgedacht, dass wir vielleicht einfach auf ein gewinnorientiertes Modell umsteigen sollten. Geld zu verdienen klingt für uns großartig und so“ und „es wäre schön, Milliarden zu verdienen“.
Musk droht per SMS
Brockman versuchte während des Kreuzverhörs, die Passagen als Ausdruck von Frustration zu erklären: Sie seien „eine Reaktion auf den Streit mit Elon Musk“ und keine konkrete Handlungsanweisung gewesen. Er sagte, dass „die Erfüllung der Mission schon immer meine Hauptmotivation war“, räumte jedoch ein, dass „die Vergütung sicherlich eine sekundäre Motivation darstellt“. Den Vorwurf, dass die Zuteilung von Anteilen im Wert von fast 30 Milliarden Dollar einen Verstoß gegen seine Treuepflichten als ehemaliges Vorstandsmitglied der gemeinnützigen Organisation darstelle, wies er zurück. Dennoch sind die Auszüge aus seinen Aufzeichnungen eine Schwachstelle in der Argumentation von OpenAI.
Eine gütliche Einigung scheint nicht in Sicht, das zeigt auch der SMS-Verkehr zwischen Musk und Brockman. Wie die „FT“ schreibt, schickte Musk Brockman kurz vor Prozessbeginn eine Textnachricht, um Chancen für einen Vergleich auszuloten. Als dieser vorschlug, dass beide Seiten ihre Ansprüche fallen lassen sollten, antwortete Musk: „Bis Ende dieser Woche werden du und Sam die meistgehassten Männer Amerikas sein. Wenn ihr darauf besteht, wird es so kommen.“
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