- Mais als günstiger Schlüsselrohstoff für Betreiber von Biogasanlagen
- Umweltbundesamt warnt vor negativen Folgen einer stärkeren Maisnutzung
- Biogas soll ohne falsche Anreize wachsen
Thomas Balling betreibt auf dem Gelände seiner Biogasanlage bei Gotha drei Blockheizkraftwerke. Bis zu 20.000 Haushalte könnten sie mit Strom versorgen, sagt er. Das Biogas, das die Generatoren befeuert, stammt aus insgesamt 15 Substraten. Alles das, was anfällt: "Mist, Gülle, Spreu, Spelzenstaub, Kartoffeln, wenn sie über sind, Zuckerrüben, Zuckerrübenschnitzel, Getreideschlempe, alles das wird vorrangig eingesetzt", erklärt Balling. Und besonders wichtig: Energiemais.
Mais als günstiger Schlüsselrohstoff für Biogasbetreiber
Einfach gesprochen kann Mais nämlich wie kaum eine andere Pflanze Sonnenenergie umwandeln und dann später im Gärprozess als Gas wieder freisetzen. Als Unternehmer und Präsidiumsmitglied des Fachverbands Biogas würde Balling deswegen gerne mehr Mais für die Gasproduktion nutzen. Aktuell darf die Pflanze 25 Prozent des Substratmix‘ ausmachen, laut EEG-Entwurf dürften es bald 30 Prozent sein. Gut, aber immer noch zu wenig, sagt Balling, der den Maisdeckel am liebsten gleich ganz abschaffen würde. Mais sei am ertragreichsten und zugleich am günstigsten. "Wir reden alle davon, Kosten zu sparen – und wie soll man Kosten einsparen, wenn man das Günstigste nicht nehmen darf?"
Umweltbundesamt warnt vor negativen Folgen einer stärkeren Maisnutzung
Im Umweltbundesamt hält man diese Option für nicht besonders günstig, jedenfalls nicht aus ökologischer Sicht. Die Maisnutzung zu regulieren, sei mit Blick auf die Vergangenheit dagegen sehr sinnvoll, sagt Sophie Richter vom Fachgebiet Erneuerbare Energien des UBA. Es habe sich eben leider gezeigt, dass es zu einem sehr starken Boom von eben diesen Energiepflanzen kommen könne. Das könnte negative Folgen haben für die Qualität der Böden, die Biodiversität und die Lebensmittelproduktion. "Bereits jetzt gibt es eben Flächen- und Nutzungskonkurrenzen gegenüber der Futter- und Nahrungsmittelproduktion, und dieser Druck auf die Fläche könnte sich dann eben noch mal mehr verschärfen", mahnt Richter. Das waren auch die Gründe, den Maisdeckel 2012 überhaupt einzuführen. Es sei ökologisch deutlich sinnvoller, statt Mais verstärkt auf Reststoffe, Gülle und Abfälle zu setzen, sagt Richter.
Biogas soll ohne falsche Anreize wachsen
Das hält auch Nina Scheer grundsätzlich für einen guten Weg. Es dürften keine falschen Anreize gesetzt werden, meint die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion. Wenn es jetzt in eine andere Richtung gehen sollte, dann müsse man einfach anderweitig dafür sorgen, dass diese gewünschten Effekte eintreten könnten. Es dürfe insgesamt zu keinen Fehlanreizen bei der Bioenergie kommen. Dafür brauche es die richtigen Förderprogramme, erklärt Scheer, ohne konkreter zu werden. Sie betont aber die große Bedeutung von Biogas für den deutschen Energiemix. Es sei eine wichtige Ergänzung zur Energie aus Sonne und Wind, könne etwa eingesetzt werden, wenn beides nicht ausreichend zur Verfügung steht.
Ein Bekenntnis, das Agrar-Unternehmer Thomas Balling gerne hören dürfte. Die Sorge, dass der Mais andere Lebensmittel verdrängen könnte, teilt er allerdings nicht: "Hier im Landkreis Gotha, wo wir sind, ist der Mais in der Summe bei acht bis zehn Prozent aller Kulturen und Getreide haben wir 60 bis 70 Prozent." Mit Blick auf die Fruchtfolge auf den umliegenden Feldern hält er eine solche Blattfrucht sogar für ziemlich sinnvoll.
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