• "GNU Taler" ermöglicht anonymes, digitales Bezahlen.
  • Forscher halten ihn für sicherer als digitalen Euro.
  • "GNU Taler" stärkt die lokale Wirtschaft.
  • US-Sanktionen gegen Richter zeigen Notwendigkeit für europäische Onlinebezahl-Lösung.

Es ist eine Abkürzung, wie sie viele Forschende lieben: "GNU Taler". Mit einem Tier hat sie nichts zu tun. Der "GNU Taler" steht für ein digitales Bezahlsystem. Für Nutzer funktioniere es wie viele andere Apps, sagt Mikolai Gütschow von der TU Dresden. Nutzer müssten vorher einmal die App installiert und Geld abgehoben haben.

Es sei wie eine Prepaid-Karte, die man auflade und dann benutze. Wenn man bezahlen möchte, bekomme man einen QR-Code gezeigt, den man scanne. Man könne auch einfach nur dranhalten, wie man es mit NFC kenne, und dann werde bezahlt, erklärt Gütschow.

"GNU Taler" ermöglicht anonymes Bezahlen

Was unspektakulär klingt, hat es in sich. Mit dem "GNU Taler" lässt sich – wie mit Bargeld – anonym bezahlen. Weder eine Bank, noch ein Geschäft wissen, wer was gekauft hat.

Mikolai Gütschow von der TU DresdenBildrechte: TU Dresden

Aber anders als zum Beispiel Kryptowährungen sei der "GNU Taler" an einer entscheidenden Stelle nicht anonym, sagt Forscher Gütschow. Derjenige, der Geld bekomme, sei identifizierbar. Das bedeute, wenn der Supermarkt Geld verdiene, dann sei nachprüfbar, dass der Geld bekommen habe.

Gütschow betont, sie seien definitiv nicht auf der Schiene, dass alles komplett anonym sein müsse, und dass man am Staat vorbei wolle. Wo es möglich sei, sei es sehr sinnvoll, Anonymität zu haben, um eben keine totale Überwachung zu haben. Aber auf der anderen Seite sehe man natürlich, dass ein funktionierender Staat auch Steuern brauche.

"GNU Taler" sicherer als digitaler Euro

Logo zum "GNU Taler"Bildrechte: GNU Taler

Gütschow hält den "GNU Taler" auch für anonymer und sicherer als den digitalen Euro, an dem die Europäische Zentralbank arbeitet. Und von den umstrittenen Kryptowährungen unterscheidet sich der "GNU Taler" noch deutlicher. Gütschow erklärt, dass er keine neue Währung sei, sondern echte Euros oder jede andere Währung.

Teilnehmer des CCC-Konferenz in Dresden bezahlten mit "GNU Taler"

Dass er funktioniert, haben die Macher bereits zwei Mal gezeigt: bei den Datenspuren. Auf der jährlichen Konferenz des Chaos Computer Clubs Dresden wurden im vergangenen Jahr 25 Prozent des Umsatzes mit dem Taler erledigt – ansonsten haben die Besucher bar bezahlt. Eine Firma, die den "GNU Taler" bereits als Zahlungsmittel akzeptiert, ist Nym Technology aus der Schweiz. Die Firma verkauft verschlüsselte Netzzugänge, sogenannte VPNs.

"GNU Taler" stärkt lokale Wirtschaft

Alexis Roussel von Nym Technology erklärt, seine Firma akzeptiere Taler, weil diese Technologie den Vorteil habe, dass man damit in digitalen Schweizer Franken, aber anonym bezahlen könne. Und er betont: "Jedes Mal, wenn Sie mit einer digitalen Währung oder einer Kreditkarte bezahlen, jedes Mal verlässt ein Teil des Geldes das Land und trägt nicht mehr zur lokalen Wirtschaft bei." Aber der "GNU Taler" könne zur europäischen Wirtschaft beitragen.

Forscher aus Dresden, Berlin, der Schweiz und den Niederlanden beteiligt

Die Grundidee des Talers entstand bereits in den 1980er-Jahren. Die aktuelle Forschung wird von der EU gefördert. Neben der TU Dresden sind die TU Berlin und Unis in der Schweiz und den Niederlanden beteiligt. Was bislang für einen großflächigen Einsatz fehlt, ist ein Unternehmen mit einer Banklizenz, das den "GNU Taler" betreibt.

US-Sanktionen zeigen Notwendigkeit für europäische Onlinebezahl-Lösung

Wie nötig es ist, solche Systeme zu entwickeln, zeigen derzeit US-amerikanische Sanktionen gegen Richter und Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs. Sie können weder Kreditkarten nutzen, noch Hotels buchen oder online einkaufen, weil Bezahldienste und Onlinehändler vor allem US-Unternehmen sind, denen Strafen drohen, wenn sie mit sanktionierten Personen Geschäfte machen.

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