- Patentanmeldungen sind häufigen an Firmensitze geknüpft.
- Deshalb soll Hochschulforschung nicht nur theoretisch bleiben, sondern auch auf den Markt kommen.
- Doch dafür muss viel investiert werden, wie das Beispiel eines Leipziger Chemikers zeigt.
Krebsdiagnosen sind oft kompliziert. Dirk Kuhlmeier will sie mit seiner Firma Intu Diagnostics einfacher machen. Der Chemiker hat zusammen mit einer Medizinerin in Leipzig einen Test entwickelt. Mit dem sollen sich Frauen zu Hause auf HPV testen können. Die Viren sind Auslöser für Gebärmutterhalskrebs. "Wir wollen den so einfach machen wie einen Corona-Test, aber von der Qualität viel besser. Bei einem Corona-Test – der funktioniert auf sogenannten Antikörper-, Antigen-Wechselwirkungen. Die Sensitivität ist deutlich geringer im Vergleich zu unserem PCR-ähnlichen Test."
Nur Bruchteil der Patentanmeldungen kommt aus dem Osten
Dirk Kuhlmeier von Intu Diagnostics.Bildrechte: Ralf GeißlerKuhlmeier hat sein Test-Kit zum Patent angemeldet. Insgesamt sind beim Deutschen Patent- und Markenamt vergangenes Jahr mehr als 62.000 Patentanmeldungen eingegangen. Nur ein Bruchteil davon kommt aus Ostdeutschland. Selbst mit Berlin bringen es alle Ost-Länder zusammen gerade einmal auf 2.000 Patentanmeldungen im Jahr. In Thüringen ist die Zahl sogar gesunken.
Patentamtssprecher Til Huber sagt, trotzdem habe auch der Osten exzellente Forschung: "Gerade Jena ist da ein sehr großes Cluster. Jena ist, wenn man den Durchschnitt der Patentanmeldungen pro Kopf nimmt, im Grunde fast so stark wie München. Die Universität Dresden ist ebenso als Beispiel zu nennen mit vielen Patentanmeldungen, guten Forschungseinrichtungen, aber insgesamt ist es so, dass sich die Masse der Patentanmeldungen im Süden ballt, wo die großen Technologieunternehmen sitzen."
So kommt es, dass in Bayern siebzig Mal mehr Patente angemeldet wurden als in Sachsen-Anhalt. Selbst wenn in einem ostdeutschen Werk eine große Erfindung gemacht wird: Das Patent wird auf die Firmenzentrale eingetragen. Und die sitzt häufig im Westen. Dem Osten bleiben seine Hochschulpatente.
Viele Ideen werden nicht in die Praxis umgesetzt
André Hofmann findet, darauf sollte man sich nicht ausruhen. Er leitet den sächsischen Branchenverband der Biotechnologie: "Wir müssen hochschulpolitisch, wirtschaftspolitisch darauf drängen, dass das, was an den Hochschulen geforscht wird, eine Relevanz hat für den Markt, um eben irgendwann mal im Sinne einer Kommerzialisierung dann wieder Steuereinnahmen zu generieren. Die Hochschulen sind nicht schlecht aufgestellt, was das betrifft. Es könnte aber eben noch mehr sein."
Hofmann erzählt die Geschichte eines Heilmittels aus Dresden: Mediziner hätten dort eine Art Fingerüberzieher entwickelt, der bei abgeschnittenen Fingerkuppen für Heilung sorgt. Das Verfahren wurde über die Hochschule patentiert. Doch weil die Mediziner keine Unternehmer sein wollten, lag das Patent viele Jahre ungenutzt in Schubladen.
Heute kommen vergleichbare Produkte aus den USA. Hofmann ärgert das: "Ich weiß nicht, wie viele Millionen an Fördergeldern und Patentkosten da reingeflossen sind in der Summe. Das haben sie einfach vergurkt. Und davon, bin ich mir sicher, finden wir dutzende bis hunderte Beispiele. Das ist das Dilemma."
Leipziger Beispiel macht Hoffnung
Der HPV-Test von Intu Diagnostics.Bildrechte: Ralf GeißlerDirk Kuhlmeier von Intu Diagnostics arbeitet daran, dass seine Erfindung nicht in Schubladen verstaubt. Er hat seinen HPV-Test für zu Hause nicht nur in Deutschland patentieren lassen. "Wenn Sie sich vorstellen, dass weltweit 350.000 Frauen geschätzt an Gebärmutterhalskrebs sterben, ist das natürlich nicht nur ein Produkt, das wir in Sachsen vertreiben wollen, sondern weltweit. Das heißt, wir brauchen auch weltweiten Patentschutz dafür."
In die Patente hat Kuhlmeier viel investiert. Nun geht es um die medizinische Zulassung – auch aufwändig und teuer. Er hofft, dass man seinen Test anschließend kaufen kann. Er wäre dann ein Beispiel dafür, dass Erfindungen im Osten nicht nur angemeldet, sondern auch in die Praxis umgesetzt werden.
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