- Nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine steigen die Düngerpreise mit dem Krieg im Nahen Osten wieder.
- Das Hauptproblem mit regionaler Gülle: Sie ist nicht überall einsetzbar und kann auch nicht so einfach transportiert werden.
- Da die Ökolandwirtschaft keine künstlichen Dünger nutzt, bleibt sie von den Kostenauswirkungen verschont.
Mais, Gerste, Raps – auf den Feldern düngen die Bauern derzeit ihre Kulturen. Darauf verzichten können sie nicht, berichtet Thomas Thiele, Vizepräsident des Landesbauernverbands, trotz steigender Preise: "Verdoppelt haben sie sich noch nicht, aber ich sag' mal, die Hälfte mehr ist es auf jeden Fall geworden."
Die Entwicklung bereitet ihm Sorgen. Den Preisschock zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hat er noch gut in Erinnerung, damals vervierfachten sich die Preise teils.
Schon länger versucht er, weniger synthetischen Dünger einzusetzen. Neben Getreide und Gemüse setzt sein Betrieb auch auf Tierhaltung und nutzt die anfallende Gülle auf den eigenen Feldern: "Wenn ich diesen organischen Nährstoff bringe, der braucht wesentlich länger als ein mineralischer, bis er in der Pflanze verfügbar ist." Trotzdem wird Gülle mit steigenden Düngerpreisen attraktiver.
Transportproblem erschwert Einsatz organischer Dünger
Doch längst nicht jeder Betrieb kommt einfach an den lokalen Dünger, erklärt Knut Ehlers vom Umweltbundesamt in Dessau: "Das Hauptproblem ist: Nicht dort, wo die Gülle eingesetzt werden könnte, ist sie immer auch verfügbar und nicht überall dort, wo sie verfügbar ist, kann sie in den anfallenden Mengen sinnvoll genutzt werden. Stichwort Überdüngung."
Vor allem im Nordwesten – zum Beispiel Niedersachsen – werden viele Tiere gehalten, gebraucht wird die Gülle aber etwa in den Bördeflächen Mitteldeutschlands. Das Problem: der Transport. "Gülle besteht zu 90 Prozent aus Wasser. Da lohnt sich ein Transport über weitere Strecken eben nicht. Eine mittelfristige Lösung für das Problem wäre die Aufbereitung der Wirtschaftsdünger wie Gülle in Anlagen, um die Nährstoffkonzentration und damit auch die Transportwürdigkeit zu steigern. Das funktioniert aber natürlich nur mittelfristig." So wird Gülle teils entsorgt, während konventionelle Betriebe weiter auf teuren Kunstdünger angewiesen sind.
Ökolandwirtschaft spürt keine finanziellen Auswirkungen
Immerhin ein Teil der Landwirtschaftsbetriebe spürt einen Aufwind – im Ökolandbau, sagt Tamira Zöller: "Der nutzt keinen Kunstdünger. Er braucht auch keinen Kunstdünger und der darf vor allen Dingen keinen Kunstdünger einsetzen. Damit sind die aktuell nicht davon betroffen, dass die Düngemittel teurer werden."
Aufgewachsen auf einem Thüringer Bauernhof, ist Zöller Referentin für Tierhaltung und Agrarpolitik beim deutschen Bio-Spitzenverband Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Ziel sei es, Kreisläufe zu schließen, möglichst alle Ressourcen vor Ort zu nutzen und so unabhängig von Weltlagen zu werden.
Ökolandwirtschaft setzt erfolgreich auf Zwischenkulturen
Wenn Gülle knapp sei, setzen Bio-Bauern auf hiesige Alternativen: "Vor allen Dingen ist da im Ökolandbau der Einsatz von Leguminosen zu sehen. Das sind Hülsenfrüchte, zum Beispiel Ackerbohne, Erbse oder Luzerne. Die werden zwischen den Kulturen angebaut und diese Leguminosen können mit einer Symbiose Stickstoff aus der Luft ziehen und in den Boden einbinden."
Dass die Krise auch Chancen bietet, sieht auch Knut Ehlers vom Umweltbundesamt: "Das Umdenken und die Wahrnehmung in der Landwirtschaft ist da. Es sprechen halt die ökonomischen Rahmenbedingungen nach wie vor noch nach dagegen. Düngemittel sind jetzt kurzfristig teurer geworden, waren auch 2022 und Anfang 2023 erheblich teurer. Aber das sind halt eben eher kurzfristige Sachen."
Für einen echten Wandel müsste der Dünger teuer bleiben. Auf die Preise im Supermarkt wirken sich die steigenden Produktionskosten bislang kaum aus. Anders als beim Sprit lassen sich Mehrkosten nicht einfach weitergeben – im Lebensmittelmarkt diktieren vor allem die Handelsketten die Preise.
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