- Wegen Ausfällen wichtiger Lieferanten – insbesondere Katar – herrscht weltweit Heliummangel, der vor allem Industrie, Medizin und Forschung betrifft.
- Trotz der Knappheit ist Sachsens Chipindustrie dank Vorräten aktuell versorgt, spürt aber steigende Preise.
- Ein deutsches Unternehmen prüft in Mecklenburg-Vorpommern eine eigene Heliumförderung, bleibt aber trotz möglicher Funde auf Importe etwa aus Katar angewiesen.
Wenn man beim Kindergeburtstag einen Lacher haben will, nimmt man einen tiefen Zug aus einem Helium-Ballon und klingt wie Micky Maus. Aber vielleicht ist die Lage für solche Scherze schon zu ernst. Helium ist gerade weltweit knapp.
Dabei benötige die Wirtschaft das Gas dringend, sagt Jan Warstat von der Nasco AG: "Helium braucht man in fast allen wichtigen Bereichen der Industrie und der Medizin. Als Beispiel: Jeder MRT-Scanner braucht knapp 1.000 Liter flüssiges Helium, um den Magneten zu kühlen." Außerdem werde Helium zum Unterwasserschweißen, zum Reinigen von Reinräumen und zur Produktion von Halbleiterchips gebraucht.
Warstat kennt den Bedarf, weil er selbst Helium fördert. Der Hamburger betreibt in den USA mehrere Gasfelder. Die Anfragen nach Helium dort häufen sich. Denn einer der weltweit wichtigsten Lieferanten – Katar – fällt gerade aus. Zum einen stecken Helium-Frachter an der Straße von Hormus fest. Schwerer aber wiegt: Anlagen in Katar wurden von iranischen Raketen getroffen, die Reparaturdauer ist unklar.
40 Prozent Helium fehlen
Peter Klitzke ist Heliumexperte bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Laut Klitzke fehlen aktuell 40 Prozent Helium auf dem europäischen Markt. Und Helium sei schwer durch andere Stoffe zu ersetzen: "Es kann bei einzelnen Unternehmen zu Engpässen kommen. Das betrifft vor allem Unternehmen, die im medizinischen Bereich arbeiten, also bei MRT-Produkten, in der Chipindustrie aber auch Forschungsinstitute."
Wie dramatisch die Lage noch wird, lasse sich kaum vorhersagen, ergänzt Klitzke. Lieferverträge würden in der Regel individuell geschlossen und sind nicht öffentlich.
Heliumvorräte vorhanden
Sicher ist: Es sind große Mengen, die auch Sachsens Chipindustrie benötigt. Frank Bösenberg vom Branchenverband betont, Industrie und Zulieferer hätten sich vorbereitet: "Die Halbleiter-Industrie kennt Unterbrechungen der eigenen Lieferkette und ist sich dessen bewusst. Sie hat verschiedene Maßnahmen implementiert."
So gebe es, erklärt Bösenberg, in Gronau-Epe von Air Liquide beispielsweise einen großen Heliumspeicher – ein wichtiger Zulieferer. "Insofern: Auswirkungen preislicher Natur sind sicherlich spürbar. Verfügbarkeitsproblematiken gibt es aber zumindest im Silicon Saxony nicht." Wie groß die Vorräte im erwähnten Heliumspeicher sind, bleibt offen.
Suche nach Helium in Deutschland
Während die Preise weltweit steigen, sind einige Deutsche selbst auf der Suche nach Helium. In der Nähe von Wolgast hat die Firma 45-8 Energy schon im November mit Probebohrungen begonnen.
Geologe Ulrich Schuster erzählte damals dem NDR: "Hier in der Gegend wurde in den 60er- und 80er-Jahren nicht erfolgreich nach Öl und Gas exploriert." Man habe damals aber Daten erhalten, die später so interpretiert hätten werden können, dass ein gewisser Heliumanteil zu erwarten sei.
Ob sich die Helium-Förderung bei Wolgast lohnt, entscheiden die kommenden Monate. Ersetzen kann das norddeutsche Feld die Lieferungen aus Katar sicher nicht. Europa bleibt beim Helium auf die Golfregion angewiesen, die Industrie genauso wie die Kinder. Denn kein Einhorn-Ballon fliegt auf dem Kindergeburtstag ohne Helium.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke