Es war der Aufreger der diesjährigen Nürnberger Rüstungsmesse „Enforce Tac“: zwei Militärfahrzeuge aus dem Hause Volkswagen. Unter Geheimhaltung entwickelt und im von Schließung bedrohten Osnabrücker VW-Werk zusammengeschraubt.
Eines der beiden Fahrzeuge war ein umgebauter grünfarbener VW Amarok, das andere ein ähnlich präsentierter VW-Kleintransporter des Modells Crafter.
Das Emblem des Autoherstellers suchte man jedoch vergeblich an dem Stand der Firma Diederich Engineering Systems (D.E.S.), die militärische Spezialfahrzeuge herstellt. Sowohl beim Amarok als auch beim Crafter war das VW-Logo abgeklebt, wie das Portal „Defence Network“ von vor Ort berichtete.
Gegenüber dem NDR Niedersachsen bestätigte Rainer Diederich, Geschäftsführer von D.E.S., dass die VW-Fahrzeuge auf seinem Messestand präsentiert wurden. Mit dem Konzern sei aber abgestimmt worden, dass er noch nicht mehr sagen dürfe.
Neue Perspektive für das bedrohte VW-Werk Osnabrück?
Interessant ist, dass die vorgestellten Militärfahrzeuge wohl im von Schließung bedrohten VW-Werk Osnabrück erdacht wurden. Dort werden vor allem Cabrios und Kleinserien produziert. In Osnabrück gehen zum Beispiel der Porsche Boxster und das T‑Roc Cabriolet vom Band. Beide Modelle werden jedoch bald nicht mehr dort gebaut. Die Produktion des Boxsters endet schon an Ostern dieses Jahr, die des T-Roc ersatzlos in 2027.
Dem stern sagte VW zur Situation in Osnabrück und den in Nürnberg vorgestellten Militärfahrzeugen: „Volkswagen prüft weiterhin verschiedene Zukunftsoptionen für den Standort Osnabrück.“ Der Standort sei innerhalb des Produktionsnetzwerks der Volkswagen AG als projekt- und auftragsorientierter Standort für Kleinserien- und Spezialprojekte etabliert.
„Das Volkswagen Werk Osnabrück hat in den vergangenen Monaten verschiedene Fahrzeugkonzepte entwickelt und diese auf der Enforce Tac präsentiert, um mögliche Marktchancen und Perspektiven auszuloten“, so VW weiter. Ob und in welchem Umfang sich daraus konkrete Projekte ergeben, sei derzeit offen.
In nur vier Monaten entwickelt
Die beiden Prototypen sollen innerhalb von vier Monaten entwickelt worden sein, wie „Defence Network“ berichtet. Einen schneidigen Markennamen haben sie noch nicht. Der umgebaute Amarok wird mit MV.1 bezeichnet, der Crafter mit MV.2. MV steht für Military Vehicle, zu Deutsch Militärfahrzeug.
MV.1 kann schnell und effektiv eingesetzt werden und zum Beispiel kleinere Fahrzeuge wie Quads transportieren. MV.2 ist ein vollwertiger, mobiler Arbeitsbereich für die Einsatzleitung, aber auch für medizinische und logistische Aufgaben.
Die beiden Fahrzeuge verfügen zudem über klar militärische Sonderausstattung wie einen Stealth-Modus, der die elektromagnetische, akustische und thermische Signatur reduziert. Der Modus soll es ermöglichen, auch in besonders aufklärungsrelevanten Einsatzumgebungen zu agieren.
Zukunft von Volkswagen
Für VW ist die ganze Sache heikel. Unter Beiträgen auf Social Media schreiben Nutzer schon jetzt Kommentare wie „Zurück zu den Wurzeln?“ oder „1938 revisited“ – wohl Anspielungen auf die NS-Zeit, in der Volkswagen für die Wehrmacht produzierte.
Dabei hat Volkswagen bereits sogenannte hybride Fahrzeuge für die Bundeswehr geliefert. Diesen dienen zivile Modelle als Basis, die von spezialisierten Unternehmen für militärische Zwecke umgerüstet werden.
Die Fahrzeuge MV.1 und MV.2 unterscheiden sich davon grundlegend: Sie wurden von Anfang an ausschließlich für den militärischen Einsatz entwickelt und haben technisch und konzeptionell nichts mehr mit zivilen Fahrzeugen gemein.
Dass VW sein Geschäftsmodell langfristig anpassen muss, ist klar. Dass das in der Branche möglich ist, zeigte sich bereits beim französischen Hersteller Renault: Anfang des Jahres gab Renault bekannt, bald Langstreckendrohnen für Frankreichs Militär zu fertigen – in Partnerschaft mit dem Rüstungsunternehmen Turgis & Gaillard.
Quellen: NDR, Defence Network
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